Kriminalität
Michael Heckhoff sitzt im Bochumer Gefängnis
01.12.2009 | 15:43 Uhr 2009-12-01T15:43:00+0100Schermbeck. Knast-Ausbrecher Michael Heckhoff ist seit heute in der Bochumer JVA in Haft. Aus Sicherheitsgründen darf er keinen Kontakt zu anderen Häftlingen haben. Heckhoff war am Sonntag gefasst worden, sein Komplize Peter Paul Michalski am Dienstagmorgen. Ihm wurde ein Handy zum Verhängnis.
Einer der beiden aus der Aachener Gefängnis geflohenen Schwerverbrecher ist derzeit in Bochum in Haft. "Michael Heckhoff wurde um 14 Uhr in die JVA Bochum gebracht", bestätigte Birgit Tappel, stellvertretende Verwaltungsleiterin des Gefängnisses. Für ihn gelten demnach besondere Sicherheitsmaßnahmen: Heckhoff hat keinen Kontakt zu anderen Häftlingen. Wenn seine Zelle geöffnet wird oder Heckhoff innerhalb der JVA in einen anderen Raum gebracht, sind stets zwei Gefängnismitarbeiter dabei.
Heckhoff war am Sonntag in Mülheim an der Ruhr festgenommen worden. Sein Komplize, der Mörder Peter Paul Michalski , wurde erst am Dienstag gefasst. Bei ihm führte die Ortung seines Handys die Polizei auf die Spur. In den frühen Morgenstunden des Dienstags habe der Schwerverbrecher durch «technische Ermittlungsverfahren» in Schermbeck im Kreis Wesel lokalisiert werden können, sagte der Einsatzleiter der Kölner Polizei, Dieter Klinger, am Nachmittag. Der 46-Jährige habe sich sofort ohne Gegenwehr ergeben. Er war den Angaben zufolge mit einer durchgeladenen Waffe mit acht Schuss Munition bewaffnet. Bei der Festnahme seien weder Polizeibeamte noch der bewaffnete Michalski verletzt worden.
Spezialkommando drängte ihn ab
Laut Polizei war der 46-Jährige zum Zeitpunkt der Festnahme mit einem silberfarbenen Fahrrad auf der Freudenbergstraße (B 58)/Schoopsweg unterwegs. Ein Spezialeinsatzkommando hatte mit einem Fahrzeug den radelnden Michalski abgedrängt, der daraufhin in einen Straßengraben stürzte. Der 46-Jährige befindet sich in Polizeigewahrsam.
Die Beamten hatten den Flüchtigen nach eigenen Angaben schon länger in der Gegend beobachtet, sich aber für eine Festnahme in einer menschenleereren Umgebung entschieden. Ein Polizeisprecher sagte: "Alles klappte völlig problemlos."
Gegen Michalski und seinen bereits am Sonntag festgenommen Mithäftling Michael Heckhoff wird laut der Staatsanwaltschaft Aachen unter anderem wegen Geiselnahme und schwerer räuberischer Erpressung ermittelt.
Müller-Piepenkötter: Ermittlungen auch gegen Mitgefangenen
Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter (CDU) hat auf die Festnahme des zweiten Gefängnisausbrechers Peter Paul Michalski mit «großer Erleichterung» reagiert. Die Ministerin kündigte am Dienstag in Düsseldorf eine «Aufarbeitung des Ausbruchs» an.
Jeder Ausbruch gebe «Anlass, das Sicherheitssystem erneut auf Herz und Nieren zu prüfen», sagte die Ministerin. Der Ausbruch aus der Justizvollzugsanstalt (JVA) Aachen habe nur gelingen können, «weil ein Vollzugsbediensteter in einer für alle unvorstellbaren Weise die Ausbrecher aus der Anstalt herausgeschleust und mit Waffen ausgestattet hat, und das in einer Weise, die nicht unentdeckt bleiben konnte». Ein solches Verhalten habe es in der Vergangenheit noch nie gegeben. Zudem ermittle die Staatsanwaltschaft auch gegen einen Mitgefangenen der Entflohenen.
Die Opposition im Düsseldorfer Landtag beantragte unterdessen eine Sondersitzung des Rechtsausschusses. «Wir möchten von der Justizministerin wissen, aus welchen Gründen die Flucht zweier gefährlicher Verbrecher aus einer modernen Haftanstalt gelingen konnte», teilten SPD und Grüne gemeinsam mit.
Innenminister lobt Polizei und Bevölkerung
Die Leiterin der JVA-Aachen, Reina Blikslager, zeigte sich erleichtert über die Festnahme. Dem Fernsehsender N24 sagte sie, dass die beiden Sträflinge nicht wieder in die JVA Aachen zurückkehren, sondern in andere Haftanstalten verlegt würden. In Aachen könne man ihnen nicht mehr unbefangen gegenübertreten.
NRW-Innenminister Wolf (FDP) sprach von einem "großartigen Erfolg" der Polizei. „Mein Dank gilt allen, die mit hohem Engagement und persönlichem Ein-satz dazu beigetragen haben, dass die beiden Gewaltverbrecher jetzt wieder hinter ,Schloss und Riegel' sitzen“, sagte er. Der Minister lobte auch die Rolle, die Hinweise aus der Bevölkerung bei der Fahndung gespielt hatten.
Polizei verfolgte Hinweise aus der Bevölkerung
Nach Michalski war zuletzt schwerpunktmäßig im Raum Ostwestfalen gefahndet worden, da der 46-Jährige in der Gegend Freunde und Verwandte hat. Am Montagabend hatten sich zwei Zeugen, die Michalski im Gütersloher Stadtteil Niehorst mit einer Waffe gesehen haben wollen, unabhängig voneinander bei der Polizei gemeldet. Die daraufhin gestartete Suchaktion nach dem wegen Mordes verurteilten Ausbrecher verlief aber erfolglos. Ein Polizeisprecher sagte, die Polizei sei «konsequent allen Hinweisen, die aus der Bevölkerung eingegangen waren, nachgegangen».
Beide Schwerverbrecher sind zu lebenslangen Haftstrafen und Sicherungsverwahrung verurteilt. Michalski erschoss 1993 im Hafturlaub einen Mittäter. Heckhoff war 1992 an einer Geiselnahme in der JVA Werl beteiligt. Wo der 50-Jährige nach seiner Festnahme untergebracht wurde, wollte die Polizei nicht sagen. (ap/ddp/we)
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