Das aktuelle Wetter NRW 23°C
Kirchen

Mixa macht sexuelle Revolution für Missbrauch mitverantwortlich

16.02.2010 | 16:20 Uhr
Mixa macht sexuelle Revolution für Missbrauch mitverantwortlich

Augsburg. Bischof Walter Mixa macht die allgemeine Sexualmoral für die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche mitverantwortlich. Medienberichten zufolge sieht Mixa Schuld zwar auch in den Reihen der Geistlichen. Doch spiegele sich dort wohl auch der Zeitgeist wider.

Der Augsburger Bischof Walter Mixa beklagt nach den jüngsten Missbrauchsskandalen die in seinen Augen einseitigen Schuldzuweisungen an die katholische Kirche. Der Bischof beklagte in der „Augsburger Allgemeinen“ (Dienstagausgabe), dass in manchen Medien der „unredliche“ Versuch unternommen werde, Kindesmissbrauch zu einem vornehmlich kirchlichen Problem zu machen.

Gesellschafts-Schimpfe

Sexueller Missbrauch durch Geistliche sei ein „besonders abscheuliches Verbrechen“. Die Zahl der Fälle in kirchlichen Einrichtungen liege aber in einem „verschwindend geringen Promille-Bereich“. Sexueller Missbrauch von Minderjährigen sei leider ein verbreitetes gesellschaftliches Übel. „Die sogenannte sexuelle Revolution, in deren Verlauf von besonders progressiven Moralkritikern auch die Legalisierung von sexuellen Kontakten zwischen Erwachsenen und Minderjährigen gefordert wurde, ist daran sicher nicht unschuldig“, betonte Mixa.

Doch auch in der Kirche sieht Mixa angesichts der Missbrauchsfälle durch Geistliche Handlungsbedarf. Die Leitlinie der Deutschen Bischofskonferenz zum Vorgehen bei sexuellem Missbrauch Minderjähriger aus dem Jahr 2002 sei „eine gute Grundlage“, sagte Mixa. Die verschiedenen kirchlichen Institutionen müssten „jedoch hinsichtlich des Informationsflusses über Auffälligkeiten oder Fehlverhalten von Mitarbeitern möglicherweise auch noch besser vernetzt werden“. Der Umgang mit sexuellem Missbrauch soll nächste Woche eines der Themen der Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Freiburg sein.

Klage gegen den Zeitgeist

Zu Vorwürfen, die Kirche habe Täter systematisch geschützt und Opfer ignoriert, sagte Mixa: „Ich schließe natürlich nicht aus, dass auch in der Kirche mancher Verantwortliche in der Vergangenheit gegenüber Sexualdelikten an Kindern und Jugendlichen zu blauäugig war und unberechtigter Weise auf eine Besserung des Täters in einem anderen Aufgabenfeld gesetzt hat.“ Da seien kirchliche Verantwortungsträger möglicherweise auch einem Zeitgeist aufgesessen, der selbst im staatlichen Strafrecht Resozialisierung statt Strafe propagiere. (ddp)

DerWesten

Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/3420290/create

Aktuelle Fotos und Videos
Karikatur vom Tage
Bildgalerie
Fotostrecke
Norbert Röttgen - Aufstieg und Fall
Bildgalerie
Rücktritt
Berlin in schwarz-gelb
Bildgalerie
BVB-Fans
25.000 feierten in DO
Bildgalerie
Turka-Festival
Aus dem Ressort
Verzögerung am neuen Berliner Flughafen schockt Branche
Wirtschaft
"Wir haben keinen Plan B.", so lautete die Reaktion vieler Verantwortlichen nach der Bekanntgabe, dass sich die Eröffnung des Flughafens Berlin-Brandenburg verschieben wird. Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn befürchtet unkalkulierbare Kosten. Urlauber werden wohl zu einem anderen Terminal anreisen...
NRW wehrt sich gegen Akw-Neubau in den Niederlanden
Atomkraft
Im niederländischen Borssele ist ein neues Atomkraftwerk geplant. Der Ort in der Provinz Zeeland ist nur wenige Kilometer von Nordrhein-Westfalen entfernt. Die NRW-Landesregierung spricht sich gegen den Bau des Kraftwerks aus. Auch jeder Bürger kann bis zum 12. Januar Einspruch gegen das Akw...