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Der rechte Rand

Ex-Pro-NRW-Aktivist konvertiert zum Islam

Politik, 29.09.2009, Jan Jessen
Essen. Roger Schwedes führte im vergangenen Jahr den Bezirksverband Ruhrgebiet der islamfeindlichen Rechtsaußen von "Pro NRW". Jetzt ist der 50-Jährige zum Islam übergetreten - und lästert über seine ehemaligen Kameraden.

Roger Schwedes hat eine, nun ja, bemerkenswerte politische Laufbahn am rechten Rand hinter sich. Neun Jahre war der ehemalige Polizist bei den Republikanern, zuletzt war er bei der islamfeindlichen „Bürgerbewegung pro NRW” aktiv und baute deren Bezirksverband Ruhrgebiet auf. Jetzt ist Schwedes zum Islam konvertiert - schon das ist als Vorgang bemerkenswert, zeigt es doch, wie irrlichternd mancher am rechten Rand ist. Interessant sind aber auch die Erkenntnisse, die Schwedes vom Innenleben der rechtspopulistischen, selbsternannten  „Bürgerbewegung” vermittelt.

"Frustrierte Spießer"

Schwedes, 50, war noch im vergangenen Jahr Vorsitzender des Bezirksverbandes Ruhr von „Pro NRW”. Überzeugt, sagt er, sei er eigentlich nie so richtig gewesen von der Politik der Rechtsausleger, weil sie so fixiert auf „Überfremdung” und „Islamisierung” seien und die jedes Minarett in einer Stadt als „Landnahme” beschrieen. Nicht nur das: Die Stammtische der Bewegung seien nichts anderes als „Palaverrunden von frustrierten Spießern”, in denen gegen Ausländer gehetzt werde, sagt er.

Die angebliche flächendeckende Verbreitung der „Bürgerbewegung” sei mehr Schein als Sein, so Schwedes – in Pressemitteilungen zu Gründungsveranstaltungen von Ortsvereinen würden die Teilnehmerzahlen regelmäßig völlig übertrieben, das Personaltableau sei dünn und schwachbrüstig besetzt. Jeder „Halbgescheite” erhalte bei „Pro NRW” ein Amt. Er selbst habe sich immer wieder mit Stellungnahmen in Pressemitteilungen wieder gefunden, die er nie gegeben habe. Deswegen sei er Ende vergangenen Jahres ausgetreten.

"Wer seine Sünden bereut, fängt von vorn an"

Über sein Engagement bei den Rechtspopulisten kam Schwedes zum Islam. Er habe kennenlernen wollen, was er bekämpfte, sagte er, und habe deswegen recherchiert. Ergebnis: „Es hat mich berührt und beeindruckt, wie ernst diese Menschen ihren Glauben nehmen.” Im April dieses Jahres trat Schwedes dann in einer Bochumer Moschee zum Islam über. Seine Aktivitäten bei „Pro NRW” hat er seinen neuen Glaubensbrüdern gebeichtet: „Der Koran sagt, wenn man seine Sünden bereut, fängt man von vorne an.”

Mit Politik, sagt Schwedes, habe er nichts mehr zu tun. Entradikalisiert hat er sich dennoch offenkundig nicht: In einem Beitrag auf dem vom Verfassungsschutz beobachteten islamistischen Web-Seite „Muslim-Markt” wirft er dem Zentralrat der Juden in Deutschland vor, sich in deutsche und internationale Außenpolitik einzumischen und gegen den Iran Stimmung zu machen und erregt sich darüber, dass Deutschland sich „geschichtlich vor allem über den Holocaust” definiere.

Seine ehemaligen Kameraden von „Pro NRW” bezeichnen Schwedes auch wegen solcher Ergüsse als Antisemiten. Als antisemitisch will sich Schwedes indes nicht verstanden wissen. Er habe nur etwas gegen den Zionismus.

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