Obama verliert zunehmend sein Supermann-Image
09.10.2009 | 20:25 Uhr 2009-10-09T20:25:00+0200
Washington. Den Friedensnobelpreis hat er gewonnen, aber von seinen politischen Zielen - Arbeitslosigkeit, Gesundheitsreform, Afghanistan - hat Barack Obama (noch) nicht viel erreicht. Das ist dem Wähler nicht entgangen – seine Popularität ist im Sommer dahingeschmolzen. Eine Analyse.
Eine Krankenversicherung für jeden Amerikaner, ein Masterplan für Afghanistan, Reduzierung der Arbeitslosigkeit in den Vereinigten Staaten: Jeder Brocken für sich genommen ist komplex genug, um alle Aufmerksamkeit für sich in Anspruch zu nehmen. Doch Barack Obama hat nicht nur an einer Front zu kämpfen. Neun Monate nach seinem Amtsantritt steckt der US-Präsident in einem dichten Knäuel von innen- und außenpolitischen Problemlagen, deren Lösung noch in weiter Ferne liegt. Und die Zuversicht im eigenen Land schwindet, dass Obama der richtige Mann am richtigen Platz ist. Obamas Popularität daheim ist über den Sommer wie Eis in der Sonne geschmolzen.
Guantanamo-Schließung verzögert sich
Das war zu erwarten. Noch jeder ambitioniert gestartete amerikanische Präsident hat beim Zusammenstoß mit der Wirklichkeit einen erheblichen Teil seines Supermann-Nimbus' eingebüßt. Auch Obama bildet da keine Ausnahme. Überdies muss man ihm zu Gute halten, dass er schon bei Amtsantritt weit mehr Problemberge auf seinem Schreibtisch vorfand, als andere Amtsinhaber. Doch seine Bilanz fällt bislang eher dürftig aus. Die Schließung des Gefangenenlagers Guantanamo auf Kuba, für Januar 2010 versprochen, rückt zeitlich weit nach hinten. Der klimapolitische Ehrgeiz bleibt auf der Strecke. Schwule Soldaten warten noch immer vergeblich, dass Obama sich für die versprochene Abschaffung ihrer Diskriminierung in den Streitkräften auch wirklich einsetzt. Und die Gesundheitsreform, Obamas Herzstück seiner Reformagenda, wird vom politischen Gegner, aber auch Saboteuren in den eigenen Reihen, Tag für Tag ein Stück weit mehr waidwund geschossen.
Nur in seinen - zunehmend inflationären - Fernseh-Interviews plädiert Obama noch unverdrossen für die Einführung einer staatlichen Alternative zum privaten Versicherungsmodell. Doch dass er nicht bereit ist, sein politisches Gewicht für diese Überzeugung auch in der politischen Arena in die Waagschale zu werfen, lässt längst viele seiner Anhänger an der Entschlossenheit und Führungskraft ihres so charismatischen Vormanns zweifeln.
Keine Spur von Entschlussfreudigkeit
Gestern hü und heute hott - gerade sieben Wochen liegt zurück, dass Obama den Krieg in Afghanistan mit markigen Worten als Notwendigkeit beschwor. Würde er seinen eigenen Worten heute noch trauen, wäre die Entscheidung, weitere Truppen an den Hindukusch zu schicken, längst gefallen. Statt dessen grübelt der Präsident über eine neue - die mittlerweile zweite in seiner noch kurzen Amtszeit - Strategie nach, während die Militärs mit ihren klaren Forderungen nach Truppen-Aufstockungen die Richtung der öffentlichen Debatte prägen.
Wie auf dem Marktplatz geht es in Washington inzwischen zu. Alle reden durcheinander. Und mit jedem Tag, den Obama entscheidungslos verstreichen lässt, schwindet im Land die ohnehin sinkende Zustimmung zu einem Krieg, dessen Blutzoll genau acht Jahre nach Beginn dieses Krieges immer höher wird. Nur ein paar Monate noch - dann hat der Afghanistan-Krieg auch den Vietnam-Krieg als längsten Feldzug der US-Geschichte überholt. In den US-Medien häufen sich längst die Vergleiche mit dem traumatischen Desaster in Südostasien.
Weit mehr noch drücken die Amerikaner die Sorgen vor der eigenen Haustür. Seit gut einem Vierteljahrhundert war die Arbeitslosigkeit nicht mehr so hoch. Und auch an dieser Front hat der Präsident in den Augen der meisten nur schüchterne Antworten zu bieten. Fast jeder zehnte Amerikaner ist nach offizieller Lesart heute ohne Job. Da wächst ein Potential an Unzufriedenheit und Verzweiflung, das sich mit Obamas Hinweis auf ein längst absehbares Ende der Rezession kaum mehr vertrösten lässt.
12:32
ich meinte Davida.(gut erkannt)
12:31
Daida:
ich schliesse mich dieser realistischen Sicht und Bestandsanalyse an.
Ausserdem nervt wirklich dieser hämische Antiamerikanismus..nach dem Motto: Hähä...es geht nicht, wie konnte er es auch wagen?
Oh ..klar, etwas wie barack Obama würde kein deutscher Politiker, Funktionär wagen anstossen-ha-schon garnicht, bei den banken das geld vom Staat zurückzufordern und diese frontal zwecksbegrenzung ihrer wieder absehbaren Schäden auf Kosten der Volkswirtschaften anzugreifen.
Ach deutsche geigferer..muss auch eine Art Neid der mental verhinderten sein....öhh...Bedenkenträger...und was icht sein kann, das nicht sein darf..also nie anpacken, ist ja auch hierim Lobbyismus.wie unter George W. Bush soooo gemürtlich-erstarrt.
Barack braucht für seine Projekte Zeit. Wer erwartete irgendwas von Bush-gar etwas unserer Lobbyvertreter?
Immer diese Häme...wenn es eine neue Generation anpackt, welch ein Erbe wurde ihm aufgebürdet? Der Abwirtschafter des Lobbyvereins...also, nicht so schnell zubeissen.
Der Mann hat mehr Mut und Biss-und Durchsetzungskraft als unsere ganze regierung samt Parlament, das ist leider wahr-warum haben wir so einen nicht hier-und es rennen uns die Jungakademiker scharenweise weg-ins Ausland, kein Wunder......
11:31
Einer der solche Erwartungen weckte und Ziele setzte wie er, muss sich dann auch an seinen Taten messen lassen. Er hätte im Vorfeld nicht so dick auftragen sollen. Für mich ist der Kerl ein Blender und Schlauschwätzer
09:38
Das Schicksal von Obama ist das Schicksal vieler Politiker, die mit guten Ideen und besten Vorsätzen ihre Machtposition antreten, und erst dann feststellen, dass sie gar keine Macht haben. Auch Guido Westerwelle stellt gerade fest dass er seine Wahlversprechen nicht einhalten kann, und er hat die Machtposition noch gar nicht angetreten. Nur im Fall Westerwelle ist es für die Menschen ein Segen dass er seine Versprechen nicht einhalten kann.
09:21
#28 von dr.einstein...
...so ist das halt bei einer tendenziel konservativen Presse!
09:07
Für mich war Obama nie der Supermann, aber ein Politiker, der zumindest den Willen hat, politische Irrwege zu verlassen. Dass nun gerade zu seinem Amtsbeginn die Finanzkrise alles durcheinandergebracht hat, war einfach Pech, denn da kann er ja nun wirklich nichts für.
Es ist schon einigermaßen absurd, dass die Medien wieder einmal einen Menschen zum Messias gemacht haben und ihn dann an diesen Ansprüchen messen.
Was das aber mit linker Propaganda (r.kant) zu tun haben soll, ist mir ein Rätsel. Obama war doch der linkere Präsidentschaftskandidat und der Gegenwind kommt klar von rechts.
P.S. An die Redaktion: Sind Sie wirklich sicher, dass eines der politischen Ziele Obamas Arbeitslosigkeit ist? So steht es zumindest in Ihrem Einleitungssatz.
07:55
In der Außenpolitik kann man leicht den US-Supermann spielen; die Innenpolitik ist bekanntlich immer das Schwierigste - selbst für einen wirklichen Staatsmann. Das hatte schon Bismarck erkannt.
02:02
Nur mal so zur Info: Seit Obama im Amt ist ist Munition fuer so ziemlich alle Waffen ausverkauft. Ich selbst hatte nie eine Waffe im Haus, habe jetzt auch aufgeruestet. Viele Aemerikaner fangen an sich auf kommende Unruhen vorzubreiten. Und ich meine Unruhen wegen hoher Atbeitslosigkeit oder auch wegen zunehmender Aggression zwischen weissen, schwarzen und Latinos. Ist meiner Meinung nach nur eine Frage der Zeit. Und Obama, der grosse Held, der die verschiedenen Rassen durch seine Wahl zusammenfuehren sollte (so der Wunsch vieler linken) ist jetzt dafuer verantwortlich das die verschiedenen Rassen gespaltener sind als je zuvor.
01:58
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00:57
Barack Obama kann auch keine Wunder vollbringen und in 9 monatiger Amtszeit die ganze Welt verbessern. Aber er hat doch schon vor seiner Wahl gezeigt, welches Potential in ihm steckt, als er, wie Phoenix aus der Asche, eine favorisierte Hillary Clinton problemlos vom Thron gestoßen hat.
Ferner hat Obama, nach der katastrophalen Bush-Ära, bereits als Präsidentschaftskandidat das Ansehen der USA in der Welt erheblich verbessert.
Er hat auf jeden Fall gute Ideen und wagt sich an Probleme heran, die (außer Clinton) kein amerikanischer Präsident vor ihm in Angriff genommen hat - das Gesundheitssystem. Dieses Thema hat ihn selbst in den eigenen Reihen viel Ansehen gekostet, weil die Amerikaner nicht einsehen wollen, dass jemand, der nicht arbeitet, von den Erwerbstätigen eine Krankenversicherung finanziert bekommen soll. Da zeigen sie sich überhaupt nicht solidarisch.
Man darf auch nicht vergessen, dass die Weltwirtschaftskrise die Vereinigten Staaten vor unbekannte Schwierigkeiten gestellt hat - hier geht es um hohe Arbeitslosenzahlen, um Finanzierungsengpässe in den unterschiedlichsten Sparten - sogar Schulen waren jetzt ein Punkt in den Medien.
Mal ganz abgesehen von Afghanistan und Irak, gilt es jetzt für Obama in erster Linie, dem eigenen geschundenen Land wieder auf die Beine zu helfen.
Ich wünsche Obama zur Problembewältigung alles Glück dieser Welt!