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Japan

Retter in Todesgefahr

16.03.2011 | 21:45 Uhr
Retter in Todesgefahr
Der zerstörte Reaktor 4 des Atomkraftwerks Fukushima.

Tokio/Essen.   Unter Einsatz ihres Lebens versuchen die letzten 50 Arbeiter, im havarierten japanischen Atomkraftwerk Fukushima die endgültige Katastrophe doch noch abzuwenden. Laut Experten können die Strahlen binnen weniger Tage tödlich wirken.

Unter Einsatz ihres Lebens haben die letzten 50 Arbeiter versucht, im havarierten japanischen Atomkraftwerk Fukushima die endgültige Katastrophe doch noch abzuwenden. Am Morgen mussten auch sie wegen überhöhter Strahlenwerte die Anlage zeitweise verlassen; schon nach 45 Minuten aber kehrten sie wieder zurück.

In der Nähe des Reaktors wurden zeitweise extreme Strahlenwerte von 400 Millisievert pro Stunde und mehr gemessen. „Wer dort arbeiten muss, stirbt“, sagt Prof. Andreas Bockisch, Direktor der Klinik für Nuklearmedizin am Uniklinikum Essen. „Wenn man zehn Stunden einer solchen Strahlung ausgesetzt ist, sind das vier Sievert. Diese Menschen haben nur noch wenige Tage zu leben.“ Die radioaktive Strahlung zerstöre die Blutbildung und den Magen-Darm-Trakt.

Im Wettlauf mit der Zeit versuchten die 50 verbliebenen Retter, den Reaktor zu kühlen. 750 ihrer Kollegen wurden bereits abgezogen. Hubschrauber, die Kühlwasser auf die überhitzten Brennstäbe schütten sollten, mussten wegen der Strahlung abdrehen. Die Retter müssen in einer Gefahrenzone ausharren, aus der bereits 200 000 Menschen evakuiert wurden. Am Mittwoch wurde die Umsiedlung weiterer 28 000 Bewohner angeordnet.

Auch China zweifelt

Als Konsequenz aus dem schweren Reaktorunglück in Japan stellen immer mehr Länder ihre Atompolitik auf den Prüfstand. China setzte die Genehmigung weiterer Kernkraftwerke am Mittwoch aus.

Die Bundesregierung rät den rund 1000 verbliebenen Deutschen im Großraum Tokio jetzt offiziell, sich in andere Landesteile in Sicherheit zu bringen oder ins Ausland zu reisen. Es handele sich um eine „erhebliche Aktualisierung“ der Reisehinweise für Japan, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes. Teile der deutschen Botschaft seien inzwischen von Tokio nach Osaka verlegt worden.

„In Gottes Hand“

Der deutsche EU-Energiekommissar Günther Oettinger zweifelt an den Japanern: Maßnahmen wie die, per Hubschrauber Wasser zur Reaktor-Kühlung zu bringen, muteten an wie bei einem „Waldbrand“ und nicht als wirksames Vorgehen bei einem Atomunfall. Angesichts dessen müsse er die „hohe Meinung über Ingenieurkompetenz oder Technikkompetenz“ der Japaner „korrigieren“, fügte Oettinger hinzu. „Man muss im Grunde genommen befürchten, dass das Ganze in Gottes Hand ist.“

Die aktuelle Lage im Live-Ticker

Christopher Onkelbach


Kommentare
20.03.2011
23:20
Retter in Todesgefahr
von FilouDuisburg | #55

Erdbeben und Tsunami - zwei Naturereignisse - haben in Japan größte Zerstörungen mit Tausenden von Toten gebracht. Beides hat gerade in dem Land die zusätzliche atomare Katastrophe verursacht, dass 1945 Opfer der ersten beiden Atombomben wurde.
Meinen aufrichtigen Respekt und mein tiefes Mitgefühl mit den derzeitigen Opfern und Leittragenden.
Aber – und das bitte ich, sachlich und richtig zu verstehen! – aber die Gefahren aus dem Kernkraftwerk in Fukushima sind keine Naturkatastrophe, sondern hausgemacht. Die heute lebenden Menschen sind die Verursacher, die Täter dessen. Ich bezweifle, dass auch diese Katastrophe auf lange Zeit einen Gesinnungswechsel und ein Erwachen bei den Mächtigen bewirken wird.
Was geht wohl in den Köpfen derer vor, die aus Profitgier, Egoismus und Machtinteressen das selbst verursachte, ungeheuerliche Leid zwar beklagen, andererseits aber unseren schuldlosen Nachkommen noch schlimmere Szenarien hinterlassen, ja aufzwingen. Wir heute Lebenden haben überhaupt kein Recht, über gegenwärtige atomare Katastrophen zu klagen. Gäbe es eine höhere Macht, müssten wir, die gegenwärtig auf unserem Globus lebenden Verursacher, wegen gerade dieser verbrecherischen Taten zum Schutze unserer Nachkommen das zeitliche segnen.
Unsere Kindeskinder werden uns und unser Handeln eines Tages verfluchen !

Heinz-W. Geisenberger

18.03.2011
08:44
Retter in Todesgefahr
von Vanagas | #54

#53 Egal1

Atomstrom hat jetzt schon nur einen Anteil von 23 % zur Stromversorgung .
Regenerativer Strom hat einen Anteil von 18 % .

Fast die Hälfte der deutschen AKWs konnte jetzt mal mir - nichts - dir - nichts sofort abgeschaltet werden ohne das Egal1 im Dunkeln saß .

Mit einem forcierten , intelligenten Ausbau der regenerativen Energieerzeugung ist Deutschland in wenigen Jahren autark von Atomstrom !

Wir müßen nur mal anfangen und uns aus den Fängen der verstrahlten Atompolitikerkaste und deren Herren seitens der Energiemafia lösen !

18.03.2011
01:06
Retter in Todesgefahr
von Egal1 | #53

Wunderbar ... Pro AKWs und Contra AKWs ... beide Seiten haben vernünftige Argumente, die von der anderen Seite ignoriert werden. Das war so, das ist so, und das wird immer so bleiben.

Gern würd ich ne Frage stellen auf die JEDER von euch eine Antwort hat.

Kann ich dafür sorgen, dass sich in den nächsten 20 Jahren etwas ändern? Antwort NEIN

Der extremste Fall wäre: Die ganze Welt geht auf die Straße und protestiert gegen AKWs. Danach werden alle AKWs abgeschaltet. Und dann? Dann haben die Pro AKWs recht. Dann steht der Welt still, denn Strom wird gebraucht und nein Strom wächst nicht auf den Bäumen. Sag doch jemanden mal, dass er sein Auto abstellen muss weil er Strom sparen muss. Hää was Auto fährt mit Benzin. Glaubt mir. Ohne Strom ... wirds auch kein Benzin geben! Oder frisches Wasser. ... Und Kohlekraftwerke Sonnernenergie Windkraft. Mal ehrlich! Darauf wollt ihr zählen? Lachhaft

Was ist mit dem Fall alle AKWs bleiben für immer und ewig am Netz? Tja, dann werden eventuell die Contra AKW recht bekommen. Irgendwann passiert etwas, und es wird nicht so glimpflich ablaufen wie in Japan wo nur ein Land zu grunde geht. Sei es durch ein Fahler im System, ein Anschlag oder das allseitsbekannte menschliche Versagen.
Sprich, dies ist auch keine Annehmbare Option.

Hört auf zu Fordern, dass AKWs vom Netz genommen wird. Hört auf zu Fordern, dass AKWs am Netz bleiben solln.

Überlegt euch lieber etwas wie man den Prozess beschleunigen kann eine gute Lösung zu finden. Akzeptiert übergangslösungen und denkt immer dran... 95% der Menschheit sind Idioten!

18.03.2011
00:29
Retter in Todesgefahr
von casimir1 | #52

zu 48 Feinenase:

In diese Liste würde auf jeden Fall noch Wolfgang Clement gehören.

Das Problem ist nur, dass diese Listenbesetzung die Probleme nur noch grösser machen würden, weil sie nur von den Gewinnen aus der Atomkraft etwas wissen, aber sich nie mit den Problemen der Atomkraft beschäftigt haben. Solchen Menschen einen Störfall anzuvertrauen heisst, einen Super-Gau zu produzieren.

17.03.2011
20:56
Retter in Todesgefahr
von Plem | #51

@voltago (#46)

Mein Kommentar war emotional bedingt, und Sie haben natürlich Recht, in allen drei Punkten.

Ich möchte aber trotzdem noch auf ihre drei Punkte Bezug nehmen.

zu 1. und 3.: man könnte jetzt natürlich sagen, daß die Technik sich genauso entwickelt wie die Menschheit, vielleicht sogar noch schneller. Man könnte auch sagen, daß die Kerntechnik - so wie es momentan aussieht - den Höhepunkt in der Entwicklung Menschen-verbrauchender Technologien darstellt, und daß wir stolz darauf sein können, einen Punkt erreicht zu haben, wo Kohle und Atom nicht mehr benötigt werden, weil wir über modernere und sauberere Technologien zur Energieerzeugung verfügen. Ihr Punkt 2 führt diese meine Überlegungen aber ad absurdum, denn

zu 2. wir sollten uns endlich einmal bewußt werden, daß wir nur deshalb über eine angeblich saubere Umwelt verfügen, weil wir die produzierende und damit auch energieverbrauchende Industrie ins Ausland, speziell nach China ausgelagert haben. Wir erledigen nur noch Dienstleistung am Produkt, aber machen uns keine Gedanken mehr darüber, woher diese Produkte kommen und wie sie enstanden sind. Wir verbrauchen heute mindestens genauso viel, eher noch mehr Konsumerzeugnisse als vor etwa dreißig Jahren, aber all der Dreck, der bei der Produktion anfällt, entsteht ganz woanders. Wir sind so stolz darauf, daß wir in unseren Flüssen und Seen wieder Fisch- und Krebsarten finden, die wir schon seit hundert Jahren nicht mehr gesehen haben, ignorieren aber, daß Menschen in vielen Gegenden Chinas langsam und qualvoll sterben müssen, wenn sie ihren Flüssen Trinkwasser entnehmen. Und das ist die größte und schlimmste Lüge, die uns in den letzten dreißig Jahren - anfangs von den Grünen, später auch von den anderen Parteien - eingeimpft worden ist!

Fazit:
1. Es ist erschreckend zu sehen, daß wir immer mehr Energie verbrauchen, obwohl wir immer weniger produzieren.
2. Im Grunde genommen müsste man alle Energie, die anderswo erzeugt und verbraucht wird, um unsere Konsumbedürfnisse zu befriedigen, der Energiebilanz unserer Kraftwerke hinzuzählen. Dann kämen wir auch auf den tatsächlichen Energiebedarf unserer Gesellschaft.
3. Es ließen sich viele Kraftwerke - egal welcher Art - einsparen, wenn wir unseren Konsum drastisch einschränken würden.
4. Letztendlich täuschen und belügen wir uns selbst, wir wollen es einfach nur nicht wahrhaben. Darüber helfen uns auch unsere erneuerbaren Energien nicht hinweg.

Man will also sauber bleiben, aber nicht seinen Lebensstandard aufgeben, sprich Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass. Wie soll man da eine Lösung finden? Es ist wirklich zum Haareraufen!

PS: Einer meiner Bekannten hat mir Mitte der 80er Jahre mal erzählt, wie der Abbau der Industrieanlagen hier ablief, sein Vater war Oberingenieur bei Höchst. Die Chinesen haben beim Abbau der Anlagen wirklich jede einzelne Schraube und Mutter in einen Plan eingetragen, nummeriert und eingetütet! Das alles wurde verschifft und eins zu eins in China neu aufgebaut. Und diese Uralt-Werke aus Deutschland arbeiten heute noch!

17.03.2011
19:34
Retter in Todesgefahr
von frankweinreich | #50

Es kommt mir nicht leicht aus der Tastatur, das Wort vom Helden, aber die Fünfzig von Fukushima, diese Techniker und Arbeiter, die wissen, dass sie sterben werden – die es wussten, bevor sie ihre verzweifelte Arbeit begannen –, das sind Helden. Sie opfern sich für ihre Familien und die Gemeinschaft und zeigen damit, welche Größe der Mensch in der Not zu zeigen imstande ist.

Wanderer, kommst Du nach Tokio, so verkünde dort, dass du uns hier habest liegen sehen, wie es die Pflicht befahl ...

17.03.2011
18:50
Retter in Todesgefahr
von meinemeinungdazu | #49

Und Merkel taktiert aus Wahlgründen. Es wird nicht aufgehen. Hochachtung vor den letzten Arbeitern im japanischen Kraftwerk: Sie werden mit dem Leben bezahlen. In der Ferne, Berlin, lügt sich gut. Hoffentlich wählen nun Millionen Bürger das Original der Abschaltung: Rot-Grün. Nur diese Kombination ist bei diesem Thema glaubwürdig. Nicht die Wende-Wendehals-Merkel.

17.03.2011
18:45
Retter in Todesgefahr
von feinenase | #48

Alle Kernkraftbefürworter sollten sich verbindlich in einer Ersthelfertruppe für Störfälle eintragen.
Geschäftsführungen von Energiekonzernen die AKW´s betreiben, Gutachter und Atomlobbypolitiker sollten Vertraglich dazu gezwungen sein in Falle eines Störfalles oder sogar Gaues vor Ort aktiv bis zum Schluss zu helfen.

Als Kind lernt jeder das er die Suppe auslöffeln muss die er verbockt hat.

Also Freiwillige vor.

Mach dann mal ne Liste:

Angela Merkel
Stefan Mappus
Jürgen Großmann
Wulf Bernotat

usw.

Also wer sich eintragen will, bitte.

17.03.2011
18:15
Retter in Todesgefahr
von knoeterich | #47

Also, so schlimm das auch alles ist.
Bei mir kommt der Strom aus der Steckdose!
Wie der darein kommt ist mir schnurzpiep egal.

17.03.2011
15:35
Retter in Todesgefahr
von voltago | #46

@Plem, denk mal nach, wieviele Menschen bereitsdie Kohleförderung und Verarbeitung verbraucht hatte und auch immer noch dieses weltweit tut!
1. Kohlestaublungen, deren Opfer Legion sind (es gab auch hier die Zeiten, da endete eigentlich jeder Kumpel durch den Erstickungstod!)
2. Weil die Föderung keine Strahlung freisetzt, und nicht die Umgebung nachhaltig zerstört, sind auch weltweit, beispielsweise in China die Förderbedigungen sowas von katastropahl, daß meist Jahr für Jahr die Zahl der Verunglückten in die Tausende geht.
3. Gab es auch hier die Zeiten, in denen der schleichende Tod in den Zechensiedlungen, auch bei den Angehörigen der Kumpel zur Tagesordnung gehörte.
AKWs sind gbedrohlich, das will ich gewiß nicht in Abrede stellen, aber nicht einzig und allein gefährlich.
Gruß

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