Das aktuelle Wetter NRW 15°C
Polizei

Polizeifunk vor Neonazi-Aufmärschen gestört

31.08.2011 | 11:09 Uhr
Polizeifunk vor Neonazi-Aufmärschen gestört
Funk gestört: Das digitale Antennenradio DAB+ verhindert einen zuverlässigen Polizeifunk. (Foto: WAZ FotoPool)

Dortmund.Neonazis und autonome Gruppen haben in Dortmund Großaufmärsche angekündigt. Ausgerechnet jetzt ist der Polizeifunk gestört. Die Kommunikation funktioniert nicht einwandfrei. Schuld ist das neue Digitalradio DAB+. Experten hatten zuvor vor dieser Panne gewarnt.

Drei Tage vor den angekündigten Großaufmärschen tausender Neonazis und autonomer Gruppen in Dortmund steckt die Polizei in einer bösen Klemme. Die Handfunkgeräte, mit denen sich die Beamten außerhalb ihrer Fahrzeuge im Einsatz verständigen müssen, funktionieren nicht zuverlässig. Ihr Funknetz wird durch die Signale des Digitalradios gestört, das seit dem 1. August bundesweit unter der Bezeichnung DAB+ auf einem neuen Netz in Betrieb ist.

„Im normalen Alltag können die Polizisten mit den Geräten arbeiten. Aber bei Großlagen wird der Empfang gestört. So bald die Geräte in einem bestimmten ungünstigen Winkel gehalten werden, geht es nicht mehr“, bestätigte Heidi Lichtenstein, Sprecherin des Landesamtes für Zentrale Polizeiliche Dienste in Duisburg, gegenüber DerWesten. Auch andere Kommunikationsmöglichkeiten fehlen. Handys können nicht genutzt werden, weil sie zum einen nicht abhörsicher sind und außerdem gerade bei großen Menschenansammlungen gerne den Dienst versagen.

Sender wird am Wochenende abgeschaltet

Frank Richter, der NRW-Chef der Gewerkschaft der Polizei, sagte der Bild-Zeitung: „Gerade aus der Loveparade-Katastrophe in Duisburg haben wir doch gelernt, wie verheerend es sein kann, wenn die Kommunikation zusammenbricht. Es kann nicht sein, dass die Frequenzen für die Privatwirtschaft auf Kosten der Sicherheit verkauft werden.“

Die nordrhein-westfälische Polizei, die nach den Erfahrungen früherer Jahre bei den Aufmärschen in Dortmund auch mit Ausschreitungen und Gewaltausbrüchen rechnet, macht jetzt politischen Druck. Sie hat sich mit der Bundesnetzagentur in Bonn in Verbindung gesetzt. Die Behörde soll dafür sorgen, dass „bei Großlagen der Sendebetrieb des Digitalradios eingestellt wird“, sagte Lichtenstein.

Mittlerweile ist eine zwischenzeitlich erwägte Absage der Demonstration in Dortmund vom Tisch, teilte Polizeisprecher Wolfgang Wieland auf Anfrage mit. Der Sender DAB+ wird für das gesamte Wochenende temporär abgeschaltet. Das hat die zuständige Bundesnetzagentur beschlossen. "Ein Dauerzustand kann das natürlich trotzdem nicht sein", so Wieland, schließlich gebe es auch "in der täglichen Einsatzbewältigung Störungen".

Digitaler Polizeifunk frühestens 2014

Seit dem 1. August arbeiten im ganzen Bundesgebiet 27 starke Sendeanlagen für das Digitalradio . Experten hatten schon vor der Inbetriebnahme gewarnt, sie könnten den Polizeifunk massiv stören. Hintergrund ist auch, dass Deutschland eines der wenigen Länder in Europa ist, die noch keinen digitalen Polizeifunk haben. Jahrelange Kompetenzstreitigkeiten und auch technische sowie finanzielle Probleme haben die Einführung verzögert. Jetzt soll dieser Funk, der dann abhörsicher ist, frühestens 2014 eingeführt werden.

Dietmar Seher

Facebook
 
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/5015162/create

Aktuelle Fotos und Videos
Karikatur vom Tage
Bildgalerie
Fotostrecke
Norbert Röttgen - Aufstieg und Fall
Bildgalerie
Rücktritt
Berlin in schwarz-gelb
Bildgalerie
BVB-Fans
Papst Benedikt wird 85
Bildgalerie
Kirche
Aus dem Ressort
Verzögerung am neuen Berliner Flughafen schockt Branche
Wirtschaft
"Wir haben keinen Plan B.", so lautete die Reaktion vieler Verantwortlichen nach der Bekanntgabe, dass sich die Eröffnung des Flughafens Berlin-Brandenburg verschieben wird. Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn befürchtet unkalkulierbare Kosten. Urlauber werden wohl zu einem anderen Terminal anreisen...
NRW wehrt sich gegen Akw-Neubau in den Niederlanden
Atomkraft
Im niederländischen Borssele ist ein neues Atomkraftwerk geplant. Der Ort in der Provinz Zeeland ist nur wenige Kilometer von Nordrhein-Westfalen entfernt. Die NRW-Landesregierung spricht sich gegen den Bau des Kraftwerks aus. Auch jeder Bürger kann bis zum 12. Januar Einspruch gegen das Akw...