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Der falsche Weg zum richtigen Ziel

Politik, 22.01.2009, Von Stefan Schulte

Gezerre um Ärztehonorare

Ja, die Ärzte haben vollkommen Recht: Ihre Honorierung ist schrecklich kompliziert, unglaublich bürokratisch und allzu oft ungerecht. Doch das eigentliche Problem ist sehr simpel: Das zu verteilende Geld ist endlich. Niemals wird die Politik es allen Recht machen können. Denn es ist ihre Pflicht, die Interessen der Ärzte gegen die Belastbarkeit der Beitragszahler aufzuwiegen. Und weil deshalb nie so viel Geld ins System fließen wird, um alle Ärzte, Apotheker und Pharmahersteller zufriedenzustellen, wird es immer ein Verteilungsproblem und damit Verteilungskämpfe geben. Mit wechselnden Gegnern und Verbündeten. In diesem Interessengeflecht wird jeder noch so richtige Schritt zum Spießrutenlauf.

Welch absurde Blüten das treiben kann, zeigt eindrucksvoll das Gezerre um die Einstufung von Schwerkranken. Für einen Chroniker gibt es mehr Geld aus dem Gesundheitsfonds. Dass dies sinnvoll ist, wird niemand bezweifeln, schließlich ist eine Dauerbehandlung teuer. Doch auch aus dem großen Topf kann jeder Euro nur einmal ausgegeben werden. Unterm Strich profitieren also nur jene Kassen, die mehr Chroniker haben als andere. Der Wettlauf um die Jungen und Gesunden wird abgelöst durch den Wettlauf um die Schwerkranken.

Wer wie schwer krank ist, diagnostizieren die Ärzte. Damit fällt ihnen ein neuer Trumpf in die Hand, den manche nun gegen die Kassen ausspielen. Um es abzukürzen: Was der bayerische Hausärzteverband macht, ist nichts anderes als Erpressung. Wer die Diagnose eines Patienten davon abhängig macht, in welcher Kasse er ist, hat in einem Heilberuf nichts verloren.

Gleichwohl legt dieses abschreckende Beispiel Zeugnis darüber ab, wie jeder Teilnehmer des Gesundheitssystems versucht, jede Änderung für sich zu nutzen. Das ist aus der Sicht des Einzelnen verständlich. Doch jeder fehlgeleitete Euro führt nur zu neuen Ungerechtigkeiten. Die AOK Bayern etwa muss die Extra-Honorare für die Hausärzte nun woanders sparen - zum Beispiel an den Fachärzten oder an Arzneien.

Ähnlich erklären sich die Verwerfungen durch die Honorarreform der Ärzte. Dabei ging es um eine gerechtere Verteilung zwischen Ost und West, Nord und Süd sowie den verschiedenen Arztgruppen. Grundsätzlich finden das die meisten Ärzte richtig, doch jede Umverteilung hinterlässt Verlierer, viele in NRW. Die Härten, die dabei aufgetreten sind, etwa für Orthopäden oder Frauenärzte, müssen aufgefangen werden. Doch das ist nicht Sache der Politik, sondern der Kassenärztlichen Vereinigungen.

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