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Kampf-Spektakel : Kritiker fordern Verbot des "Ultimate Fighting"

Panorama, 20.05.2009, Barbara Allebrodt

Köln. Zwei Menschen, ein Käfig und drinnen ist fast alles erlaubt: das Kampf-Spektakel „Ultimate Fighting Championship”, kurz UFC, soll nun auch Deutschland erobern. Kritiker fordern ein generelles Verbot der umstrittenen Kämpfe.

Zwei Menschen, ein Käfig und drinnen ist fast alles erlaubt: das Kampf-Spektakel „Ultimate Fighting Championship”, kurz UFC, soll nun auch Deutschland erobern. Ein erster Abend mit diesen „Freistil-Käfigkämpfen” ist für den 13. Juni in der Kölner Lanxess-Arena geplant. Nachträglich hat die Stadt Köln jetzt eine Jugendschutz-Regelung durchgesetzt. Kritiker fordern jedoch ein generelles Verbot der umstrittenen Kämpfe.

„Ultimate Fighting ist für mich kein Sport, sondern ein Schritt in die niederste Jauche-Ebene”, Manfred Wolf, Bürgermeister und FDP-Mitglied im Rat der Stadt Köln, findet markige Worte für das, was im Juni auf der Bühne der Kölner- Arena vor 10 000 Zuschauern stattfinden soll.

»Falsches Modell der Konfliktlösung«

Beim „Ultimate Fighting” gehen zwei Männer aufeinander los, erlaubt ist ein bunter Mix aus Kampfsportarten wie Boxen, Karate, Ringen, Taekwon-Do, Kickboxen oder Jiu-Jitsu. Verboten ist nur wenig: Tritte oder Knie-Attacken auf den Kopf eines am Boden liegenden Gegners etwa, Fersentritte in die Nieren oder abwärts gerichtete Schläge mit dem Ellenbogen. „Als ich Bilder von diesen Männern gesehen habe, die sogar noch auf den Gegner eintreten, wenn er am Boden liegt, sind mir spontan die Schläger eingefallen, die auf den Rentner in der Münchner U-Bahn eingetreten haben,” so Ratsherr Manfred Wolf.

Publikumsmagneten

In den USA sind solche Kämpfe bereits Publikumsmagneten. Die Firma Zuffa, die die Rechte an „UFC” hält, verdient Millionen durch Veranstaltungen und Fernsehrechte. Nachdem der Export in einige europäische Länder bereits geglückt ist, soll nun der deutsche Markt in Angriff genommen werden, immerhin mit Unterstützung des erfahrenen Veranstalters Marek Lieberberg.

Dass es um viel Geld geht, bekamen auch die Kölner Politiker wie Manfred Wolf zu spüren, die sich kritisch zur Veranstaltung äußerten. Das Management der Arena drohte sogleich mit juristischen Schritten, geißelte Äußerungen als unwahr und verlangte von den Politikern, Unterlassungserklärungen zu unterschreiben.

Info

Käfig zum Schutz des Publikums

Die Kämpfe in einem achteckigen Drahtkäfig dauern in der Regel drei Runden von jeweils fünf Minuten.

Der Maschendraht soll in erster Linie die Zuschauer schützen, damit die Kämpfer angesichts der derben Kämpfe nicht in die Menge stürzen.

Der Kampf endet vorzeitig durch Abbruch oder Aufgabe. Ansonsten ermitteln drei Punktrichter den Sieger.

Die Gegner kämpfen in fünf Gewichtsklassen barfuß mit freiem Oberkörper und mit Vier-Unzen-Handschuhen.

In den USA werden derzeit pro Kampfabend bis zu 50 Millionen Dollar in die Firmenkassen des Rechteinhabers Luffa gespült.

„Reine Werbemaßnahmen”, seien das, so glaubt Wolf. „Erst dadurch, dass Juristen eingeschaltet wurden, sind unsere Äußerungen doch überhaupt an die breite Öffentlichkeit gedrungen.” Und das bedeute mehr Aufmerksamkeit für die Veranstaltung. Eine Aufforderung des Rates, solche Veranstaltungen künftig nicht mehr auszurichten, wurde vom Arena-Management bereits abgelehnt

Jugendschutz-Regelung in Köln

Die Stadt Köln hat jetzt nachträglich entschieden, eine Jugendschutz-Regelung für den 13. Juni durchzusetzen. Zuschauern unter 18 Jahren ist der Zutritt verboten. „Eine Zulassungsbeschränkung ist dringend notwendig, um Nachahmungseffekte auszuschließen”, begründete die städtische Jugenddezernentin Agnes Klein die Entscheidung.

Warum das sinnvoll ist, erklärt auch Prof. Dr. Ulrich Sprick, ärztlicher Direktor der LWL-Klinik in Dortmund. „Hier wird ein falsches Modell der Konfliktlösung demonstriert”, so der Psychologe und Psychiater. „Normalerweise gibt es bei sportlichen Wettkämpfen ein klares Regelwerk und das Gebot der sportlichen Fairness”, sagt Sprick. Gerade dadurch lerne man ja aus dem Sport auch fürs Leben. „Das kann ich bei Ultimate Fighting allerdings nicht erkennen.”

"Wundervoller Sport"

Die Veranstalter sehen das naturgemäß anders. UFC-Vertreter Marshall Zelaznik nutzte die Auseinandersetzung mit der Stadt Köln, um noch einmal für seinen „wundervollen Sport” zu werben. Es müssten, so Zelaznik zum Kölner Stadtanzeiger, wohl noch viele Missverständnisse ausgeräumt werden.

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Sport, 18.05.2009, DerWesten

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