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Karstadt

Mitarbeiter feiern Berggruen wie einen Popstar

31.08.2010 | 18:48 Uhr
Mitarbeiter feiern Berggruen wie einen Popstar

Essen.Es ist die Woche der Entscheidung für Karstadt. Eine davon steht bereits: Sollte Nicolas Berggruen Karstadt kaufen, bleibt Essen Hauptsitz. Dafür feierten ihn die Mitarbeiter wie einen Popstar.

Es ist die Woche der Entscheidung für Karstadt. Mal wieder. Am Freitag will das Amtsgericht Essen über den Insolvenzplan entscheiden. Die Nerven der Mitarbeiter liegen blank. Sie feiern am Dienstag den potenziellen Käufer des Warenhauskonzerns, Nicolas Berggruen, wie einen Popstar.

Die Kantine der Hauptverwaltung in Essen ist rappelvoll. Erst vor wenigen Stunden haben die 1400 Mitarbeiter die Einladung erhalten. Ihre Erwartungen an Berggruen sind groß. Einigt sich der Milliardär nicht bis Donnerstag um 24 Uhr mit dem Immobilien-Konsortium Highstreet über niedrigere Mieten für die Karstadt-Filialen, droht die Zerschlagung.

Jubel in der Kantine

Und so jubeln die 600 Beschäftigten in der Kantine dem Mann zu, der sie in eine gute Zukunft führen soll, springen von den Stühlen, als er den Saal betritt und applaudieren – minutenlang. Der neue Betriebsratsvorsitzende Arno Leder drückt aus, was alle denken. „Wir begrüßen unseren Hoffnungsträger und hoffentlich baldigen Investor. Darüber sind wir sehr stolz.“

Dabei kommt Berggruen mit leeren Händen. So kurz vor dem Schicksalstag für Karstadt streichelt der smarte Mann mit dem Dreitagebart die Seele der Mitarbeiter. „Ich bin ein wenig schüchtern“, kokettiert er und macht Mut: „Die Stimmung ist sehr, sehr gut. Karstadt ist wichtig für die Herzen aller Deutschen und es ist wichtig für mein Herz. Irrsinnig wichtig.“

Der Milliardär redet die Beschäftigten mit „Ihr“ an und erweckt das Gefühl, zu ihnen zu gehören. „Ich arbeite jetzt auch für Karstadt und bezahle dafür.“ 65 Millionen Euro will er in die Warenhauskette investieren, wenn das Amtsgericht Essen am Freitag den Insolvenzplan billigt und der Kaufvertrag mit Berggruen bis zum 30. September in Kraft treten kann.

„Ich will eigenes Geld in Karstadt investieren. Ich bin kein Fonds.“

Bis dahin muss er aber das Konsortium Highstreet, dem zwei Drittel der 120 Immobilien mit Karstadt-Filialen gehören, bei den Mieten herunterdrücken. Zuletzt hätten die beiden Seiten nur noch 60 Millionen Euro getrennt, heißt es. Doch bis Donnerstag Abend braucht Highstreet für eine Einigung auch die Zustimmung seiner Gläubiger.

Bei allem Optimismus, die Berggruen an diesem sonnigen Dienstag versprüht, spricht er selbst von einer „kritischen Woche“ und nutzt die Bühne der Kantine, um noch einmal für sich und sein Konzept zu werben. „Ich will eigenes Geld in Karstadt investieren. Ich bin kein Fonds“, so der 49-Jährige, der offenbar an das Unternehmen glaubt: „Das Gute ist viel stärker als das Schwache bei Karstadt.“

Und am Ende des kurzen Auftritts wird es dann doch noch etwas konkreter. Auf die Frage, welche Rolle die Essener Hauptverwaltung in Berggruens Planungen spiele, gibt er ein klares Bekenntnis ab: „Das Herz von Karstadt soll weiter schlagen.“ Und wieder brandet Beifall auf.

„Idol mit Popstar-Qualitäten“

Nach einer halben Stunde kehren die Mitarbeiter an ihre Arbeitsplätze zurück. Einige Damen lassen sich mit Berggruen fotografieren, andere diskutieren beim Herausgehen weiter. „Jetzt muss sich Highstreet bewegen“, sagt eine. „Berggruen ist sehr authentisch. Ich habe ein gutes Gefühl“, meint ein anderer.

Arno Leder, seit letzter Woche Betriebsratschef in der Karstadt-Hauptverwaltung, weiß, warum Berggruen diese Welle der Sympathie entgegen schwappt: „Der mögliche Investor Triton kündigte schmerzliche Einschnitte beim Personal an. Berggruen ist eine Persönlichkeit und sucht die Schlacht mit den Vermietern, um Geld zu sparen. Das macht ihn zum Idol mit Popstar-Qualitäten.“

Leder ist zuversichtlich, dass der Mietstreit rechtzeitig beigelegt wird: „Dass Herr Berggruen heute vor die Belegschaft trat, ist ein Signal. Er hätte ja nicht kommen müssen, um sich zu zeigen.“ Der Betriebsratschef glaubt an die Zukunft Karstadts: „Die Unsicherheit der letzten Monate hat uns mürbe gemacht.“

Frank Meßing

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Kommentare
01.09.2010
14:38
Mitarbeiter feiern Berggruen wie einen Popstar
von Unruhiger | #29

Abwarten und Tee trinken. Man glaubt doch nicht wirklich, dass Berggruen die Minus- Häuser mit durchzieht. Das kann sich kein Unternehmen erlauben.auch Berggruen nicht.Nach einer eventuellen Übernahme wird einiges passieren.

01.09.2010
11:10
Mitarbeiter feiern Berggruen wie einen Popstar
von Naturfreund | #28

Berggruen ist kein Blender wie die mittlere und obere Führungsebene, die nach wie vor im Unternehmen sitzt und die Denke von Papa Deus, Urban sowie Middelhoff und Konsorten verinnerlicht hat und immer noch lebt. Die gehören komplett entsorgt. Ich drücke den Karstadt - Mitarbeitern die Daumen, aber solange diese Altlasten im Unternehmen bleiben, sehe ich schwarz.

01.09.2010
10:37
Mitarbeiter feiern Berggruen wie einen Popstar
von Sir_Schiff | #27

@ Anne 1986: Jetzt mal ehrlich du glaub ja wohl nicht das Bergruen nach der Frist 2011 keine Leute endlassen wird oder???? Bis jetzt ist er noch dran gebunden aber was wird dann...... Und zudem sind die Mitarbeiter doch sowie so nur ein Spielball.... Oder eillst du mir weiß machen das wenn ein Teil der Häuser nur Minus schreibt er diese dann behält.. Ich lach mich schlapp..... Über kurz und lang kommt eh die Zerschlagung und dann finde ich es halt besser wenn es jetzt passiert als in drei oder 4 Jahren....

01.09.2010
09:53
Mitarbeiter feiern Berggruen wie einen Popstar
von SilviaBogdanic | #26

2013 haben wir alle das bedingungslose Grundeinkommen,dann können wir alle gut und schön bei Karstadt konsumieren:)Aber dieses emotionale Abfeiern auf ethischer Ebene finde ich blöd:(und fertig ist es auch noch nicht.Der Mann macht Geschäfte,mal sehen ob es gelingt wenn nicht its business und Karstadt wird auch n Schremmelladen,wie alle anderen Läden auch-trotzdem natürlich:
Glück auf!

01.09.2010
09:17
Mitarbeiter feiern Berggruen wie einen Popstar
von Anne1986 | #25

#24Sir_Hering: Wieso ist es besser dass es Karstadt nicht mehr gibt? Weil es dann endlich wieder 25.000 Arbeitslose mehr gibt? Was bist Du denn für ein Spinner?

01.09.2010
08:54
Mitarbeiter feiern Berggruen wie einen Popstar
von Sir_Schiff | #24

Ich muss sagen, dass ich denke das es nicht klappen wird mit Karstadt, denn dafür ist zuviel passiert. Und wenn man sich Borletti und die Deutsche Bank anschaut steckten die als Miteigentümer unter einer Decke. Und mal ganz ehrlich wenn man die jetzigen Mieten von Borletti weiter bekommen soll, wäre man doch auch blöd wenn man jemanden der viel weniger Mieten zahlen will den Zuschlag noch gibt. Ich warte lieber den Freitag ab. Aber besser wäre es wenn es Karstadt nicht mehr gibt....

01.09.2010
08:31
Mitarbeiter feiern Berggruen wie einen Popstar
von Heribert | #23

Unglaublich manche Kommentare hier.
Es ist schön dass es jemanden mit so menschlichen Zügen gibt wie Berggruen, der nicht nur den Karstadt-Mitarbeitern Hoffnung macht.
Natürlich hat auch Berggruen nichts zu verschenken, aber es ist wichtig dass endlich mal jemand in dieser nur vom Geld regierten Welt nicht NUR an sein Profit, sondern auch an die Menschen denkt.
Respekt Herr Berggruen.
Wer nicht bei Karstadt kaufen will soll es eben lassen.

01.09.2010
08:06
Mitarbeiter feiern Berggruen wie einen Popstar
von Usurpator | #22

Die Entscheidung trifft wie so oft, nur scheinbar die Gerichte oder die Poltik.
Und es zeichnet sich ab, dass es leider schlecht um die Chancen von Herrn Bergruen steht. Die Kreise um Highstreet, DB und Metro haben anderes vor. Bis Freitag können wir noch hoffen.

01.09.2010
01:37
Mitarbeiter feiern Berggruen wie einen Popstar
von Nutz und Schlachtvieh in Deutschen Landen | #21

Auf Minijobs folgt die Minirente:

Die nächsten 30 Jahre ist Deutschland
ein Armenhaus !

Privat vor Staat zeigt seit einem Jahrzehnt schon die mickrigen Früchte des Privatisierungswahns.

01.09.2010
01:35
Mitarbeiter feiern Berggruen wie einen Popstar
von BRD Chaosstaat am Abgrund | #20

Berggruen sollte sich nicht durch die
betriebsinternen Claquere täuschen
lassen und die Finger von diesem
Millionengrab lassen.

Auch in Essen ist kein Geld mehr für
den gehobenen Konsum vorhanden.

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