Kommentar
Migranten haben Bringschuld - nicht nur in Marxloh
05.09.2010 | 11:21 Uhr 2010-09-05T11:21:00+0200Essen/Duisburg.Thilo Sarrazins Thesen zu Genen sind tumber Stuss. Doch sein Buch liefert auch sinnvolle Denkanstöße. Für eine Debatte über Integration, in Duisburg-Marxloh und anderswo.
Es ist schon atemberaubend, wie Sarrazins Buch die deutsche Integrationsdebatte verändert. Offenbar ist die Politik perplex über den Zuspruch, den Sarrazin in der Bevölkerung erfährt. Nach dem jahrelang vorherrschenden Multikulti-Gesummse in Sonntagsreden und Talkshows fühlt sich jetzt allerdings sogar die Kanzlerin befleißigt, vor rechtsfreien Räumen in Stadtteilen mit hohem Ausländeranteil zu warnen. Dort dürfe die Polizei nicht vor der Gewalt jugendlicher Banden zurückweichen. Und wieder einmal muss Duisburg-Marxloh als Vorzeige-Problemviertel herhalten.
In der Tat gibt es dort und in den muslimischen Ghettos andernorts häufiger Massenschlägereien oder Messerstechereien zwischen türkisch-, kurdisch- und libanesischstämmigen Jugendlichen, die die Polizei nicht unterbindet. Merkels Forderung, die höhere Gewaltbereitschaft vor allem bei strenggläubigen muslimischen Jugendlichen nicht mehr zu tabuisieren, ist längst überfällig.
Ideen abseits vom tumben Gen-Stuss
Lässt man den tumben Gen-Stuss in Sarrazins Buch mal weg, dann könnten dort erhobene Vorschläge auch für die Politik wegweisend sein. Sarrazin fordert eine klare „Erwartungskultur“ gegenüber den Migranten, die eine Bringschuld zur Integration haben. Recht hat er. Auch in Marxloh gibt es bereits seit den 70er Jahren an jeder Ecke interkulturelle Begegnungsstätten und Beratungsstellen.
Wohlfahrtsverbände stellten türkische Sozialarbeiter ein, die unter anderem auch Sprach- und Bildungskurse für türkischstämmige Männer, Frauen und sogar für Jugendliche im nahegelegenen Gefängnis angeboten haben. Und was ist passiert? Wir haben Parallelgesellschaften mitsamt islamistischer Indoktrination in dubiosen Hinterhofmoscheen und Jungeninternaten.
Parallelgesellschaften den Boden entziehen
Den rührigen Sozialarbeitern ist kein Vorwurf zu machen. Aber was nützen alle Angebote, wenn ein Großteil der muslimischen Adressaten davon nichts wissen will? Man kann Sarrazin nur zustimmen, wenn er eine Kindergartenpflicht ab dem dritten Lebensjahr und Ganztagsschulen fordert. Nach seiner Auffassung dürfte es keine Befreiung vom Sport-, Schwimm- und Sexualkundeunterricht aus religiösen Gründen geben. Wer sein Kind nicht zur Schule schicke, dem sei das Kindergeld zu streichen. Die sprachlichen Vorraussetzungen für den Erwerb der Staatsbürgerschaft müssten verschärft werden.
Eine energisch fordernde und fördernde Bildungsoffensive für muslimische und auch andere Kinder in den sozialen Brennpunkten ist die aussichtsreiche Möglichkeit, den Parallelgesellschaften quasi von unten den Boden zu entziehen. Und eine entschlossene und besser ausgestattete Polizei könnte in Marxloh, aber auch in Neukölln und all den anderen Migrantenghettos wieder die nötige staatliche Autorität sein.
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Man muss dem Autor dieses Artikel heftigst widersprechen. Man kann von einem Buch, das so gravierende wissenschaftliche Fehler enthält, wie das von Sarrazin, nicht sagen, es liefere Denkanstöße. Wer solche Fehler macht, wie Sarrazin, ist grundsätzlich nicht diskussionswürdig. Das hat mit mangelnder Meinungsfreiheit nichts zu tun sondern ist einfach der Tatsache geschuldet, dass jemand eine gewissen Seriösität besitzen muss, bevor ich mit ihm diskutiere. Da kann man ja sogar noch in Hitlers Mein Kampf noch diskussionswürdige Punkte finden.
Genau diese Haltung bei vielen Feuilletonisten und vielen Kommentatoren in den Medien ist es leider, mit der man solchen Demagogen wie Sarrazin immer wieder Plattformen für ihre gefährlichen Ideen und eine neue Verteidigung liefert.
Und wenn ich jetzt Marxloh höre. Das ist ein winziger Flecken auf der Landkarte. Gut, Marxloh hat die größte Moschee, aber irgendwo steht immer die größte Moschee. Erst seit einem ziemlich hetzerischen WELT-Artikel soll ich wissen, dass es in Marxloh Probleme mit muslimischen Jugendlichen gibt. Vorher hab ich noch nie was davon gehört, obwohl es nur 40 km von meinem Wohnort entfernt ist.
Jetzt gibt es also zwei Brennpunkte in Deutschland mit großen Problemen: Berlin/Neukölln und (viel viel winziger) Duisburg Marxloh. Wer hier ein flächendeckendes Problem annimmt, der hat einfach nicht recht.
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