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Online-Videothek von ARD und ZDF massiv unter Beschuss

05.05.2011 | 11:58 Uhr
Online-Videothek von ARD und ZDF massiv unter Beschuss
Fernsehen im Netz: ARD und ZDF wollen eine kostenpflichtige Online-Videothek aufbauen. Foto: Imago

Essen.   Es hagelt massive Kritik an der geplanten Online-Videothek von ARD und ZDF. Der Hauptkritikpunkt: Der Gebührenzahler würde für dieselben TV-Inhalte gleich zweimal zur Kasse gebeten. Der Bund der Steuerzahler fürchtet zudem eine Erhöhung der Rundfunk-Gebühren.

Der Protest gegen die Gründung einer eigenen kostenpflichtigen Online-Videothek der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender wächst. Der Bund der Steuerzahler bewertet die Pläne als überflüssig. „Wir sehen den Online-Expansionsdrang von ARD und ZDF generell kritisch“, sagt Vizepräsident Reiner Holznagel gegenüber DerWesten.

„Es gibt genügend private Anbieter, die qualitativ hochwertige Informationen im Netz anbieten. Das Argument der Öffentlich-Rechtlichen, mit Gebührengeldern die Internetqualität sichern und verbessern zu wollen, ist also hinfällig.“ Zu allem Überfluss jetzt noch zusätzliche Gelder über eine kostenpflichtige Online-Mediathek einnehmen zu wollen, ginge eindeutig zu weit, so Holznagel.

Dass ARD und ZDF im Ausgleich für die Zusatzeinnahmen die Rundfunk-Gebühren senken werden, wie dies einige Kritiker fordern, hält der Bund der Steuerzahler indes für unwahrscheinlich. Im Gegenteil: „Wir sehen eher die latente Gefahr von Gebühren-Erhöhungen. Das ist mit aller Entschlossenheit abzulehnen“, sagt Holznagel. Er fordert vielmehr von den öffentlich-rechtlichen Sendern, sich auf ihre Kernaufgaben zu konzentrieren.

„Es ist eine Frechheit“

Massive Kritik hagelt es auch von Verbandsvertretern in Berlin. „Es ist erstaunlich, mit welcher Nonchalance ARD und ZDF dieses Projekt angehen. Es scheint, als wären drei Jahre Debatte darüber, was mit den Mitteln der Gebührenzahler im Netz finanziert werden darf, spurlos an ihnen vorübergegangen“, klagte etwa Guido Brinkel, Medienexperte des Verbandes der Internetwirtschaft Bitkom gegenüber Welt Online. Dadurch entstehe eine massive Wettbewerbsverzerrung gegenüber privaten Anbietern, die Content teuer einkaufen müssten. „Es ist eine Frechheit, jetzt noch einmal Geld für Archivmaterial kassieren zu wollen, für das die Gebührenzahler bereits gezahlt haben“, wettert auch Jimmy Schulz, Medienexperte der FDP und Obmann im Unterausschuss Neue Medien im Bundestag.

Bereits 2012 wollen ARD und ZDF mit der Online-Videothek an den Start gehen. Das hat ZDF-Intendant Markus Schächter vor wenigen Tagen in einem Interview mit der Financial Times Deutschland (FTD) angekündigt. Die Zuschauer sollen sich gegen eine Gebühr „Qualitätsinhalte aus 60 Jahren deutscher Fernsehgeschichte“ herunterladen. Es gehe um die Perspektive, großes Geld im Bereich Video-on-Demand zu verdienen, sagte Schächter zur FTD.

Kritiker hoffen auf Einschreiten des Bundeskartellamtes

Ein ähnliches Vorhaben von Pro 7, Sat. 1 und Pro 7 ist im Februar am Einspruch des Bundeskartellamts gescheitert. Die Begründung: Die gemeinsame Plattform der Privatsender würde deren marktbeherrschende Stellung auf dem Markt für Fernsehwerbung weiter verstärken. Kritiker hoffen jetzt darauf, dass die Wettbewerbshüter auch diesmal einschreiten werden. „Das Argument der Marktmacht, das das Kartellamt vorgebracht hat, dürfte für ARD und ZDF allemal gelten. Ich gehe deshalb davon aus, dass die Pläne bei den Wettbewerbsschützer in Bonn aufmerksam beobachtet werden“, sagt Holznagel vom Bund der Steuerzahler.

In der kommenden Woche wird sich das Bundeskartellamt voraussichtlich zu der Sache äußern, teilte ein Sprecher der Behörde gegenüber DerWesten mit.

 

Melanie Bergs



Kommentare
05.05.2011
23:56
Online-Videothek von ARD und ZDF massiv unter Beschuss
von wichtel_de | #12

@4 Sie wissen schon, dass sich die privaten aus Werbe- und Verkaufseinnahmen und nicht durch Zwangsabgaben finanzieren?

05.05.2011
22:42
Online-Videothek von ARD und ZDF massiv unter Beschuss
von feierabend | #11

Inhalte der Reportagen sind oft langweilig dargestellt, kleinkariert, zu allgemein oder einfach Wiederholung.
Und jeden Tag reißerische Aufmachungen über Politik und Parteien, Mord und Totschlag - meine Güte, Journalismus wie vor hundert Jahren!
Das kann fast jede Boulevardzeitung besser!
Sorry. Aber ist es nicht so: wer in einer Demokratie lebt sollte sich dazu bekennen können - selbst eine sich unabhängig nennende Zeitung. Wobei diese vermutlich gar nich so unabhängig ist, wie sich diese darstellt. Also auch da Lüge!
Der Erfolg der US-Zeitschriften und Sender liegt in ihrer Überzeugung zu der Nation und dem Volk, in und mit dem sie leben, atmen, arbeiten, sterben und ... na, sie wissen schon, unter anderem auch lieben. Da genügen keine Klischees und kitschigen Darstellungen über etwas, wie es sein soll. Da machen sich Menschen Gedanken, wie sie sich ihre Welt wünschen und setzten dies in die Tat um.
Hier ist alles veraltet oder abgeguckt, abgekupfert, kaum innovativ. Und wenn, wird daraus gleicheine Mode.
Alle schwingen schön im Einheitstakt mit Einheitsbrei und Einheitsmeinung. Schade. Journalisten machen das mit, schön trivial, immer schön einen auf boulevard, immer schön auf revolutionär, aber bitte mit Anstand und rechtlicher Absicherung und traditionellen Begründungen. Auf Dauer langweilig und unglaubwürdig. Pro Ausgebe lese ich höchsten drei bis vier wirklich gute Artikel, die so interessant geschrieben sind, dass ich sie lesen mag und die dann auch noch politisch oder gesellschaftlich mich tangieren, überzeugen oder nachdenklich stimmen - eben beeinflussen. Der Rest: Müll, vergessen, sobald ich die Seite herumdrehe. Die wenigsten Journalisten können gut schreiben, überzeugen durch Aktualität, Reechere, und Identität.
Wer nicht von dem überzeugt ist, was er schreibt,sorry, das kommt bei mir auch so an.

05.05.2011
22:21
Online-Videothek von ARD und ZDF massiv unter Beschuss
von dasKollektiv | #10

Naja, von den Zeizungsverlegern bekommt man ja nichts...

05.05.2011
18:36
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #9

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

05.05.2011
17:40
Online-Videothek von ARD und ZDF massiv unter Beschuss
von scouti | #8

„Es gibt genügend private Anbieter, die qualitativ hochwertige Informationen im Netz anbieten. ... 9Live? RTL? SAT1? PROSIEBEN?

Sorry, da halte ich mich lieber an die ARD-Sender und das ZDF.

@#7: Da stimme ich Otto99 zu. Leider wurden diese Angebote massiv eingeschränkt.

Nervig sind die ganzen Shopping-Sender bzw. diese als Lückenfüller wenn kein Programm mehr lohnt - komisch irgendwer kauft doch scheinbar die Produkte oder ruft an.

Ich finde schon die Zuschauertelefone bzw. Kundendiensttelefone mit 0180 5er-Nrn. abstoßend.

05.05.2011
15:08
Online-Videothek von ARD und ZDF massiv unter Beschuss
von Otto99 | #7

Ist doch klar, daß hier imWesten darüber berichtet wird. Wegen der Lobbyarbeit der Privaten, dürfen ARD und ZDF nur noch eine Woche ihre Inhalte kostenlos ins Internet stellen. Die Öffentlich-Rechtlichen sind ganz bestimmt nicht Schuld an der Misere.

05.05.2011
13:40
Online-Videothek von ARD und ZDF massiv unter Beschuss
von Throki | #6

Eine Online-Videothek mit den Beiträgen von ARD, ZDF und den anderen ÖR Sendern sähe ich durchaus positiv - wenns es für die Gebührenzahler umsonst wäre.
Dafür noch einmal Geld zu verlangen ist eine Unverschämtheit und wird hoffentlich verhindert - von wem auch immer.

05.05.2011
13:07
Online-Videothek von ARD und ZDF massiv unter Beschuss
von I_am_anonym | #5

Sollte das kommen- stelle ich die GEZ-Abzocke-Zahlung ein- da mir kein vollständiges Angebot zur Verfügung steht.

05.05.2011
12:53
Online-Videothek von ARD und ZDF massiv unter Beschuss
von thiesbuerger | #4

Klar,. Dortmundermannie, lieber den Privaten, oder besser deren Aktionären, die Milliarden in den Rachen werfen.
Die Privaten ist ja bekannt für ihr qualitativ hohes Niveau, nicht wahr.

05.05.2011
12:45
Online-Videothek von ARD und ZDF massiv unter Beschuss
von Dortmundermannie | #3

Wenn ich darüber entscheiden könnte, würde ich die GEZ, demnächst ja Haushaltsabgabe, komplett einstampfen. Die ganzen Mitarbeiter des riesigen Verwaltungsapparates von ARD und ZDF verschlingen Milliarden. Die Gehälter sind überdimensional und liegen viel zu hoch. Diese Zwangsabgaben führen nur dazu, dass sich die Intendanten aus dem vollen Füllhorn bedienen können. Konkurrenz müssen diese selbstherrlichen Verwalter nicht füchten. Und die ganzen abgehalfterten Politiker könnten bei Abschaffung der GEZ keine hoch bezahlten Verwaltungsposten im Verwaltungsrat mehr an Land ziehen. Es ist endlich an der Zeit, die Gebühren abzuschaffen.

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