Atom
Nach dem Laufzeit-Poker kommt die Klage
05.09.2010 | 18:14 Uhr 2010-09-05T18:14:00+0200
Berlin. Was kommt nach der Entscheidung, die Laufzeiten der deutschen Atomkraftwerke zu verlängern? Eine Klage vor dem Bundesverfassungsgericht - so viel steht fest.
Andreas Voßkuhle kann sich auf die Klage schon einmal einstellen. Er ist der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, und in Karlsruhe werden sie am Sonntag aufmerksam registriert haben, was im Kanzleramt seinen Lauf nahm.
Dort schwor Hausherrin Angela Merkel Union und FDP auf eine Verlängerung der Laufzeiten der Atomkraftwerke und auf einen Streit mit einigen Bundesländern ein, und draußen kündigte SPD-Chef Sigmar Gabriel eine Klage an. Post für Andreas Voßkuhle.
„Fehler ersten Ranges“
Es sind 200, 300 Demonstranten, nicht mehr. Aber sie stehen strategisch günstig auf der Willy-Brandt-Straße und Otto-von-Bismarck-Alle, die beide zur Regierungszentrale führen. Sie liegen im Schwenkkreis der TV-Kameras. Sie liefern die Bilder, die am Abend laufen, und den ohrenbetäubenden Krach dazu.
Sie skandieren „abschalten“ und meinen nicht allein die Meiler, sondern genauso Schwarz-Gelb, Angela Merkels Koalition. Ein Witzbold dachte sich ein Plakat von ungeheurer Aktualität aus: „Alle Laufzeitverlängerer teilen ein bestimmtes Gen.“ Die Demonstranten sind hier, um die Minister und die Koalitionäre einzuschüchtern, die um 14 Uhr im Minutentakt vorfahren. Seit Stunden berät sich Merkel mit Vize-Kanzler Guido Westerwelle und den Fachministern Norbert Röttgen (Umwelt), Rainer Brüderle (Wirtschaft) und Wolfgang Schäuble (Finanzen). Jetzt stoßen weitere Politiker dazu, etwa die Fraktionschefs von CDU, CSU und FDP.
Auch Gabriel und Grünen-Chefin Claudia Roth nutzen die Gunst der Stunde. Roth kann vor den vielen Journalisten gar nicht oft genug einen „heißen Herbst“ ankündigen. Später betritt Gregor Gysi die Szenerie. Der Chef der Linksfraktion geht zu den Demonstranten. Die Regierung habe einen „gesellschaftspolitischen Fehler ersten Ranges“ gemacht. Gysi: „Wir erleben auch eine Beschädigung der Demokratie“. Die Botschaft: Mit der Atomlobby verhandelt eine Regierung – mit den Hartz IV-Empfängern nicht. Der Vorwurf der Käuflichkeit von Politik steht im Raum.
Heißer Herbst
Drinnen ringt die Runde um die Details, um Sicherheitsfragen, um die Laufzeiten, auch um zusätzliche Steuereinnahmen aus der Wirtschaft. Es geht nicht zuletzt um den Zuschnitt eines Gesetzes. Wie muss es gestrickt sein, dass es im Bundesrat nicht zustimmungspflichtig ist? Da haben Union und FDP keine Mehrheit: Zehn bis 15 Jahre – so skizzieren Merkel wie Westerwelle die Perspektiven. Ob die Regierung nun auf der sicheren Seite bleibt, vorsichtig ist oder 15 Jahre ausreizt – Roths „heißer Herbst“ ist ihr sicher, gleich, ob die Meiler zwei oder zwölf Jahre länger laufen sollen als bisher geplant.
Denn: Ein Gesetz muss im Bundesrat zumindest diskutiert werden. Die Länder mögen es nicht aufhalten können. Aber SPD und Grüne können ihre Einwände medienwirksam einbringen. Nächster Akt: Ein Gesetz muss von Bundespräsident Christian Wulff unterschrieben werden. Man kann sich darauf einstellen, dass SPD und Grüne ihn auffordern werden, sich zu verweigern; und ihm andernfalls Parteilichkeit vorwerfen werden. Ist das Gesetz unterschrieben, dürften einige Bundesländer dann in Karlsruhe klagen.
17:07
#24:
Einfach dummes Zeug. Ende. Wie soll man denn aus der Kernenergie-Spirale rauskommen??? Die Auslaufverträge müssen doch eingehalten werden. Oder braucht man generell keine Verträge mehr einzuhalten, wenn uns die mangelhafte Politik das vormacht? Man bedenke: Merkel will eine christliche Kanzlerin sein. Und was ist nun mit diesen Lügen? Mit Lobbybeeinflussungen? Mit ungeklärten Endlagern? Mit der Mehrheit der Bürger? Die Basis müsste Merkel stürzen.
08:37
Diese Regierung ist nicht nur unfähig - sie handelt auch unverantwortlich! Den Atommüll bei Angie und Co in den Garten!
08:19
Herkömmliche Kraftwerke abzuschalten ist so unsinnig wie einen LKW mit Geld zu beladen und ihn zu verbrennen.
Otto Schilly
Früher Grüner, jetzt Realist.
08:05
Nu ja, die Energieriesen werden diese zusätzliche Kosten - natürlich mit einem angemessenen Zuschlag für ihre Aktionäte und die Gewinnbeteiligung - auf die Preise draufschlagen und gut ist!
Offen bleibt nur, ob auch die Zuwendungen an die politischen Parteien in die Preise reingerechnet werden dürfen.
07:47
Die Wind- und Sonnenkraftlobby hat sich nicht durchsetzen können. Das ist gut so, da wir als Industrieland eine sichere immer zur Verfügung stehende Stromversorgung brauchen.
23:50
#13
Kuba Du hast Null Ahnung. Das einzige KKW Typ Tschernobyll auf deutschem Boden stand in der DDR und wurde nach der Wiedervereinigung wegen der Gefährlichkeit von Schwarz/Gelb außer Betrieb genommen.
Die Roten nannten das Arbeitsplatzvernichtung.
23:30
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