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Familiendrama : Mordverdächtige von Eislingen leugnen Tat

Panorama, 13.04.2009, DerWesten

Göppingen. Der Mehrfachmord an einer Familie im schwäbischen Eislingen bleibt rätselhaft. Der unter Mordverdacht stehende 18-jährige Sohn und dessen Freund leugnen die Tat. Beide sind Mitglieder in einem Schützenverein, bei dem im vorigen Jahr Waffen gestohlen worden sind.

Die Polizei sichert Spuren am Tatort. Foto: ap Foto: AP

Im Fall der ermordeten Familie im schwäbischen Eislingen haben die beiden Verdächtigen die Vorwürfe der Ermittler zurückgewiesen. Der 18-jährige Sohn und sein 19-jähriger Freund streiten die Tat ab, wie ein Polizeisprecher am Sonntag der Nachrichtenagentur AP sagte. Gegen die jungen Männer erließ das Landgericht Ulm am Samstag Haftbefehl. Von der Tatwaffe fehlt weiter jede Spur. Auch das Motiv ist unklar.

Die Männer stehen in Verdacht, den 57-jährigen Heilpraktiker, seine zwei Jahre jüngere Frau und die beiden Töchter im Alter von 22 und 24 Jahren erschossen zu haben. Die Opfer starben an einer Vielzahl von Schüssen aus einer Kleinkaliberwaffe. Der 18-Jährige selbst alarmierte am Karfreitag die Polizei. Einbruchspuren wurden an der Wohnung nicht gefunden.

Polizei setzt auf Indizien

«Wir müssen uns auf die Indizien verlassen», sagte Polizeisprecher Rudi Bauer am Sonntag. Die beiden Verdächtigen haben inzwischen Anwälte. Die Ermittlungen am Tatort wurden unterdessen abgeschlossen. Die Beamten der 30-köpfigen Sonderkommission «Familie» warten laut Bauer noch auf detaillierte Obduktionsberichte und Waffengutachten. Die Polizei befragt zudem das Umfeld von Tätern und Opfern. Bauer sagte, die Nachbarn hätten nichts mitbekommen.

In dem Mehrfamilienhaus in der Friedhofstraße in Eislingen lebten die Opfer in einer Maisonette-Wohnung. In dem Haus wohnen noch drei weitere Parteien. Im Erdgeschoss befindet sich die Praxis des getöteten Heilpraktikers.

Waffendiebstahl im vergangenen Oktober

Der 18-Jährige ist Mitglied in einem Schützenverein in Eislingen. Auf ihn sind aber keine Waffen eingetragen. In der Familie gab es nur ein Luftgewehr. Auch der 19-Jährige war Mitglied in der Schützengilde, ist aber nach Mitteilung der Polizei nicht mehr in dem Verein. Ob er freiwillig ausschied oder ausgeschlossen wurde, war zunächst nicht bekannt.

Die Beamten ermitteln außerdem, ob ein Waffendiebstahl aus dem Verein im vergangenen Jahr mit der Bluttat in Zusammenhang steht. Dabei wurden klein- und großkalibrige Pistolen und Gewehre im Wert von 11.000 Euro gestohlen. Der Fall wurde noch nicht aufgeklärt. «Die Spurenlage war sehr dünn», sagte Bauer. Die Spuren von damals sollen nun mit den jetzigen verglichen werden.

Vor der Tat unauffällig

Die Beamten werten auch den Computer des Sohnes aus. Ob darauf auch Gewaltspiele installiert waren, konnte die Polizei am Sonntag noch nicht sagen. Sowohl der 18-Jährige als auch sein Freund waren der Polizei vor dem Verbrechen nicht als Straftäter bekannt. Der Sohn der Familie ging auf ein Gymnasium in der Nachbarstadt Göppingen. Seine Schwestern waren Studentinnen.

Es ist das zweite Mal innerhalb weniger Wochen, dass die Region Stuttgart von einer Bluttat erschüttert wird. Am 11. März erschoss der 17-jährige Tim K. an seiner früheren Schule in Winnenden und in einem Autohaus in Wendlingen 15 Menschen und sich selbst.

Der Jugendliche benutzte die Pistole seines Vaters, die entgegen der Vorschriften nicht verschlossen gesichert war. Die Tat löste ähnlich wie beim Schulmassaker von Erfurt im Jahr 2002 eine Diskussion über das Waffenrecht in Deutschland aus. (ap)

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