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Risikoexperten der Deutschen Bank waren gegen Kirch-Kredit

12.12.2011 | 18:40 Uhr

München (dapd). Der Deutsche-Bank-Vorstand Hugo Bänziger hatte als Risikomanager Ende der 90er-Jahre von einem Kredit an den Kirch-Konzern abgeraten. Ein halbes Jahr vor der Kirch-Pleite 2002 habe der damalige Bank-Aufsichtsratschef Hilmar Kopper dann gemahnt, man müsse "aufpassen, dass man aus dem Kredit unbeschadet rauskommt". Er könne sich aber nicht erinnern, jemals mit dem damaligen Vorstandsvorsitzenden Rolf Breuer über Kirch gesprochen zu haben, sagte Bänziger am Montag als Zeuge im Breuer-Prozess vor dem Landgericht München.

Ein früherer Mitarbeiter Bänzigers sagte dagegen: "Ich hatte den Eindruck, dass Dr. Breuer regelmäßig informiert wurde über das Engagement." Kollegen hätten ihm gesagt: "Wir halten Herrn Breuer auf dem Laufenden", sagte der frühere Kreditanalyst Bernd S. als Zeuge.

Breuer hatte 2002 kurz vor der Insolvenz des inzwischen verstorbenen Medienunternehmers Leo Kirch in einem Fernsehinterview bezweifelt, dass Kirch weitere Bankkredite bekommen könne. In einem von Kirch angestrengten Schadenersatzprozess sagte Breuer 2003 aus, er habe bei dem Interview kein internes Wissen gehabt. Die Staatsanwaltschaft hält das für gelogen und wirft ihm versuchten Prozessbetrug vor.

Bänziger sagte, der Vorstand habe sich alle zwei Wochen über die Lage in zwei Branchen informieren lassen. Die Medienbranche sei nach dem Platzen der Dotcom-Blase und den Turbulenzen bei TimeWarner, Vivendi und auf dem Kabelmarkt im Oktober 2001 an der Reihe gewesen - vier Monate vor Breuers Interview und sechs Monate vor Kirchs Insolvenz. Der Kreditausschuss des Aufsichtsrates habe am 9. September 2001 über Kirch beraten, aber der Anschlag auf das World Trade Center und das Pentagon sei mitten hinein geplatzt.

Der Zeuge Bernd S., der 2002 als Analyst für Kreditrisiken bei Medienunternehmen in der Bank gearbeitet hatte, sagte: "Das Engagement Kirch war intern sehr prominent." Die Deutsche Bank hatte Kirch rund 750 Millionen Euro geliehen und dafür 40 Prozent der Axel-Springer-Verlag-Aktien als Pfand bekommen.

Der Kreditausschuss der Bank habe die Kreditvergabe abgelehnt, sagten beide Zeugen. Er habe wie eine Pfandleihe allein auf den Springer-Aktien als einziger Sicherheit beruht, und zudem seien die Springer-Aktien nur schwer verwertbar gewesen, weil ein Weiterverkauf nur mit Zustimmung des Verlags möglich gewesen sei. Bernd S. äußerte die Vermutung, Breuer habe wohl einen guten Kontakt zu Friede Springer gehabt. Allerdings habe er mit Breuer nie zu tun gehabt, sagte er auf Nachfrage.

dapd

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