Märkte wenig beeindruckt von Herabstufungen durch Moody's
14.02.2012 | 21:44 Uhr 2012-02-14T21:44:48+0100Die Märkte haben sich am Dienstag relativ unbeeindruckt von der neuesten Herabstufung der Kreditwürdigkeit mehrerer Euro-Länder durch die Ratingagentur Moody's gezeigt. Die Verluste blieben zunächst moderat, der Euro verlor allerdings zwischenzeitlich 0,19 Prozent auf 1,31505 Dollar.
Paris/London (dapd). Die Märkte haben sich am Dienstag relativ unbeeindruckt von der neuesten Herabstufung der Kreditwürdigkeit mehrerer Euro-Länder durch die Ratingagentur Moody's gezeigt. Die Verluste blieben zunächst moderat, der Euro verlor allerdings zwischenzeitlich 0,19 Prozent auf 1,31505 Dollar. Erstmals seit Beginn der Schuldenkrise steht auch Großbritannien unter Beobachtung, doch die Regierung in London gab sich gelassen.
Die Herabstufung der Kreditwürdigkeit von sechs der 17 Euro-Länder durch Moody's kam für Experten nicht überraschend. Ihr größerer Rivale, die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P), hatte im Januar gleich neun europäische Staaten herabgestuft und unter anderem Frankreich und Österreich die Top-Bonität entzogen. Auch der Euro-Rettungsfonds EFSF wurde von den Analysten niedriger bewertet. Im Vergleich dazu fiel die Herabstufung durch Moody's in der Nacht zum Dienstag weniger harsch aus.
Allerdings wackelt die Top-Bonität von Großbritannien: Der Ausblick wurde auf "negativ" geändert. Das bedeutet, dass Moody's eine mindestens 40-prozentige Wahrscheinlichkeit sieht, dass die Kreditwürdigkeit in den kommenden 18 Monaten herabgestuft werden könnte. Die britische Regierung nutzte den Schritt von Moody's dazu, ihren Sparkurs zu verteidigen. Dies zeige, dass man auf dem richtigen Weg sei. Die Opposition hatte die Einschnitte als zu drastisch kritisiert.
Auch im Falle Frankreichs wurde der Ausblick auf "negativ" geändert. Politiker, die über den Entzug der Top-Bonität durch S&P empört waren, gaben sich nun allerdings gelassen. Vom Finanzministerium wurde die Warnung von Moody's geradezu begrüßt und darauf verwiesen, dass das Land schließlich sein Aaa-Rating beibehalten habe.
Italien und Malta wurden von Moody's von A2 auf A3 herabgestuft, Spanien von A1 auf A3, die Slowakei und Slowenien von A1 auf A2 und Portugal von Ba2 auf Ba3. Alle wurden mit negativem Ausblick versehen.
Als Gründe für den Schritt nannte Moody's die Unsicherheit über die Reformen in der Eurozone, zunehmend schwache Wirtschaftsaussichten in Europa und die Auswirkungen dieser Faktoren auf die Märkte.
Unverändert blieb das Rating für Deutschland (Aaa), ebenso die Bewertungen von Dänemark, Finnland, Luxemburg, den Niederlanden, Schweden (alle ebenfalls Aaa), Belgien (Aa3), Estland (A1) und Irland (Ba1). Eine Überprüfung der Einstufung Zyperns mit Baa3 dauert an, Griechenland verharrt bei Ca. Der EFSF behielt seine Bewertung von Aaa.
Trotz der Herabstufungen äußerte sich Moody's relativ optimistisch. Es werde nicht erwartet, dass Regierungen mit den Rettungspaketen Geld verlören. Auch werde nicht erwartet, dass die Aaa-Bewertungen Deutschlands, der Niederlande und Finnlands unter Druck gerieten. "Wir glauben weiterhin, dass die Eurozone als Ganzes über eine beträchtliche wirtschaftliche und finanzielle Stärke verfügt", erklärte Moody's.
Allerdings könnte es noch weitere Herabstufungen geben, sollten etwa Reformen in Europa nicht umgesetzt werden oder sollte die Region von einem weiteren signifikanten Wirtschaftsabschwung betroffen sein, hieß es.
Eine Pleite Griechenlands wäre ein PR-Desaster für die Euro-Länder, sagte der Geschäftsführer von Swordfish Research, Gary Jenkins. Ganz zu schweigen davon, dass alles bereits investierte Geld verloren wäre, und was mit Griechenland passieren würde. Die Auswirkungen auf die Märkte nach der Herabstufung durch Moody's seien aber zu vernachlässigen, schließlich folgten die Analysten nur den Entscheidungen ihrer Kollegen von S&P und Fitch im Vormonat. Fitch hatte im Januar die Bonitätswerte von Italien, Spanien, Belgien, Zypern und Slowenien gesenkt.
"Nicht wirklich das Valentinstag-Massaker, eher eine Schießerei im Vorbeifahren", sagte Jenkins zu der Moody's Bewertung.
Investoren setzten am Dienstag weiter darauf, dass Griechenland bald das dringend nötige Rettungspaket erhalten werde. Bei der Versteigerung von Staatsanleihen zahlten Italien und Spanien zudem am Dienstag niedrigere Zinsen als zuvor - trotz der Herabstufung um eine beziehungsweise im Fall von Spanien zwei Stufen. Italien nahm bei einer Auktion fast sechs Milliarden Euro auf und zahlte auf Anleihen mit dreijähriger Laufzeit einen durchschnittlichen Risikoaufschlag von 3,41 Prozent gegenüber 4,8 Prozent im Vormonat. Spanien nahm 5,4 Milliarden Euro frisches Geld auf.
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