"Lasst das Volk endlich den Bundespräsidenten wählen!"
23.05.2009 | 12:01 Uhr 2009-05-23T12:01:00+0200Essen. In Berlin läuft die Wahl des Bundespräsidenten. Die Art der Abstimmung, wie sie heute dort erneut praktiziert wird, ist dem bekannten Parteienkritiker und Verwaltungswissenschaftler Hans Herbert von Arnim ein Dorn im Auge. Er plädiert für Reformen und die Direktwahl des Staatsoberhauptes.
Herr von Arnim, was haben Sie gegen die Wahl des Staatsoberhaupts in der Bundesversammlung? In der Vergangenheit gab es dort durchaus spannende Wahlgänge.
Hans Herbert von Arnim: Um knappe Mehrheiten geht es nicht. Die Bundesversammlung ist zu einer Schauveranstaltung degeneriert. Dort wird nur nachvollzogen, was Parteiführungen längst entschieden haben. Ich hielte es für richtig, den Bundespräsidenten endlich direkt vom Volk wählen zu lassen.
Warum?
Von Arnim: Zunächst mal kann es in einer Demokratie generell nicht ganz falsch sein, wenn die Bürger ihren obersten Repräsentanten selbst bestimmen. Ein so vom Volk Gewählter könnte aber vor allem mit viel mehr Aussicht auf Erfolg das Gemeinwohl vertreten und ein Widerlager bilden gegen die Übermacht der Parteien.
Es gab 1949 gute Gründe, die indirekte Wahl zu favorisieren.
Von Arnim: Der Parlamentarische Rat hat dem Volk, das dem Diktator Hitler zugejubelt hatte, misstraut. Der direkt gewählte Reichspräsident spielte in der Weimarer Republik in der Tat eine problematische Rolle. Inzwischen sind solche Bedenken unnötig. Nach 60 Jahren Demokratie-Erfahrung im Westen und 20 Jahre nach der friedlichen Revolution im Osten und dem Fall der Mauer sollte kein Zweifel mehr an der demokratischen Reife der Deutschen bestehen. Und die geringen Kompetenzen des Bundespräsidenten sind mit der Machtfülle des Reichspräsidenten auch gar nicht vergleichbar.
Das Amt des Bundespräsidenten würde durch Direktwahl aufgewertet. Müsste es dann nicht auch weitergehende Kompetenzen erhalten?
Von Arnim: Ich sehe nicht, weshalb das nötig wäre. Es geht nicht darum, dem Bundespräsidenten die Machtfülle eines Ersatzmonarchen zu verschaffen wie sie etwa der französische Präsident hat. Wichtig ist etwas anderes: Wenn der Bundespräsident die direkte Legitimation durch das Volk besitzt, könnte er seine weichen, informellen Befugnisse - vermittelt durch die Rede und die Berufung wirklich unabhängiger Sachverständigen-Kommissionen - mit mehr Autorität wahrnehmen. Er hätte aber auch mehr Rückhalt, um etwa die Ernennung von hohen Richtern und politischen Beamten aus den Klauen der Parteipolitik zu befreien. Man hat ja fast vergessen, dass es der Bundespräsident ist, der solche Ernennungen vorzunehmen oder sie zu verweigern hat.
Auf jeden Fall gäbe es in der Politik Machtverschiebungen. Warum ist das kein Problem?
Von Arnim: Weil wir in Deutschland ein ganz anderes Problem haben, nämlich eine Übermacht der Parteien. Es wäre sehr wünschenswert, wenn der Bundespräsident hier ein Gegengewicht bilden würde. Die meisten Amtsinhaber haben das auch versucht, und es ist ja kein Zufall, dass Roman Herzog, Richard von Weizsäcker und eben auch Horst Köhler eine Direktwahl anregten. Wer die Okkupation der Politik durch die Parteien, die nach dem Grundgesetz ja nur an der politischen Willensbildung mitwirken sollen, zurückdrängen will, der kann das als direkt Gewählter eben besser.
Und die Parteien wären dann draußen?
Von Arnim: Das wäre nicht realistisch und auch nicht sinnvoll. Bei der Wahl hätte in der Regel nur eine Chance, wer die Unterstützung einer etablierten Partei besitzt. Die Direktwahl würde dem Staatsoberhaupt aber ein Eigengewicht geben, sodass er sich leichter von den Parteien emanzipieren könnte.
Vermutlich würde dann der Druck wachsen, das gesamte Wahlsystem stärker in Richtung einer direkten Demokratie zu verändern.
Von Arnim: ...was ich sehr begrüßen würde. Denn auch bei den Parlamentswahlen entscheiden die Parteien, nicht die Bürger, wer ins Parlament kommt. Voraussetzung ist das Durchlaufen der innerparteilichen Ochsentour, ohne dass ausreichend klar würde, was sie sonst noch für das Mandat qualifiziert. Weil die politische Klasse weiß, dass ihr Geschäftsmodell in Gefahr geraten könnte, versucht sie natürlich auch bei der Wahl des Bundespräsidenten alles beim Alten zu lassen. Aus ihrer Sicht ist das verständlich, denn für viele ist der Erhalt des Mandats untrennbar mit der Sicherung des beruflichen Status verknüpft. Die Bürger sehen das aber anders, und ihre Sicht sollte in einer Demokratie maßgebend sein.
Wird das Amt nicht zu attraktiv für Populisten?
Von Arnim: Natürlich muss ein direkt gewählter Bundespräsident dem Volk aufs Maul schauen, er kann aber auch mit mehr Aussicht auf Erfolg unangenehme Wahrheiten aussprechen.
Aber bestimmt nicht kurz vor der Wahl. Da müsste ein Bundespräsident Wahlkampf machen.
Von Arnim: Natürlich, selbst der jetzige Amtsinhaber macht ja derzeit unausgesprochen Wahlkampf - und seine Herausforderin Gesine Schwan ganz offen. Entscheidend ist, dass der direkt gewählte Präsident als Anwalt der Bürger die Übermacht der Parteien besser eindämmen könnte.
18:42
@28 yippiieh
Gibt es dann auch eine Verfassung, die sich das Volk gibt ?
Und jagen wir dann auch die Politiker, die nur unser Land vor die Wand klatschen wollen, aus den Ämtern ?
Geil, ich mach mit.
Ich freu mich
05:46
@ #27: Hoffentlich bald, dann sollten wir aus diesem Verein, der uns nichts bringt außer Bürokratie ohne Ende und auch noch sehr viel Steuergeld kostet, sofort austreten. Dies wäre auch mein Rezept zur Gesundung unseres gesamten kranken Systems: Fort mit allem, was zu viel Staat etc. ist, zurück mit der DM, ferner die Menschen motivieren, wieder anzupacken, dann ließe sich die Krise vielleicht überwinden.
20:51
Wann dürfen wir endlich über die EU abstimmen?
16:55
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13:33
In einer echten Demokratie gehört der Volksentscheid in die Verfassung. Leider haben wir nach 60 Jahren immer noch keine richtige Verfassung, sondern nur ein GRUNDgesetz, was lediglich die Vorstufe einer richtigen Verfassung ist.
Die Wahl eines Präsidenten gehört selbstverständlich zu den Pflichtaufgaben eines jeden Bürgers.
zu#1 Dummwähler gehören übrigens genauso zum Volk wie Schlauwähler. Was für ein relativer und nichtssagender Begriff @Dittsche Du Schlaumischlumpf.
Wer nicht wählt, ist übrigens der Dummwähler.
Außerdem will man uns für dumm verkaufen, indem uns Bürgern nicht das Wahlrecht für den Präsidenten eingeräumt wird.
Hans Herbert von Arnim ist außerdem eine Kompetenz, an die nur ein Bruchteil der derzeitigen Politiker rankommt.
In diesem Zusammenhang kann ich nur sein Buch empfehlen DIE DEUTSCHLANDAKTE. Danach ist jeder im Bilde für wie dumm wir Bürger eigentlich gehalten werden und wie man uns im wahrsten Sinne des Wortes verarscht und unser Geld auf den Kopf haut. Als Beispiel dafür stehen die vernichteten Gelder von wenigen Bankfuzzis, die noch mit `ner dicken Tasche nach Hause gehen.
..aber den Deutschen geht es immer noch zu gut.
..also weiter im bequemen Furzsessel sitzen bleiben und nichts tun und rummaulen was man alles besser machen kann.
05:09
... bei der nächsten Wahl in der Tat bitte Direktwahl, und auf Platz 1 des Wahlzettels dann bitte die Option Amt nebst Beamtenapparat ersatzlos abschaffen! Ich hoffe, dass sich 50+% dann dafür aussprechen ...
23:00
@Elektrosteiger
Wir brauchen keine Direktwahl des Bundespräsidenten, wir brauchen lediglich eine konsequente Anwendung des Grundgesetzes:
same procedure as last election, Miss BRD? - Sseme proziddschre äs ewerri elekschon.
Wieder einmal kein Bundespräsident. Wie seit 1949, als man Theodor Heuss auf den Schild hob, ohne die zwingende Vorschrift des Artikel 33 des frischgebackenen Grundgesetzes zu beachten. - Man hatte es verabsäumt, das Amt des Bundespräsidenten öffentlich auszuschreiben. Mit wesentlich größerem Vergnügen griffen auch die damaligen Politiker auf den -undemokratischen- Kunstgriff der Gesetzesumgehung zurück, der 1933 einen gewissen Adolf Hitler an die Macht katapultierte, und der ohne Propagandaministerium zum Selbstläufer der Propaganda wurde: Um die höchsten Ämter im Staat bewirbt man sich nicht, man läßt sich nominieren. - Bullshit! - Mehr nicht!:
http://advocatusdeorum.wordpress.com/2009/05/23/60-jahre-grundgesetz-18-jahre-7-monate-und-20-tage-zuviel/
22:34
Nee muss nicht sein mit der Wahl - schon gar nicht für einen überflüssigen Laberposten.
21:21
Macht doch mal ne Show: D sucht einen neuen Bundespräsidenten...
17:58
Ein Bundespräsident ist überflüssig,kostet nur unnütz Geld.Abschaffen