Strippenzieher mit strengem Blick
Robert Zoellick wird neuer Weltbank-Präsident. Vor dem Dienstantritt in Washington besuchte der Amerikaner auch Berlin, die Hauptstadt des Landes, in dem er seine Wurzeln hat
Berlin. Der Blick ist streng. Der Scheitel auch. Die äußere Erscheinung wirkt bieder, seine dezent zurückhaltende Art und die Gestik erinnern an einen Diener. Und so etwas in der Art war Robert Zoellick bislang auch - ein Politiker im Hintergrund, ein Strippenzieher. Jetzt tritt er nach vorne.
Im Rampenlicht zu stehen, das ist neu für den Mann, den US-Präsident George W. Bush kürzlich als neuen Präsidenten für die Weltbank nominiert hat. Vor den Kameras der internationalen Presse, vor die er gestern in Berlin trat, brauchte er ein wenig, um aufzutauen. Doch dann: Der Mann mit der ernsten Miene kann lächeln.
In der Hauptstadt traf sich Zoellick mit Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul und Außenminister Frank-Walter Steinmeier. Es war kein Antrittsbesuch - dafür wäre es noch zu früh. Aber es war die Reise in ein Land, in dem er seine Wurzeln hat.
Zoellick selbst stammt nicht aus Deutschland. Aber über das Stammbuch der Familie lässt sich der Pfad zurückverfolgen bis ins mecklenburgische Rostock. Das ist zwar schon ein paar Generationen her und wohl letztlich auch nicht der Grund, warum der 53-Jährige als ausgezeichneter Deutschland-Kenner gilt. Robert Zoellick hatte sich nach dem Mauerfall als US-Chefunterhändler bei den Zwei-Plus-Vier-Verhandlungen für eine zügige Wiedervereinigung eingesetzt. Für dieses Engagement erhielt er 1992 das Bundesverdienstkreuz vom damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker.
In der politischen Landschaft ist er ohnehin kein unbeschriebenes Blatt, auch wenn ihn jenseits der Vereinigten Staaten kaum jemand kennt. Zoellick hat schon für mehrere republikanische Präsidenten gearbeitet, erst unter Ronald Reagan, später unter George Bush sen.
Heute gilt er als einer der engsten Vertrauten des amtierenden Präsidenten, war unter ihm eine Zeit lang Vize-Außenminister und stellte in der Vergangenheit mehrfach seine Fähigkeiten als Diplomat unter Beweis. So führte er unter anderem die Verhandlungen zur Aufnahme Chinas und Taiwans in die Welthandelsorganisation WTO, sprach mit Peking, um Spannungen über Handels- und Sicherheitsfragen aus der Welt zu schaffen, und half beim Bürgerkrieg im Sudan der US-Außenministerin Condoleezza Rice, ein Friedensabkommen zwischen der Regierung und den Rebellen auszuhandeln.
Bei allem diplomatischem Geschick: Die Welt der Finanzen ist Robert Zoellick keineswegs fremd. Als die Republikaner Anfang der 90er ihre Macht verloren und Bill Clinton Präsident wurde, verließ er den Staatsdienst und war bis 1997 Vizepräsident einer Hypothekenbank. Und vor einem Jahr verabschiedete er sich erneut aus der Politik, wechselte als Vizedirektor zur Investmentbank Goldman Sachs.
Von Hause aus ist Zoellick Jurist. Einer aus dem Bilderbuch. Nachdem er 1971 die Central High School in Naperville - in diesem Städtchen im US-Bundesstaat Illinois wuchs er auf - abgeschlossen hatte, ging Zoellick zum College, wo er 1975 seine Ausbildung abschloss. Mit Auszeichnung. Dadurch bekam er ein Stipendium für die renommierte Harvard University, studierte dort Jura und Politikwissenschaften. 1981 beendete er seine Studien. Wiederum mit Auszeichnung.
Jetzt steht Robert Zoellick kurz davor, seiner bisherigen Karriere das i-Tüpfelchen aufzusetzen. Wenn alles klappt - und davon ist auszugehen - ist er bald Weltbank-Präsident. Die Bestätigung des 24-köpfigen Exekutivrats der Bank wird noch im Laufe des Juni erwartet und gilt lediglich als Formsache. Damit tritt Robert Zoellick die Nachfolge von Paul Wolfowitz an, der im Mai nach einer Affäre um seine Lebensgefährtin seinen Rücktritt zum 30. Juni angekündigt hatte.Ein Jurist aus dem Bilderbuch

























