Lebensgefahr durch falsche Medikamente
16.02.2011 | 17:10 Uhr 2011-02-16T17:10:00+0100
Brüssel. Jedes Jahr beschlagnahmen europäische Zöllner Millionen Packungen mit gefälschten Medikamenten. Das Risiko der Fälscher, erwischt zu werden, ist gering. Das EU-Parlament will das jetzt ändern.
Alljährlich beschlagnahmen europäische Zöllner Millionen Packungen mit gefälschten Pillen, Tropfen und Salben. Das Risiko für Medikamentenfälscher, erwischt zu werden, ist trotzdem gering, die Profite sind hoch. Das soll sich ändern: Das EU-Parlament hat am Mittwoch in Straßburg ein Gesetz verabschiedet, das Medikamente fälschungssicher machen soll.
Leidtragende der Fälschungen sind die Verbraucher: Sie wissen nicht, welche Wirkstoffe sie zu sich nehmen. Im besten Fall bewirkten die Medikamente gar nichts, im schlimmsten Fall seien sie tödlich, warnen Pharmaverbände.
Der größte Markt für gefälschte Arzneien sind nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Entwicklungsländer. Dort seien bis zu 30 Prozent aller Medikamente gefälscht. Doch auch in der Europäischen Union ist das Problem gravierend. Jede hundertste verkaufte Packung enthält nach einem Bericht des EU-Parlaments gefälschte Medizin. 7,5 Millionen Packungen mit gefälschten Medikamenten seien 2009 an den Außengrenzen der EU abgefangen worden, berichtet die EU-Kommission, deutlich mehr als in den vergangenen Jahren.
90.000 Euro für ein Kilogramm falscher Potenzpillen
Solche gefälschten Pillen enthalten nach Angaben der Europäischen Arzneimittel-Agentur entweder falsche oder keine erkennbaren Wirkstoffe. Es komme auch vor, dass Originalmedikamente in anderen Packungen landeten.
Dabei handle es längst nicht mehr nur um die in Spam-Mails beworbenen Diätmittel und Potenzpillen. Fälscher würden heute von Cholesterin-Senkern bis zu Krebsmitteln alles herstellen, was Profit bringt, sagt der Europa-Parlamentarier Peter Liese (CDU), der selbst Mediziner ist. Und der Gewinn ist groß: Für ein Kilogramm gefälschte Potenzpillen liege der Schwarzmarktpreis bei 90.000 Euro, sagt ein Sprecher des Verbands der forschenden Pharmaunternehmen. Zum Vergleich: Ein Kilogramm Heroin werde unter der Hand für 50.000 Euro gehandelt.
Für Verbraucher ist es nach Ansicht von Fachleuten fast unmöglich, Fälschungen von Originalen zu unterscheiden. Selbst Experten täten sich da schwer, gibt der Verband der forschenden Pharmaunternehmen zu. Bis das EU-Gesetz für fälschungssichere Medikamente greift, werden noch mehrere Jahre vergehen. Solange müssen Kunden beim Einkauf aufpassen.
Sicherer Kauf nur in der Apotheke
Wer sicher gehen möchte, sollte in einer Apotheke einkaufen. Laut dem Pharmaverband hat es in den vergangenen zehn Jahren lediglich 35 Fälle von Medikamentenfälschungen in deutschen Apotheken gegeben. Diese seien alle aufgeklärt worden, ohne dass Patienten zu Schaden gekommen seien.
Das Risiko, beim Kauf über eine Internetapotheke an gefälschte Arzneimittel zu gelangen, sei dagegen größer. Verbraucher, die trotzdem im Internet kaufen wollen, sollten darauf achten, dass grundlegende Angaben wie der Name des Inhabers und die zuständige Aufsichtsbehörde genannt sind. Bei Zweifeln an der Seriosität einer Onlineapotheke helfe die Apothekerkammer weiter.
Deutlich warnt der Verband vor Pillen, die in Spam-Mails beworben werden. Das Risiko, dass es sich dabei um Fälschungen handle, sei groß. Gleiches gilt für Internetseiten, die verschreibungspflichtige Medikamente anbieten, ohne dafür ein Rezept zu verlangen.
10:32
#1
Wer sich im Internet einen Fernseher schicken läßt kann ihn ohne Angabe von Gründen innerhalb von 14 Tagen zurückschicken. Bei Medikamenten könnte das zurückschicken wegen des erfolgreichen Ablebens zum Problem werden.
21:38
Die gefälschten Medikamente aus dem Ausland sind sicher ein großes Problem, das unterbunden werden muß.
Das größte Problem ist m.E. die Globalisierung und die Hörigkeit unserer Regierung zur Pharmalobby
19:38
@1 genau so ist es. Es wird immer wieder von gefälschten Potenz- oder Haarwuchsmitteln geredet. Dummerweise handelt sich dabei in 95% der Fälle gar nicht um Fälschungen, sondern um Generika. Diese werden auch nicht in irgendwelchen Hinterhöfen gemischt sondern von international tätigen Pharmagiganten produziert. Das sagt nur niemand, es wird halt alles pauschal als Fälschung bezeichnet. Wenn man diese Aussagen wörtlich nimmt, müssten auch alle Medikamente von Hexal oder Ratiopharm darunter fallen. Immerhin produzieren die beiden Firmen auch nur Fälschungen - Entschuldigung ich meinte natürlich Generika.
Hier wird wirklich nur versucht den Patentinhabern brav weiterhin das Geld in den Hintern zu blasen. Selbst wenn man bedenkt, das z.B. in Indien die so sogenannten Fälschungen vollkommen legal produziert und vertrieben werden dürfen. Eben weil in Indien das Patentrecht anders aufgebaut ist. Dort kann nicht der Wirkstoff, sondern nur das Herstellungsverfahren geschützt werden.
Leider glaubt der uninformierte obrigkeitshörige Deutsche alles was ihm die von Pharmalobby bezahlten Funktionäre, Politiker und sogenannten Experten versuchen weiszumachen.
17:33
Geiz ist Geil und Hauptsaache billig
17:31
Was ist das denn für ein Artikel? Scheint mir so, als ob die Pharma-Lobby den höchstpersönlich verfasst hat. Auf die Problematik der Monopolstellung und der Patente auf wirksame Arzeien und Wucherpreise wird nichtmal hingewiesen. Wichtig scheint nur dem deutschen Michel einzureden: Du bist in Lebensgefahr. Kauf nur in der Apotheke und nur von Herstellern die du kennst.