Mobbing wird laut Experte Kindler immer brutaler
16.02.2011 | 19:26 Uhr 2011-02-16T19:26:00+0100
Recklinghausen. Er gilt als einer der wichtigsten Mobbing-Experten im Ruhrgebiet. DerWesten sprach mit Wolfgang Kindler über Tätertypen, Cybermobbing und Kinder, denen es an Empathie fehlt.
Vor 20 Jahren gab es den ersten Mobbingfall am Petrinum Gymnasium in Recklinghausen . Seitdem arbeitet Wolfgang Kindler, der dort unterrichtet, zum Thema Mobbing. DerWesten sprach mit Kindler über Tätertypen, härtere Mobbingformen und Cybermobbing.
Wie erkenne ich, ob es sich tatsächlich um Mobbing und nicht nur um einen harmlosen Streit zwischen Schülern handelt?
Kindler: Mobbing ist immer eine langfristige Sache, die Tat wiederholt sich. Wenn jemand wochenlang geschnitten wird, ist das Mobbing. Wenn es nur ein Tag ist, nicht.
Hat sich die Art, wie Schüler einander mobben, verändert?
Kindler: Ich denke schon. Heute sind die Täter meist boshafter und gemeiner als vor 20 Jahren . Relativ neu ist die Form der Intrige: Schüler verabreden sich, dem anderen gezielt etwas zu unterstellen, um ihn bei Mitschülern oder Lehrern schlecht zu machen. Besonders die sexuellen Verleumdungen sind härter geworden.
Im Internet fehlen ethische Bremsen
Spielt das Internet dabei eine Rolle?
Kindler: Durch die Anonymität fehlt die ethische Bremse. Das Internet macht eine Verleumdung viel einfacher, ich muss dem anderen nicht in die Augen schauen. Todeswünsche im Internet sind keine Seltenheit mehr, auch nicht gegen Lehrer.
Es fehlt am Mitgefühl
Gibt es einen bestimmten Tätertyp?
Kindler: Es gibt mehrere. Allen gemein ist die fehlende Fähigkeit oder Bereitschaft, sich in die Lage ihrer Opfer zu versetzen. Früher mobbten vor allem die Kinder, wenn andere gegen anerkannte Normen verstießen. Heute gibt es mehr Jugendliche, die andere ohne Grund mobben. Das sind die gefährlichsten Täter, denn ihnen fehlt es an Empathie. So einem Kind kann man nur schwer klar machen, warum es falsch ist, jemand anderen zu quälen. Häufig werden Kinder Täter, die früher selbst Opfer waren. Meist, um ihre eigene Position in der Gruppe zu stabilisieren.
Was fehlt diesen Kindern?
Kindler: Darüber kann ich nur spekulieren. Ich denke, dass es viel damit zu tun hat, dass uns die gesellschaftlichen Normen verloren gehen. Tabuverstöße, wie etwa im Dschungelcamp, sind überall präsent. In vielen Unterhaltungssendungen wird vermittelt, dass das Bloßstellen und Demütigen eine legitime Form von Unterhaltung ist.
Wie sollen Lehrer sich bei Mobbing unter Schülern verhalten?
Kindler: Dafür gibt es keine generelle Antwort. Jedoch muss sich jeder Lehrer bewusst machen, dass Mobbing nie nur ein Problem zwischen einem Täter und dem Opfer ist. Es ist immer ein Klassenproblem. Und deswegen muss auch die gesamte Klasse miteinbezogen werden.
Wie regeln Sie das an Ihrer Schule?
Kindler: Wir versuchen dem Problem zuvorzukommen. Bei uns gibt es eine Art Anti-Mobbing-AG, in der die Schüler zu Moderatoren ausgebildet werden. Sie lernen, wie sie mit Konflikten umgehen können und wie man sich gegen Gruppenzwang wehren kann.
Ein Kurs für Zivilcourage sozusagen?
Kindler: Ja, im Prinzip schon. Die Schüler müssen lernen, sich in solch einer Situation Verbündete zu suchen, eine Gegengruppe zu bilden. Das kann man alles trainieren.
Warum hat nicht jede Schule so eine AG?
Kindler: Es gibt einige Schulen im Kreis, die einen ähnlichen Ansatz haben. Doch leider gibt es auch noch viele Schulen, die nicht anerkennen wollen, dass an jeder Schule gemobbt wird. Wenn ich aber Mobbing generell leugne, kann ich auch nicht gegen Mobbing vorgehen.
10:59
2,5 Jahre musste ich mir anhören: Nein, das ist kein Mobbing... Bis zum Schluss und finalem Gegenschlag von seiten dieser Schule, die aber durchweg von sich behauptete: Wir kennen uns aus, wir gehen angemessen mit Mobbing um, wenn es denn Mobbing ist. In unserem Fall war es partout in deren Augen kein Mobbing. Punkt. Fakt war aber: Es war Mobbing mit allen Facetten: stängige körperliche Gewalt bis hin zum Beinbruch, täglichen Beschimpfungen, Cybermobbing inklusive kompletter Ausgrenzung durch die Klasse. Mitschüler gaben Mobbing sogar zu, doch wurden von Lehrern dann auch noch in Schutz genommen. Sohn wurde in insgesamt 3 Klassengesprächen in 2,5 Jahren zunächst immer "vorgeführt" als derjenige, der schuld ist und zunächst dazu gedrängt, was er denn alles falsch mache, wie schlecht und provozierend er sei. Dies genügte den Mitschülern und Lehrern!! dann als hinreichende Rechtfertigung, dass das Handeln so in Ordnung ist und er schliesslich selbst schuld sei. Abnehmende Schulleistung waren für die Schule nicht der Rede wert, zunehmende Schulverweigerung auch nicht, sondern wurden dahingehend interpretiert, das dieser Junge nicht sozial ist (Begründung: er sagte einmal einem Schüler gegenüber nicht "danke", nachdem er erfolglos vorher 3 Mitschüler nach einem Stift fragte, was von diesen abgelehnt wurde und es dann "versäumte", sich dann beim 4. Schüler zu bedanken. Er habe psychische Probleme und auch ich gehöre in Behandlung,...weil es ja sonst nicht so gekommen wäre... (Sein Problem war allein die aussichtlose, unverantwortliche und schutzlose Position auf seiten der Lehrer- und Schulleiterschaft und das tägliche Mobbing was nicht angemessen unterbunden wurde) Schulleitung u. Lehrer schlossen sich immer mehr in ihrer Stigmatisierung dem Kind gegenüber zusammen, schoben sämtliche "Schuld" auf das Kind und interessanterweise immer mehr aufs Elternhaus, warfen zuletzt gar Erziehungsinkompetenz vor und meldeten dies dem Jugendamt. INTERESSANTERWEISE aber erst, nachdem ich die Nase von dieser Haltung (Stigmatisierung, keine Massnahmen, keine Sanktionen, Schuldzuweisung, Glaubenschenken der fraglichen Mehrheit bzw. der Täter) voll hatte und mit Einschaltung der Behörden und der Öffentlichkeit drohte.
So versucht man Eltern, mundtot zu machen. Verleumdung vom allerfeinsten.
Bereits auf ganz frühen Hinweis, dass gemobbt wurde, wurde mir entgegnet: Glaube ich nicht. Auf Aussagen, dass Kind früher und gegenwärtig ausserhalb der Schule keinerlei soziale Probleme hatte und hat: Glauben wir nicht und: Tja, wissen Sie, Kinder verhalten sich eben in der Schule manchmal eben völlig anders. Ansonsten noch: Schulleitung: Wäre besser, es würde mal etwas vorfallen, was ärztlicherseits behandelt werden müsse, dann hätte ich etwas in der Hand, dass wäre überzeugender, dann könnte ich was unternehmen (Als dies in der Folge mehrmals passierte, wurden alle Übergriffe nach wie vor wiederum vehement bagatellisiert und als "Unfälle" deklariert und nicht als das, was sie waren, nämlich fortgesetzte massive Mobbinghandlungen/Ich habe hier über 1000 Schüler, meinen Sie, ich könnte mich um alles kümmern/Ihr KInd ist zu wehleidig und Sie verstärken das Muster auch noch - daher brauchen Sie Erziehungshilfe (Fakt ist: ich musste Sohn aber zigmal, oft 1-2 wöchentlich nach Übergriffen abholen, weil die Schule mich anrief und darauf drang, ihn abzuholen...) Schrieb unzählige Briefe an die Schulleitung, setzte mich sachlich damit auseinander, wurde jedoch durch Untätigkeit schulischerseits immer deutlicher (Recht auf Unversehrtheit, Appelieren an deren dienstliche Fürsorgepflicht etc.). Einen einzigen Brief mit kurzem Kommentar zurückerhalten: Weisen Anschuldigungen von uns. Schulleitung ist in Lehrerausbildung tätig, hat somit auch gute Kontakte zur Schulbehörde. Auch zuständige Schulpsychologin wurde von meiner Seite eingeschaltet in der Hoffnung, einen unabhängigen Experten für Mobbing als Unterstützer zu finden. Antwort: Ich kenne die Schulleiterin sehr gut, das ist eine sehr nette Frau. Sie hat Erfahrung und macht die Dinge schon richtig....
Was hätten danach die Schulbehörde wohl für eine "unabhängige Meinung" vertreten?
07:55
@sokratiker
das sehe ich auch so, wir leben in einer Gesellschaft in der es normal geworden ist zu betrügen. Der Dr. Titel, die Raubkpopien und und und....wenn ich mir was nicht leisten kann, klaue ich es, wenn ich etwas nicht schaffe, wirds erschummelt. Hinzu kommt der Werteverfall...Fernsehsendungen a la Dschungelcamp etc. in den Menschen systematisch erniedrigt werden, führen dazu, dass Kinder es als normal empfinden andere zu schikanieren. Wir müssen viel mehr in die Bildung und Ausbildung unserer Kinder stecken, da darf nicht gespart werden und dazu gehört auch Ausbildung in sozialer Kompetenz.
07:50
Die Schule an der mein Sohn gemobbt wurde ist immer noch der Meinung, dass es sowas an der Schule nicht gibt und das mein Sohn da wohl selber schuld sein müsse, weil er sich ja nicht integriert habe ... naj, das ist ja auch ein Gymnasium ...
War bei uns genauso. 2,5 Jahre musste ich mir das anhören. Bis zum Schluss. Es war Mobbing mit körperlicher Gewalt bis zum Beinbruch, täglichen Beschimpfungen und kompletter Ausgrenzung. Schulleitung u. Lehrer schlossen sich immer mehr zusammen, schoben die "Schuld" auf Kind und immer mehr aufs Elternhaus, warfen zuletzt gar Erziehungsinkompetenz vor und meldeten dies dem Jugendamt. Interessanterweise aber erst, nachdem ich die Nase von dieser Haltung voll hatte und mit Einschaltung der Behörden und der Öffentlichkeit droht. So versucht man Eltern mundtot zu machen. Verleumdung vom allerfeinsten. Bereits auf ganz frühen Hinweis, dass gemobbt wurde, wurde mir entgegnet: Glaub ich nicht. Auf Aussagen, dass Kind früher und ausserhalb keinerlei soziale Probleme hatte: Glauben wir nicht und: Tja wissen Sie, Kinder verhalten sich eben in der Schule völlig anders. Ansonsten noch: Schulleitung: Wäre besser, würde etwas vorfallen, was ärztlicherseits behandelt werden müsse, dass wäre überzeugender, dann könnte ich was unternehmen (Als dies in der Folge mehrmals passierte, wurden alle Übergriffe nach wie vor wiederum als "Unfälle" deklariert und nicht als das, was sie waren, nämlich fortgesetzte Mobbinghandlungen/Ich habe hier über 1000 Schüler, meinen Sie, ich könnte mich um alles kümmern/Ihr KInd ist zu wehleidig und Sie verstärken das Muster auch noch, musste Sohn aber ca. 1-2 wöchentlich nach Übergriffen abholen, weil die Schule mich anrief und darauf drang, ihn abzuholen... Schrieb unzählige Briefe an die Schulleitung. Einen Brief mit kurzem Kommentar zurück: Weisen Anschuldigungen von uns. Schulleitung ist in Lehrerausbildung tätig, hat somit auch gute Kontakte zur Schulbehörde.
Was hätten die wohl für eine "unabhängige Meinung" vertreten?
07:45
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22:52
Kinder brauchen Krippen, Kindergärten, Ganztagsschulen, Sportstätten, Jugendräume, Schwimmbäder, damit sie in Gemeinschaft anderer aufwachsen können und nicht allein der geistigen Enge überforderter Eltern ausgeliefert sind. Die Mehrausgaben werden durch weniger Gefängnisse, psychiatrische Anstalten und bessere Berufschancen kompensiert.
22:42
Wie sollen Kinder den Respekt und Moral lernen,wenn sie diese nicht vorgelebt bekommen.Gerade im Moment sehen sie das Schummeln erlaubt ist.
21:32
Ja, was ist mit unseren Kindern und Jugendlichen denn los? Nichts, sie lernen von uns!
Wir erwarten Zivilcourage von den jungen Menschen dieser Gesellschaft und wir Erwachsene kriegen das Problem selbst nicht in den Griff.
Ich denke auch, dass wir durchaus die Betroffenen als Opfer bezeichnen müssen. Bei Körperverletzungen sprechen wir ja auch vom Opfer. Und Mobbing ist die psychische Variante der Körperverletzung. Es wird immer so getan, als könnten sich die Betroffenen wirklich helfen; wenn sie Hilfe von einer starken Seite bekommen, dann können sie sich wehren und sind keine Opfer...
18:31
Ja, dieses Thema ist wirklich verdammt ernst und wenn ich den Kommentar von Herrn SinMeister über Herrn Kindler lese, scheint es so, als wäre Mobbing eine Art Volkssport geworden. Mit solchen unsachlichen Äusserungen disqualifizieren sie sich.
17:03
@Anette999
Sie haben in der Sache recht, aber möchten Sie wirklich Beleidigungen zwischen Kindern und Jugendlichen strafrechtlich geahndet wissen?
Gruppendynamik, das Finden seiner eigenen Rolle innerhalb einer Gruppe, das sind für das Erlangen sozialer Kompetenzen wichtige Mechanismen.
Man kann das nicht alles Reglementieren.
Ich propagiere keinen Darwinismus, man muss aber auch Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit geben diese sozialen Erfahrungen zu sammeln.
Die Grenzen zu erkennen ist das schwierige.
Sowohl für Kinder die zu weit gehen, als auch für Lehrer die dann (und erst dann) einschreiten müssten..
15:21
Moderation hilft nicht mehr. Da müssen echte Strafen ran - denn die Grenzen müssen spürbar sein, anscheinend besonders, da die Tabuzonen wie im Artikel angesprochen, nicht mehr existieren.
Wenn in Betrieben inzwischen schon Urteile auf Schmerzensgeld bis zu einer Höhe von 30.000 Euro von Mobbingbetroffenen (möchte nicht von Opfern sprechen!) gewonnen, da der Chef nicht eingegriffen hat, muss z.B. an Schulen ein Schulverweis für die Täter als Strafe drohen.
Beleidigung -was das Mindeste ist, was Mobbing ausmacht- bis hin zu Körperverletzung ist ein Straftatbestand, bei Heranwachsenden muss wenigstens eine erzieherische Maßnahme erfolgen.