Wes' Brot ich ess'
. . . des' Lied ich sing'. Fred Singer glaubt weder an die Klimakatastrophe noch an das Ozonloch.Der amerikanische Physiker, der beispielsweise für Ford und Exxon forscht, ist derzeit auf Deutschland-Tournee
Der 83-jährige Fred Singer ist ein gern gesehener Gast der Stahlbranche. Foto: Institut für Unternehmerische Freiheit
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Düsseldorf. Der kleine, weißhaarige Mann, der das Rednerpult erklimmt, ist alles andere als ein Eiferer. Obwohl man das vermuten könnte, denn er stellt sich in wesentlichen gesellschaftspolitischen Fragen gegen den Rest der Welt. Fred Singer, Professor Fred Singer vielmehr, glaubt weder an die drohende Klimakatastrophe noch an das durch Menschen ausgelöste Ozonloch, geschweige denn, dass UV-Strahlen Hautkrebs auslösen. Vielleicht liegt es an seiner österreichischen Sprachmelodie, vielleicht an seinen 83 Lebensjahren, aber man mag sich gar nicht aufregen darüber.
Fred Singer ist sozusagen auf Deutschland-Tournee. Düsseldorf, Frankfurt, Stuttgart. München. Berlin. Soeben ist das neueste Buch des Atmosphärenphysikers "Natur, nicht menschliche Aktivität, bestimmt das Klima" auf Deutsch erschienen. Und mit solch einem Titel ist der Mann ein gern gesehener Gast der Stahlbranche, die sich schwer tut mit jenen Richtlinien, die ihr die Europäische Union (EU) bis 2012 auferlegt hat, nämlich die Reduzierung von Kohlendioxid (CO2) um 21 Prozent. Die sich unter diesen Bedingungen geradezu zur Auswanderung genötigt sieht.
Fred Singer also bietet ihnen den Stoff, die Argumentation, nach der sie lechzen. Er sagt so wunderbare Sätze wie: "Wir sollten den Chinesen dankbar sein, dass sie mehr CO2 in die Atmosphäre schicken!" Fred Singer nämlich begründete gemeinsam mit 30 Klimawissenschaftlern aus 16 Ländern das NIPCC. Eine Organisation, die sich als "politisch und wirtschaftlich unabhängiges" Pendant zum IPCC versteht, dem Intergovernmental Panel on Climate Change, dem Weltklimarat der UN. Singer und seine Kollegen sind nämlich gänzlich anderer Meinung als der Weltklimarat, der gemeinsam mit ehemaligen US-Vizepräsidenten und Umweltaktivisten Al Gore 2007 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde.
Fred Singer sagt, dass es schon deshalb keinen Zusammenhang zwischen dem Ausstoß von Kohlendioxid und der Temperaturveränderung geben kann, da ersterer zwischen 1940 und 1975 sowie ab 1998 zugenommen hat, während die Temperatur in dieser Zeit gesunken sei. "Anfang der 70er-Jahre gab es sogar die Angst, es könne eine neue Eiszeit drohen. Und die Magazine schrieben über dieses Szenario", sagt Singer. Und er kritisiert auch Al Gore: "Al Gore sagt, Wissenschaftler stimmen überein, dass die Gletscher und das Eis schmelzen. Konsensus hat jedoch nichts mit Wissenschaft zu tun, sondern ist Politik."
Und weil der Ausstoß von Kohlendioxid sich auch in den vergangenen zehn Jahren deutlich erhöht hat, die Temperatur jedoch, so Singer, nicht anstieg, sei das der Beweis, dass Kohlendioxid und Temperatur nichts miteinander zu tun haben. Ergo sei der menschliche Einfluss auf die Erwärmung der letzten 30 Jahre sehr gering, zu gering eben, als dass er relevant sei. "CO2 ist kein Schadstoff, sondern nützlich", fasst der emeritierte Professor seinen Vortrag zusammen, um gleich darauf zu plädieren: für Elektrizitätswerke, für Kohle und Kernkraft, gegen die "unsicheren Energien" wie Erdgas und Wind, für Öl.
Sein Publikum im Düsseldorfer Industrie-Club, Menschen aus der Stahlbranche, z.T. pensionierte Wissenschaftler, hört all das nur zu gerne. Wie hatte es Dieter Ameling als Vertreter der Stahlindustrie formuliert: "Die Stahlindustrie bekennt sich zur CO2-Minderung, die von der EU geforderte Einsparung ist jedoch nicht darstellbar. Denn die energieintensive Industrie arbeitet bereits heute nahe dem Mindestpunkt."
Fred Singer also begibt sich auf eine Lesereise durch Deutschland. Ein interessanter Mann, mit einer noch interessanteren Vita. 1924 in Wien geboren, emigrierte er mit 16 Jahren in die USA. Er studierte dort Elektrotechnik und Physik, wurde Professor, entwickelte unter anderem Satellitenkameras zur Messung von Ozon in der Stratosphäre. Er leitete Institute, arbeitete für Bundesbehörden und beriet US-Präsidenten. Interessant sind jedoch auch die Namen jener Unternehmen, für die Singer zum Teil bis heute forscht, Studien durchführt: General Electric, Ford, General Motors, Exxon, Shell, Lockheed, McDonnell-Douglas und IBM.






















