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Roboterauto chauffiert Bundesministerin

15.08.2012 | 18:42 Uhr
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Foto: /dapd/Klaus-Dietmar Gabbert

Die Aufgabe von Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) ist einfach. Sie muss eigentlich nichts tun, außer Vertrauen in deutsche Technik zu haben. Denn die Ministerin sitzt auf dem Rücksitz des Roboterautos "Made in Germany", das am Mittwoch in Berlin auf einem Verkehrsübungsplatz seine Runden dreht.

Berlin (dapd-bln). Die Aufgabe von Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) ist einfach. Sie muss eigentlich nichts tun, außer Vertrauen in deutsche Technik zu haben. Denn die Ministerin sitzt auf dem Rücksitz des Roboterautos "Made in Germany", das am Mittwoch in Berlin auf einem Verkehrsübungsplatz seine Runden dreht. Der fahrerlose Wagen mit einem rotierenden Laserscanner auf dem Dach ist ein Forschungsprojekt der Freien Universität (FU) Berlin.

Das Vertrauen in die Technik komme bereits nach der ersten Runde, sagt Schavan nach Ende der Fahrt. Doch schon bevor sie aussteigt, wirkt die Ministerin auf dem Rücksitz des Autos entspannt. Nach eineinhalb Runden steckt sie sich ihre Brille locker in die Kurzhaarfrisur.

Das Roboterauto fährt selbstständig von einem vorgegebenen Punkt zum anderen. Während der Fahrt soll es Ampelphasen erkennen und sich an die Verkehrsregeln halten. "Der Benutzer ist nur noch Passagier", erläutert Projektleiter Raul Rojas. "Es ist wie ein Taxi."

Und genau als solches sollen die selbst fahrenden Pkw einmal das eigene Auto ersetzen. Denn Konzepte wie Car-Sharing scheitern laut Rojas bisher oft daran, dass die Nutzer zum nächsten verfügbaren Wagen laufen müssen. Künftig sollen sie von dem Roboterauto abgeholt werden.

Bis es so weit ist, werde es noch 30 bis 40 Jahre dauern, sagt Rojas. Technisch sei es heute bereits möglich, allerdings nur auf einem privaten Gelände. Denn die gesetzlichen Rahmenbedingungen seien nicht geklärt. Eventuell könnten sogenannte autonome Fahrten auf der Autobahn bereits in zehn Jahren Realität sein, sagt der Professor. Und irgendwann, noch in diesem Jahrhundert, würden die Roboterautos die Straßen vollständig erobert haben. "Dann wird menschliches Fahren aus Sicherheitsgründen sogar verboten sein", prophezeit er.

Solange werden die Versuchsfahrzeuge der FU noch auf ausgesuchten Teststrecken erprobt. Zur Flotte gehört ein elektrischer Kleinwagen eines japanischen Herstellers im Wert von rund 100.000 Euro. Was das deutsche Mittelklasseauto kostet, in dem Schavan ihre Runden dreht, verrät Rojas nicht. "Das wollen Sie gar nicht wissen", sagt der Mexikaner.

Zu Beginn der Testfahrten in der Nähe des Flughafens Tegel wagte sich zunächst ein Rollstuhlfahrer auf die vorprogrammierte Bahn. Der Student, der sein Gefährt per Tablet-PC steuert, bleibt gelassen. Es ist nicht das erste Mal, dass sich seine Wege mit denen des Roboterautos kreuzen. Und auch dieses Mal stoppt das Fahrzeug. Der Sicherheitsfahrer, der hinter dem Steuer saß und während der Fahrt demonstrativ die Hände vom Lenkrad genommen hatte, steigt aus. Es geht in die nächste Runde. Schavan, der Co-Pilot und ein weiterer Passagier sind jetzt wirklich fahrerlos unterwegs.

Das Auto hat sich die Strecke vorher über GPS-Punkte gemerkt. Herkömmliches Kartenmaterial ist für die fahrerlose Fahrt bislang noch nicht genau genug. Steht fest, wo das Auto hinfahren soll, wird über mehrere Laserscanner ein 360-Grad-Umgebungsbild erzeugt. Dadurch kann beispielsweise ein stehendes Fahrzeug registriert und überholt werden. Während der Aktion blinkt das Auto sogar vorschriftsmäßig.

Vom Sitz reißt das vor Ort niemanden. Schließlich ist "Made in Germany" nicht das einzige Fahrzeug dieser Art. Auch Google arbeitet am Auto ohne Fahrer. Die Amerikaner wollen bereits in acht Jahren die Entwicklung abgeschlossen haben. "Die spinnen", ist der einzige Kommentar dazu von Projektleiter Rojas. Seiner Meinung nach dauert es deutlich länger.

Doch bis dahin können die Fortschritte im Bereich autonome Mobilität bereits in anderen Bereichen eingesetzt werden. Zum Beispiel für den Rollstuhl, der sich sicher und selbstständig innerhalb einer Wohnung bewegen kann.

dapd

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