Politologe Butterwegge zieht vernichtende Bilanz der Hartz-Reformen
21.02.2012 | 21:35 Uhr 2012-02-21T21:35:24+0100Der Kölner Politikwissenschaftler Christoph Butterwegge geht mit den vor zehn Jahren eingeleiteten Arbeitsmarktreformen hart ins Gericht. Trotz des damals entstandenen Mottos "fordern und fördern" sei der Gedanke des Förderns untergegangen.
Berlin (dapd). Der Kölner Politikwissenschaftler Christoph Butterwegge geht mit den vor zehn Jahren eingeleiteten Arbeitsmarktreformen hart ins Gericht. Trotz des damals entstandenen Mottos "fordern und fördern" sei der Gedanke des Förderns untergegangen. "Ich behaupte, man wollte die Arbeitslosen gar nicht fördern. Man wollte sie nur fordern, um nicht zu sagen, überfordern", sagte Butterwegge der Nachrichtenseite n-tv.de am Dienstag.
Als bedenklich bezeichnete Butterwegge die mit den Hartz-Reformen verbundenen Verschiebungen im Wertekanon der Gesellschaft. Selbst ein Diplomingenieur, der jahrzehntelang gut verdiente, bekomme nach einer kurzen Schonfrist so wenig wie ein Mensch, der noch nie gearbeitet habe. Daher sei das Risiko, in Armut zu fallen, heute deutlich höher als vor Hartz IV, urteilte Butterwegge.
Scharf kritisierte er, dass die Arbeitslosenstatistik immer weiter "frisiert" werde: "Da wird mit statistischen Taschenspielertricks gearbeitet, um das Elend zu beschönigen."
dapd
23:24
Der traut sich das, was Experten hinter vorgehaltener Hand sagen:
1. Arbeitslose wollten Schröder, Clement & Cie. gar nicht fördern, sondern nur fordern.
2. Die Masse der heute noch gut Verdienenden duckt ab, denn sie könnten morgen zu den Diplomingenieuren gehören, die jahrzehntelang gut verdienten, aber nach einer kurzen Schonfrist so wenig haben wie ein Mensch, der noch nie gearbeitet hat.
3. Das Risiko, in Armut zu fallen, ist heute deutlich höher als vor Hartz IV.
Diejenigen Schwarz-Gelben, die die politisch Verantwortlichen von damals an den Pranger stellen, sind keinen Deut besser. Die würden am liebsten noch einen draufsetzen.
Scharf kritisierte er, dass die Arbeitslosenstatistik immer weiter "frisiert" werde