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Libanon für Einhaltung des Waffenstillstands mit Israel

08.01.2009 | 11:23 Uhr
Libanon für Einhaltung des Waffenstillstands mit Israel

Beirut. Nach dem Raketenangriff von libanesischem Territorium auf Israel hat sich die Regierung in Beirut zur Einhaltung des Waffenstillstands bekannt. Am frühen Morgen wurden vier Katjuscha-Raketen vom Libanon aus auf den Nordwesten Israels abgefeuert.

Nach dem Raketenangriff von libanesischem Territorium auf Israel hat sich die Regierung in Beirut zur Einhaltung des Waffenstillstands bekannt. Ein Regierungssprecher sagte am Donnerstag, der Vorfall werde untersucht, um zu ermitteln, wer die Raketen abgeschossen habe. Der Waffenstillstand zwischen dem Libanon und Israel wurde im Anschluss an den Krieg mit der Hisbollah-Miliz im Sommer 2006 unterzeichnet.

Israel feuert in den Libanon zurück

Wie ein Sprecher des israelischen Militärs mitteilte, wurden am frühen Morgen vier Katjuscha-Raketen vom Libanon aus auf den Nordwesten des Landes abgefeuert. Sie schlugen demnach in der Nähe der Stadt Naharija und des Kibbuz' Kabri ein. Nach Angaben von Sanitätern wurden fünf Menschen dabei leicht verletzt. Als Reaktion auf den Angriff schoss die israelische Armee Granaten in Richtung Libanon ab. «Wir schießen direkt auf den Ursprungsort des Raketenbeschusses im Libanon», sagte ein Sprecher des israelischen Militärs der Nachrichtenagentur AFP.

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Israel und Palästina - Konflikt ohne Lösung?

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Hinter dem Raketenbeschuss aus dem Libanon vermutet Israel radikale Palästinenser. Dies sagten israelische Militärvertreter am Donnerstagmorgen nach Angaben von israelischen Medien. Demnach stuften sie den Beschuss als Einzelaktion ein, die im Zusammenhang mit der israelischen Militäroffensive im Gazastreifen steht.

Die schiitische Hisbollah sei für den Raketenbeschuss nicht verantwortlich und wisse auch nicht, wer dahinter stecke, sagte ein Sprecher der Miliz AFP. Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah hatte am Mittwoch Angriffe aus dem Libanon auf Israel hingegen nicht ausgeschlossen. «Wir sind bereit, unsere Seelen, unsere Kinder und unsere Liebsten zu opfern», sagte er vor zehntausenden Anhängern seiner Miliz. Alles sei möglich.

Israel weitet Offensive im Süden des Gazastreifens aus

Nach einer kurzen Feuerpause hat die israelische Armee in der Nacht zum Donnerstag ihre Offensive im Süden des Gazastreifens verstärkt. Kampfflugzeuge bombardierten Rafah an der Grenze zu Ägypten, und auch im Norden gingen die Luftangriffe weiter, wie Augenzeugen berichteten. Der UN-Sicherheitsrat wollte seine Suche nach einer gemeinsamen Position zu dem Konflikt fortsetzen.

In der Nähe der israelischen Stadt Naharija schlugen Katjuscha-Raketen ein, die vom Libanon aus abgefeuert wurden. (Foto: AFP)

Nach palästinensischen Behördenangaben bombardierten die israelischen Kampfflieger mindestens 40 Ziele im Gazastreifen. Die israelische Armee bestätigte Luftangriffe auf Rafah. Die Angriffe hatten die unterirdischen Gänge an der Grenze zu Ägypten zum Ziel, durch die Waffen und Vorräte in den abgeriegelten Gazastreifen gelangen. Augenzeugen berichteten, unter anderem seien ein Haus und ein Tunnel getroffen worden.

Moschee in Gaza zerstört

Israel hatte die Luftangriffe auf Rafah zuvor auf Flugblättern angekündigt. Die Bewohner der Region wurden aufgefordert, das Gebiet umgehend zu verlassen und nicht vor acht Uhr (Ortszeit) am Donnerstag heimzukehren.

Über den Grenzübergang Kissufim im Süden rollten Augenzeugen zufolge Dutzende israelische Panzer in Richtung Chan Junis, einer Hochburg der im Gazastreifen herrschenden radikalislamischen Hamas. Die Menschen vor Ort berichteten auch von mehreren Luftangriffen bei Chan Junis mit zwei Toten. Bei einem der Angriffe wurde demnach in der Stadt das Haus eines ranghohen Anführers des bewaffneten Hamas-Arms, der Kassam-Brigaden, zerstört.

Auch im Norden setzte die Armee ihre Angriffe fort, wie Augenzeugen dort sagten. Unter anderem sei Mittwochabend durch einen Luftangriff eine Moschee in der Stadt Gaza zerstört worden. Rettungskräfte sagten, es habe drei Verletzte gegeben. Am Abend waren im Flüchtlingslager Dschabalija ein Vater und seine drei Söhne sowie ein weiterer Verwandter bei einem Angriff umgekommen.

Ägypten kündigt Gespräche über Gaza-Konflikt an

Ägypten hat Israel, die Palästinensische Autonomiebehörde sowie die Hamas zu Gesprächen über einen Waffenstillstand im Gazastreifen eingeladen. Der ägyptische UN-Botschafter, Maged Abdelasis, sagte am Mittwoch am Sitz der Vereinten Nationen in New York, «Vertreter aller Seiten» hätten vor, nach Kairo zu kommen. Jede Delegation werde sich mit ägyptischen Regierungsvertretern treffen, gemeinsame Gespräche aller Parteien seien aber nicht geplant.

Die Israelis würden bereits am Donnerstag in Kairo erwartet, sagte der ägyptische Außenminister Ahmed Abul Gheit. Er bestätigte, dass auch die Hamas eingeladen worden sei. Noch sei unklar, ob die palästinensische Organisation Vertreter nach Kairo schicke. In jedem Fall werde es nicht zu direkten Gesprächen zwischen Israel und der Hamas kommen.

UN-Botschafter Abdelasis sagte vor Journalisten, bei den Gesprächen solle die ägyptisch-französische Initiative für eine Waffenruhe im Gazastreifen erörtert werden. Ägypten werde die USA auffordern, in dieser Hinsicht mehr Druck auf Israel auszuüben.

Plan siegt befristete Waffenruhe vor

Der vom französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy und seinem ägyptischen Kollegen Husni Mubarak entworfene Plan sieht zunächst eine befristete Waffenruhe vor, der Gespräche über eine Lösung des Konflikts folgen sollen. Außerdem soll die Versorgung der Bevölkerung im Gazastreifen ermöglicht werden.

Von israelischer Seite gab es zunächst keine Bestätigung für die geplanten Gespräche in Kairo. Das Büro von Ministerpräsident Ehud Olmert verwies lediglich auf eine Erklärung vom Mittwoch, in der Israel Ägypten und Frankreich für ihre Bemühungen um einen Waffenstillstand dankte und einen ägyptisch-israelischen Dialog begrüßte. In einer zweiten Erklärung hieß es, es sei ein Treffen zwischen israelischen und ägyptischen Regierungsvertretern vereinbart worden, bei dem es unter anderem um den Waffenschmuggel in den Gazastreifen gehen solle.

Israelisches Kabinett gibt grünes Licht für weitere Angriffe

Mittwoch hatte Israel erstmals seit Beginn seiner Offensive am 27. Dezember für drei Stunden eine Feuerpause eingelegt, um Hilfslieferungen in das Gebiet zu lassen. Auch die Hamas setzte ihre Raketenangriffe auf Südisrael aus. 78 Lkw mit Hilfsgütern fuhren in den Gazastreifen. Zugleich gab das israelische Sicherheitskabinett grünes Licht für eine Ausweitung der Angriffe auf den Gazastreifen. Der politische Berater von Verteidigungsminister Ehud Barak, Amos Gilad, wurde am Donnerstag in Kairo erwartet, um dort über die ägyptische Waffenstillstands-Initiative zu beraten.

UN-Sicherheitsrat ringt weiter um gemeinsame Position zu Konflikt

Der UN-Sicherheitsrat einigte sich vorerst nicht auf eine gemeinsame Position zu einer Waffenruhe für den Gazastreifen. US-Außenministerin Condoleezza Rice teilte mit, sie und ihre Kollegen aus Frankreich und Großbritannien, Bernard Kouchner und David Miliband, verlängerten ihren Aufenthalt in New York, weil es noch Arbeit gebe. Die Beratungen sollten um 10.00 Uhr Ortszeit (16. 00 Uhr MEZ) weitergehen. Die arabischen Staaten dringen auf eine verbindliche Entschließung, die das sofortige Ende der Offensive verlangt. Die westlichen Staaten indes wollen eine nicht-bindende Erklärung, die die Dringlichkeit eine sofortigen und dauerhaften Waffenruhe betont und die ägyptische Initiative begrüßt.

Blauhelm-Einsatz deutscher Soldaten wird weiter diskutiert

In der Diskussion um einen möglichen Blauhelm-Einsatz im Gazastreifen sagte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Ruprecht Polenz, der «Berliner Zeitung», er beurteile den Vorschlag «grundsätzlich positiv». Voraussetzung seien ein UN-Mandat und die Zustimmung der Konfliktparteien. SPD-Nahostexperte Rolf Mützenich sagte dem Blatt, derzeit fehlten für eine solche Mission zu viele Voraussetzungen. Gefordert sei zunächst eine stabile Waffenruhe. Auch sehe er Probleme bei einer deutschen Beteiligung: «Ich mag mir nicht vorstellen, was es bedeuten würde, wenn deutsche Soldaten in eine Konfliktsituation mit israelischen Soldaten geraten.» (AFP/AP)

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Kommentare
08.01.2009
16:13
Libanon für Einhaltung des Waffenstillstands mit Israel
von IDF | #80

Unglaubwürdig in Ihren Augen, ich bin mit dieser Meinung ja nicht allein.

Und es ist doch schön das Israel von der USA unterstützt wird!

Wenn...
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