Missbrauchsskandal : „Moralisches Desaster“ in der katholischen Kirche

Berlin. Scharfe Kritik übt der Grünen-Bundestagsabgeordnete Volker Beck an der Sexuallehre in der katholischen Kirche. Der Missbrauchsskandal am Berliner Canisius-Kolleg und in anderen kirchlichen Einrichtungen sei ein Ergebnis falscher Prioritäten. Der Papst habe eine „falsche Sexualmoral“.
Der Missbrauchsskandal am Berliner Canisius-Kolleg und in anderen kirchlichen Einrichtungen ist nach Ansicht des Grünen-Bundestagsabgeordneten Volker Beck ein Ergebnis falscher Prioritäten in der Sexuallehre in der katholischen Kirche. „Beim Umgang mit den Missbrauchsopfern haben sich nicht nur die Täter, sondern auch alle, die die Vertuschung begünstigt haben, schuldig gemacht”, sagt der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen im Bundestag gegenüber der WAZ. „Diese Vertuschung ist der eigentliche moralische Skandal der Kirche.”
Der parlamentarische Geschaeftsführer der Grünen im Bundestag, Volker Beck, wirft dem Papst eine „falsche Sexualmoral“ vor.
Foto: ddp
Beck, der sich seit Jahren für die Rechte von Schwulen und Lesben engagiert, prangert eine „falsche Sexualmoral” des Papstes an: „Es ist unerträglich, dass Benedikt XVI. ein Gesetz gegen die Diskriminierung von Frauen und Homosexuellen in England kritisiert und gleichzeitig das moralische Desaster in der eigenen Kirche nicht sieht.” Der Grünen-Politiker warnt davor, „sexuellen Missbrach zu einem Problem von Homosexuellen zu machen. Das Hauptproblem ist ganz generell die Unterdrückung von Sexualität in der Kirche.”
„Road Map“ zur Gleichstellung des Islam
Beck begrüßt den Vorschlag des Wissenschaftsrates, mehrere islamische Lehrstühle an Hochschulen einzurichten: „Das wäre eine gute Zwischenlösung. Im Grunde braucht der Staat aber anerkannte islamische Religionsgemeisnchaften als Ansprechpartner. Denn nur mit ihnen könnten die Lehrinhalte ausgehandelt werden”, erklärt der Politiker. Wichtig sei es, mit staatlicher Unterstützung eine „Road Map” zur Gleichstellung des Islam in Deutschland zu entwickeln. Dabei sollte der Staat Hilfestellung bei der Gründung von islamischen Religionsgemeinschaften anbieten, ohne die Anforderungen des deutschen Religionsverfassungsrechtes in Frage zu stellen. Die bestehenden Verbände, die sich nach sprachlichen, nationalen oder politischen Kriterien definieren, erfüllen Beck zufolge nicht die Voraussetzungen für anerkannte Religionsgemeinschaften.
Der Kölner Bundestagsabgeordnete steht einer eventuellen Koalition seiner Partei in NRW mit den Linken skeptisch gegenüber: „Wir sind gut beraten, wenn wir uns auf eine rot-grüne Mehrheit konzentrieren. Es ist ja gar nicht sicher, ob die Linken überhaupt den Sprung in den Landtag schaffen. Außerdem muss sich die Linkspartei in NRW entscheiden, ob sie Regierungsverantwortung tragen oder an ihren Schnapsideen festhalten will. Dazu zählen das Festhalten am Sockelbergbau, die Verstaatlichung der Energiekonzerne und die Absicht, nicht mehr Geld in den Strafvollzug zu investieren.”





