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Metall-Abschluss löst bundesweiten Tarifkonflikt

20.05.2012 | 14:24 Uhr

Nach dem Abschluss für die Metall- und Elektroindustrie im traditionellen Pilotbezirk Baden-Württemberg ist der Weg frei für ein Ende des Tarifkonflikts in Deutschlands Schlüsselbranche. Arbeitgeber und IG Metall wollen den am Samstag in Sindelfingen vereinbarten Kompromiss bundesweit übernehmen, wie beide Seiten mitteilten.

Sindelfingen (dapd-bwb). Nach dem Abschluss für die Metall- und Elektroindustrie im traditionellen Pilotbezirk Baden-Württemberg ist der Weg frei für ein Ende des Tarifkonflikts in Deutschlands Schlüsselbranche. Arbeitgeber und IG Metall wollen den am Samstag in Sindelfingen vereinbarten Kompromiss bundesweit übernehmen, wie beide Seiten mitteilten. Der neue Tarifvertrag für die 800.000 Metaller im Bezirk Südwesten wird dann für alle 3,6 Millionen Beschäftigten der wichtigsten Industriebranche hierzulande gelten.

Die Einigung sieht eine Lohnsteigerung von 4,3 Prozent vor sowie grundsätzlich die unbefristete Übernahme von Ausgebildeten und mehr Mitsprache der Betriebsräte bei der Leiharbeit. Vor allem die letzten beiden Punkte waren lange strittig. Erst nach 18-stündiger Verhandlung war der Abschluss am Samstag früh um vier Uhr unter Dach und Fach. Damit konnten die Tarifpartner einen härteren Arbeitskampf abwenden. Die IG Metall hatte mit Warnstreiks von Hunderttausenden Metallern Druck gemacht und mit unbefristeten Streiks gedroht.

Der IG-Metall-Vorsitzende Berthold Huber sagte, die Gewerkschaft habe sich einstimmig für eine bundesweite Übernahme des Abschlusses ausgesprochen. Auch die Arbeitgeber plädierten dafür. Der Kompromiss sei für die gesamte Branche tragfähig, sagte Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser.

Zwar hatten sich die sächsischen Metall-Arbeitgeber bei der Abstimmung enthalten, doch wollen sie den Abschluss dennoch übernehmen. Zustimmung kam auch schon von weiteren Tarifbezirken, darunter Mitte mit Rheinland-Pfalz, Hessen und Saarland sowie Küste mit den norddeutschen Ländern. Rein formal muss die Einigung noch von den obersten Gremien der Tarifpartner abgesegnet werden. Das gilt aber als sicher.

IG-Metall-Chef Huber nannte den Abschluss, der in der fünften Verhandlungsrunde erzielt wurde, einen guten Kompromiss und "ein besonderes Ergebnis". In allen drei Punkten sei die IG Metall vorangekommen, sagte er. Kannegiesser erklärte, die Vereinbarungen ließen den Betrieben "die notwendige Flexibilität". "Dieser Abschluss war eine recht komplizierte Geburt", sagte er am Sonntag. Der Großteil der Betriebe könne mit dem Ergebnis leben.

Laut der Einigung bekommen die Beschäftigten rückwirkend zum 1. Mai 4,3 Prozent mehr Geld. Das ist rein nach den Zahlen der höchste Lohnzuwachs in 20 Jahren. Der Tarifvertrag hat eine Laufzeit von 13 Monaten. Die IG Metall war mit einer Forderung nach 6,5 Prozent mehr Geld in die Verhandlungen gegangen. Die Arbeitgeber hatten zunächst drei Prozent über 14 Monate geboten. Ihr Verhandlungsführer, Südwestmetall-Chef Rainer Dulger, sagte, die Betriebe seien "an die Grenze der Belastbarkeit" gegangen.

Darüber hinaus einigten sich die Tarifparteien grundsätzlich auf die unbefristete Übernahme ausgebildeter Lehrlinge. Allerdings muss ein Arbeitgeber laut der Vereinbarung nur den Ausgebildeten ein Angebot machen, "die er tatsächlich benötigt". Ausnahmen sind auch möglich "bei akuten Beschäftigungsproblemen" im Betrieb oder "wenn personenbedingte Gründe eine Übernahme unmöglich machen", also wenn etwa die Chemie zwischen Lehrling und Chef nicht stimmt.

Zwtl.: Nach 24 Monaten müssen Leiharbeiter ein Angebot bekommen

Beim Thema Leiharbeit setzte die IG Metall mehr Mitsprache für die Betriebsräte durch. Gemäß dem neuen Vertrag darf ein Leiharbeiter ohne Einschränkung 18 Monate eingesetzt werden. Nach 24 Monaten muss er jedoch ein Übernahmeangebot bekommen. Ausnahmen sind aber möglich. Ebenso fehlen einheitliche Bestimmungen für alle Betriebe. Zudem bleiben Leiharbeiter nach Angaben von Gesamtmetall im Schnitt nur sechs bis sieben Monate in ein und derselben Firma.

Die Tarifpartner vereinbarten auch eine Förderung für benachteiligte Jugendliche, um deren Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen.

dapd

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