Schule : Klassen an Gymnasien sind oft zu groß

Düsseldorf. Schulministerin Barbara Sommer erkennt Handlungsbedarf bei der Größe der Klassen und will noch in diesem Jahr ein Konzept vorlegen. Die SPD kritisiert Sommers Bilanz.
Jede vierte Klasse an NRW-Gymnasien hat mehr als 30 Schüler. An Realschulen müssen weiter 18 Prozent, an Gesamtschulen 10 Prozent der Klassen mit mehr als 30 Schülern arbeiten. NRW-Schulministerin Barbara Sommer (CDU) sieht Handlungsbedarf und arbeitet fieberhaft an Lösungen.
Sommer sieht Handlungsbedarf und arbeitet fieberhaft an Lösungen. Die Ministerin will noch in diesem Schuljahr ein Konzept für kleinere Klassen vorlegen. Drei Tage vor dem Schulbeginn in NRW legte die Ministerin die neuesten Zahlen auf den Tisch. Die Hauptschule verliert im Vergleich zum Vorjahr dramatische 6,5 Prozent der Schüler und rutscht auf 203.000 Schüler ab. Inzwischen wechseln nur noch 17,8 Prozent der Grundschüler zur Hauptschule.
Debatte um Verbundschule
Hintergrund
Schulministerin Sommer meldete eine Reihe von Fakten aus der Statistik:
- NRW stellt bis Jahresende 8000 neue Lehrer ein - davon 1831 zusätzlich.
- Die Sitzenbleiberquote ist auf 2,7 Prozent gesunken - an Gymnasien sogar von 3,1 auf 1,5 Prozent.
- Im Turbo-Abitur 2009 fielen am Gymnasium 3,1 Prozent durch - 2007: 1,8%.
- An Gesamtschulen verpatzten 6,9 Prozent das Abi. (2007: 7%)
- Die Durchschnittsnote im Abi am Gymnasium betrug 2,53, an der Gesamtschule 2,83.
- Die Zahl der Ganztagsrealschulen erhöht sich von 22 auf 65. Die Zahl der Ganztagsgymnasien von 27 auf 77.
- Die Schüler-Lehrer-Relation verbessert sich von 17,49 auf 17,06.
Diese Hiobsbotschaft beflügelt die Debatte über die Verbundschule aus Haupt- und Realschule. Im Koalitionsdisput verteidigte Sommer Pläne zur Öffnung von Verbundschulen auch in Großstädten. „Ab 2010 werden wir uns mit dieser Frage beschäftigen müssen”, preschte Sommer voraus. FDP-Schulexpertin Ingrid Pieper-von Heiden stellte klar: „Verbundschulen sind überall dort möglich, wo Schulträger und Schulen sich darauf verständigen.” VBE-Landeschef Udo Beckmann ist sicher, dass die Verbundschule nach der Landtagswahl im Mai 2005 auf der Tagesordnung steht.
Im Streit über das Schülerportal „Spickmich.de” stellte sich Sommer hinter die Verfassungsklage einer Lehrerin, die sich von Schülern im Internet abfällig bewertet sah. Die Ministerin will künftig in einem „geschlossenen System” Bewertungen der Schüler über ihre Lehrer ermöglichen. Allerdings erfährt dann nur der betroffene Lehrer selbst, was seine Schüler über ihn denken.
SPD-Schulexpertin Ute Schäfer ließ kein gutes Haar an Sommers Bilanz. Zum Schuljahresbeginn würden die Eltern merken, dass faktisch 5000 Lehrer in NRW fehlten. Grünen-Fraktionschefin Sylvia Löhrmann sprach mit Blick auf die Statistik von „Taschenspielertricks”. Die Lehrerverbände NRW begrüßten, dass Sommer im kommenden Schuljahr keine neuen Reformen anpacken will. „Vorrangig ist es, die Klassengrößen zu verringern” , forderte Sprecher Peter Silbernagel. Schulministerin Sommer will sich kümmern.







