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Rechtsextremismus

Mit Musik und Comics geht die NPD auf Stimmenfang

02.11.2009 | 13:55 Uhr
Mit Musik und Comics geht die NPD auf Stimmenfang

Essen. Mehrere 10.000 Comics habe die NPD nach Informationen von jugendschutz.net verteilt. Was wie eine witzige Geschichte für Kinder aussieht, entpuppt sich schnell als fremdenfeindliche Story. Mit Musik und Comics versucht die NPD Jugendliche als künftige potenzielle Wähler anzusprechen.

„Der große Kampf. Enten gegen Hühner“ – was wie ein witziger Kinder-Comic klingt, entpuppt sich als bösartige Geschichte mit fremdenfeindlichen Thesen. „Dieser Comic ist die neueste Variante, wie die Jungen Nationaldemokraten gezielt Jugendliche ansprechen“, beschreibt Stefan Glaser von jugendschutz.net, Leiter des Rechtsextremismusbereichs der Länder-Zentralstelle für Jugendschutz im Internet.

Nach Angaben der NPD wurden in der gedruckten Version mehrere 10.000 Exemplare des Comics publiziert, die durch Aktivisten aus dem neonazistischen Kameradschaftsspektrum an Heranwachsende verteilt wurden. Auch auf der Internetseite der NPD wird der Comic über stereotype Feindbilder mit eindeutigen Aussagen über nationale Verbrüderung und die Gefahr durch Fremde zum Download angeboten. „In der Vergangenheit haben wir immer wieder jugendgefährdende Inhalte auf NPD-Sites festgestellt“, so Glaser.

200 Web-Angebote von NPD-Verbänden

Derzeit existieren laut einem aktuellen Bericht von jugendschutz.net aus dem September mehr als 200 Web-Angebote von NPD-Verbänden beziehungsweise von Gruppierungen und Einzelpersonen mit eindeutigem Bezug zur NPD. Die meisten Angebote gibt es in NRW. „Die rechtsextreme Web-Szene ist dort sehr stark, auch gibt es in NRW im Vergleich zu den anderen Bundesländern die meisten Websites von Kameradschaften.“ Grundsätzlich geben sich die meisten NPD-Verbände im Layout einen seriösen Anstrich und setzen auf multimediale Botschaften.

Insbesondere in Regionen, wo die NPD in Land- und Kreistagen oder Stadträten sitzt, werde per Internet die Arbeit dokumentiert, um potenzielle Wähler anzusprechen. Zudem finden sich auf NPD-Websites Bezüge zu Kameradschaften und Autonomen Nationalisten. „Diese Gruppen sind wegen ihrer Verknüpfung von erlebniskulturellen Angeboten mit rechtsextremen Botschaften besonders jugendschutzrelevant“, sagt Glaser.

Informationen per twitter

Verstärkt werden auch Soziale Netzwerke wie Facebook und der Mikcroblogging-Dienst Twitter als Propagandamedium genutzt. Mehr als 400 Anhänger zählte die NPD-Facebook-Gruppe im August, darunter Parteikader und Mitglieder neonazistischer Kameradschaften, so der Bericht. Weiterhin habe jugendschutz.net mehr als 25 Twitter-Angebote von Verbänden oder Aktivisten der NPD gefunden. Veranstaltungen und Aufmärsche sowie die neuen so genannten Schulhof-CDs wurden auf diese Weise angekündigt.

„Mit den CDs versucht die NPD, Jugendlichen rechtsextremes Gedankengut über Musik nahe zu bringen.“ Inhaltlich finden sich auf NPD-Angeboten im Internet weiterhin rassistische und demokratiefeindliche Thesen. „Menschen anderer Herkunft werden pauschal für soziale Probleme verantwortlich gemacht und entsprechend verunglimpft“, heißt es in dem Bericht von jugendschutz.net.

Ermittlung wegen Volksverhetzung

Vor der Bundestagswahl startete die NPD Kampagnen gegen Politiker mit Migrationshintergrund, die sich auch im Internet niederschlug. Hier wurden rund 30 Bundestagskandidaten angeschrieben. Der zweiseitige Brief trägt den Titel „Bekanntmachung über die geordnete Durchführung der Heimreise von Personen mit Migrationshintergrund in ihre Herkunftsländer“. Im Nationalen Forum der NPD wurde diese Aktion unterstützt und hämisch kommentiert. Die Berliner Staatanwaltschaft ermittelt wegen Volksverhetzung im Wahlkampf.

Ingmar Kreienbrink

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