Das aktuelle Wetter NRW 23°C
Landtag

Kraft ist neue Ministerpräsidentin

14.07.2010 | 12:45 Uhr
Kraft ist neue Ministerpräsidentin
Hannelore Kraft im Kreise von Abgeordneten.

Düsseldorf.Hannelore Kraft ist die neue Ministerpräsidentin von NRW. Im zweiten Wahlgang hat sie die erforderliche Mehrheit erhalten. Heftig reagierte die Berliner Koalition auf die Wahl. CSU-Generalsekretär Dobrindt sagte mit Blick auf Kraft: „Ein faules Ei bleibt ein faules Ei.“

Die SPD-Politikerin Hannelore Kraft ist zur neuen Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen gewählt worden. Sie erreichte am Mittwoch im Düsseldorfer Landtag im zweiten Wahlgang die benötigte einfache Stimmenmehrheit. Sie will nach wochenlangen erfolglosen Sondierungen eine rot-grüne Minderheitsregierung bilden.

Studenten protestieren im Landtag für die Abschaffung der Studiengebühren.

Im ersten Wahlgang hatte die Chefin der NRW-SPD noch die dabei erforderliche absolute Mehrheit verfehlt. Im zweiten Wahlgang reichte Kraft dann die einfache Mehrheit der Stimmen. Für die 49-Jährige votierten im zweiten Durchgang 90 Abgeordnete, gegen sie 80 Parlamentarier. Elf Abgeordnete enthielten sich. Damit erhielt die SPD-Landeschefin offensichtlich alle Stimmen aus dem rot-grünen Lager. Die Linksfraktion enthielt sich anscheinend geschlossen, wie von ihr im Vorfeld angekündigt.

Nach ihrer Vereidigung dankte Kraft ihrem scheidenden Amtsvorgänger Jürgen Rüttgers und warb in ihrer anschließenden Rede vor dem Parlament um gemeinsames Handeln von allen Parteien. Alle müssten dem Wohle des Landes besonders verpflichtet sein. Ziel müsse ein zukunftsfähiges und solidarisches Nordrhein-Westfalen sein. Zugleich betonte sie, die neue Konstellation einer rot-grünen Minderheitsregierung stärke die Rolle des Parlaments, da die Regierung mitunter auf wechselnde Mehrheiten bauen müsse. Das werde dazu beitragen, die Demokratie zu beleben.

FDP-Generalsekretär Christian Lindner (l.), CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe und der Generalsekretär der CSU, Alexander Dobrindt (r.), haben eine gemeinsame Pressekonferenz gegeben.

Mit dem Machtwechsel im bevölkerungsreichsten Bundesland würde Rot-Grün auch die schwarz-gelbe Mehrheit im Bundesrat brechen. SPD und Grüne hatten bereits zwischen 1995 und 2005 in NRW regiert.

Wortbruch und Wahlbetrug vorgeworfen

CDU, CSU und FDP haben auf die Regierungsbildung in Nordrhein-Westfalen mit einer Plakataktion reagiert und der SPD Wortbruch vorgeworfen. Die schwarz-gelbe Koalition sei „geeint durch die Sorge, dass dieses waghalsige politische Experiment nicht gut ist“, sagte CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit seinen Amtskollegen von FDP und CSU, Christian Lindner und Alexander Dobrindt, am Mittwoch in Berlin.

Info
Die bisherigen Ministerpräsidenten in Nordrhein-Westfalen

Seit 1946 gab es zehn Ministerpräsidenten in Nordrhein-Westfalen:

- 1946 - 1947 Rudolf Amelunxen: Der Politiker, der zunächst parteilos war und später dem Zentrum angehörte, wurde nicht gewählt, sondern von der britischen Besatzungsmacht ernannt.

- 1947 - 1956 Karl Arnold: Der CDU-Politiker verlor sein Amt durch ein konstruktives Misstrauensvotum.

- 1956 - 1958 Fritz Steinhoff: Der SPD-Politiker war der erste Sozialdemokrat, der das zehn Jahre zuvor neu gegründete Bundesland an Rhein und Ruhr regierte.

- 1958 - 1966 Franz Meyers: Auch der zweite CDU-Ministerpräsident verlor sein Amt durch ein konstruktives Misstrauensvotum.

- 1966 - 1978 Heinz Kühn: Mit ihm begann eine fast vier Jahrzehnte dauernde Periode sozialdemokratischer Ministerpräsidenten.

- 1978 - 1998 Johannes Rau: Der spätere Bundespräsident hatte die bis heute längste Amtszeit eines nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten.

- 1998 - 2002 Wolfgang Clement: Er war damals noch SPD-Politiker, trat aber später aus seiner Partei aus.

- 2002 - 2005 Peer Steinbrück: Der SPD-Politiker übernahm das Amt von seinem Parteikollegen Clement und unterlag bei der nächsten Landtagswahl seinem CDU-Herausforderer Jürgen Rüttgers.

- 2005 - 2010 Jürgen Rüttgers: Der CDU-Politiker brach die fast 40-jährige Herrschaft der Sozialdemokraten in Nordrhein-Westfalen. Nach herben Verlusten seiner Partei bei der Landtagswahl war er zuletzt jedoch nur noch geschäftsführend im Amt.

- seit dem 14. Juli 2010 Hannelore Kraft: Die Sozialdemokratin ist die erste Frau, die es im größten deutschen Bundesland ins Amt des Regierungschefs schafft. (apn)

Die Regierungsparteien stellten, unmittelbar bevor der nordrhein-westfälische Landtag in Düsseldorf zur geheimen Wahl eines neuen Regierungschefs zusammenkam, ein Plakat mit dem Titel „So linkt Rot-Grün“ vor, auf dem das „gebrochene Versprechen“ der SPD-Landeschefin Hannelore Kraft prangt, das Land „nicht mit Tolerierung“ regieren zu wollen.

Lindner kritisierte, dass die SPD in dem Flächenland auf die Linke baue. Das sei keine Minderheitsregierung sondern eine „Als ob“-Koalition von SPD und Grünen mit der Linken und ein Probelauf für Berlin. Lindner beschuldigte SPD-Chef Sigmar Gabriel zudem, mit Instrumenten der Verdrehung und Zuspitzung bis an die Grenze zur Manipulation das politische Klima zu „vergiften“.

„Ein faules Ei bleibt ein faules Ei.“

Dobrindt fügte mit Blick auf Kraft hinzu: „Ein faules Ei bleibt ein faules Ei.“ Kraft habe sich das „Kainszeichen auf die Stirn gebrannt“ und sei durch ihren eigenen Demokratietest durchgefallen, fügte er mit Hinweis darauf hinzu, dass die Sozialdemokratin der Linkspartei zunächst bescheinigt habe, den Demokratietest nicht bestanden zu haben.

CDU-Generalsekretär Gröhe sieht aber auch die schwarz-gelbe Koalition in Berlin in der Pflicht. Die Vorgänge in Düsseldorf seien ein Hinweis darauf, „was die Alternative ist, wenn es uns nicht gelingt, als Koalition in Berlin erfolgreich das Vertrauen der Menschen in diesem Land zu gewinnen“, sagte er. Daher sei es notwendig, auch in Berlin „klare Kante“ zu zeigen.

Gröhe, Lindner und Dobrindt warfen SPD und Grünen in Nordrhein-Westfalen ferner vor, mit ihrer „Rekordverschuldung“ aus dem Land „das deutsche Griechenland“, also einen Sanierungsfall, zu machen.

Schwarz-Gelb verliert Mehrheit im Bundesrat

Die Bundesregierung sieht durch den Verlust ihrer schwarz-gelben Bundesratsmehrheit keine Probleme bei künftigen Gesetzesvorhaben. Für nahezu alle Punkte des geplanten Sparpakets sei eine Zustimmung der Länderkammer nicht nötig, sagte Vize-Regierungssprecher Christoph Steegmans am Mittwoch in Berlin. Einzige Ausnahme sei die Streichung des Heizkostenzuschusses für „Hartz IV“-Empfänger. Auch für die geplante Gesundheitsreform bedürfe es keiner Zustimmung des Bundesrats.

Ob für eine Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken ein Ja der Länder notwendig sei, werde derzeit noch geklärt. Steegmans sagte zugleich, bei künftigen Vorhaben für die eine Bundesrats-Zustimmung erforderlich sei, werde die Bundesregierung auf die Länder „zugehen“. (rtr/ddp)

Mehr zum Thema: Liveticker zur Wahl Hannelore Krafts

DerWesten

Facebook
 
Kommentare
17.07.2010
19:36
Kraft ist neue Ministerpräsidentin
von mausefritzchen | #250

#32 von Na Endlich- sag ich doch! Rocking Ruhrgebiet!

Aber wirklich, was sich hier für ein Haufen angeheuertes Gewürm durch die Plattform pöbelt, das ist manchmal schon recht spaßig!
Nur gehässige Dummheit kann so ausfallend und daneben argumentieren. Immer schön unterhalb der Gürtellinie! Dumme sind zwar oft fügsam wie Schafe, keineswegs aber so friedlich. Vom Kügeren züchten sie gern ein vernichtendes Feindbild und sind deshalb leicht zu missbrauchen.
Wer ein gefügiges Volk favorisiert, braucht also einen Haufen Dumme und muss zusehen, wie er sie immer nachproduziert. Mit dem bisherigen Schulsystem ging das prima, also muss man für eine Wende daran zügig etwas ändern.

Wenn ein Volk die Produktion von Nachkommen ohne Not drosselt und schlechte Brutpflege betreibt, geht es früher oder später unter.

Ich finde es übrigens gut, dass die Linke Selbstachtung zeigt. Das schadet auch ihrer Glaubwürdigkeit nicht. Zuerst wollte man sie übergehen, dann sollten sie unter dem üblichen SED-Stasi-Stacheldraht-Hagel und Gewitter einen für etliche ihrer Anliegen zu konservativen Widersacher wählen. Ich wähle auch niemanden, der mich abwertet und stimme nur für etwas, das ich für richtig halte- oder ich enthalte mich. Dann gibt es noch gute oder faule Kompromisse, dazwischen kann ein vernunftbegabter Mensch auch unterscheiden.

15.07.2010
16:10
Kraft ist neue Ministerpräsidentin
von Neutraler123 | #249

@217 von WilliWacker

Sie stellen fehlendes Demokratieverständnis bei uns fest.
Nun Willi Wacker demokratsich ist,
Eltern können über ihren Wohnort und den Wohnort ihrer Kinder selbst entscheiden.
Die Eltern meiner Enkelkinder haben sich dazu durchgerungen, ihre Kinder, nach dem altbewährten, erfolgreichen Schulsystem in BW weiter ausbilden zu lassen und sie nicht an einem Experiment teinehmen zu lassen.
Siehe PISA Studie.
Diese Freiheit haben wir in der BRD.
Was sie, durch die Hintertür, ansprechen sind DDR Verhältnisse. Sie wollen die Bewegungsfreihheit einschränken.
Im übrigen wird die Trennung in der Woche von kurzer Dauer sein.
Mein Sohn steht bereits in Verhandlungen um den Betrieb, den er von mir, und ich von meinem Vater übernommen hatte, zu verkaufen.

Es ist ja nicht nur die Schule, die Leute aus NRW vertreibt.
Überzogene Gewerbesteuersätze und Grundsteuersätze B, tun ein übriges.

Politiker fordern, wenn mal wieder etwas, Beispiel Arbeitsmarktpolitik von ihnen versaut wurde, Flexibilität vom Bürger.
Nun wir sind es, in unserem Interesse.

15.07.2010
10:04
Blockierter Kommentar.
von Anybody | #248

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

15.07.2010
09:44
Kraft ist neue Ministerpräsidentin
von TDUS | #247

@221 hallo-essen

wir werden Ihnen im Kollektiv hinterherwinken.

Leben Sie wohl, nachdem Ihnen fünf Jahre lang nicht auffiel wie sehr Sie verdummt wurden.

15.07.2010
09:43
Kraft ist neue Ministerpräsidentin
von TDUS | #246

@ Ex SPD

Dann grüßen Sie bitte in der CDU Herrn UHLENBERGILANTI, gewählt zum Parlamentspräsidenten mit den Stimmen und einer entsprechenden Vereinbarung der Partei die Linken.

Solche Mitglieder wie Sie braucht keine Partei. Weder die SPD, noch die CDU !!!

15.07.2010
09:39
Kraft ist neue Ministerpräsidentin
von hallo-essen | #245

Endlich kommt jetzt Gleichmacherei ohne Ende. Volksverdummung per Gesetz durch Unterdrückung schulischer Begabungen.

Wir stehen am Abgrund. Morgen sind wir einen Schritt weiter.

15.07.2010
08:57
Kraft ist neue Ministerpräsidentin
von Ex SPD | #244

Bin gestern aus der SPD ausgetreten nach 20 Jahren und werde mich der CDU anschließen. Mit Frau *********** will ich nichts zu tun haben. Aber die ist bald eh wieder weg mit ihrer Minderheits-regierung.

15.07.2010
08:53
Kraft ist neue Ministerpräsidentin
von Melanie H. | #243

@ Ingrid W.

Selten so einen Schwachsinn gelesen (treueste Verbündete der SED), Kauf Dir mal ein Geschichtsbuch oder lies bei Wiki nach, wie es wirklich war.Unglaublich...

15.07.2010
00:32
Kraft ist neue Ministerpräsidentin
von TDUS | #242

@216 Neutraler123

soll das jetzt ein Schaden für das Land sein. Ich wünsche Ihnen viel Spaß in Baden Württemberg oder wo wäre es Ihnen konservativ genug ?

Sie könnten ja noch den ein oder anderen undifferenzierten konservativen Foristen hier mitnehmen. Wirklich kein Schaden.

Frau Kraft wurde ohne die Stimmen der Linken zur Ministerpräsidentin gewählt.

Im Gegensatz zu Herrn UHLENBERGILANTI von der CDU der mit den Linken sogar einen Deal gemacht hat.

Setzen Sie sich doch mal eine Brille auf und setzen Sie ihre Medikamente ab um wieder einen klaren Blick zu bekommen.

15.07.2010
00:31
Kraft ist neue Ministerpräsidentin
von WilliWacker | #241

Viele der schwarzgelben Wählerschaft sollte mal ihr Demokratie-Verständnis überdenken.

216Neutrale
Viel Glück inBW

In keinem anderen der alten Bundesländer erreichten rechtsradikale Parteien derart hohe Wahlergebnisse.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/3382242/create

Aktuelle Fotos und Videos
Karikatur vom Tage
Bildgalerie
Fotostrecke
Norbert Röttgen - Aufstieg und Fall
Bildgalerie
Rücktritt
Berlin in schwarz-gelb
Bildgalerie
BVB-Fans
Papst Benedikt wird 85
Bildgalerie
Kirche
Aus dem Ressort
Verzögerung am neuen Berliner Flughafen schockt Branche
Wirtschaft
"Wir haben keinen Plan B.", so lautete die Reaktion vieler Verantwortlichen nach der Bekanntgabe, dass sich die Eröffnung des Flughafens Berlin-Brandenburg verschieben wird. Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn befürchtet unkalkulierbare Kosten. Urlauber werden wohl zu einem anderen Terminal anreisen...
NRW wehrt sich gegen Akw-Neubau in den Niederlanden
Atomkraft
Im niederländischen Borssele ist ein neues Atomkraftwerk geplant. Der Ort in der Provinz Zeeland ist nur wenige Kilometer von Nordrhein-Westfalen entfernt. Die NRW-Landesregierung spricht sich gegen den Bau des Kraftwerks aus. Auch jeder Bürger kann bis zum 12. Januar Einspruch gegen das Akw...