Kein Opfer ist vergessen - von Rüdiger Oppers
22.07.2011 | 18:29 Uhr 2011-07-22T18:29:00+0200
Trauer um die Toten, Mitgefühl für das Leid der Angehörigen, Hilfe für die traumatisierten Opfer; das muss nun im Mittelpunkt stehen. Die Bürger Duisburgs sind nach dem 24.7. nie zur Tagesordnung übergegangen. Sie konnte und durften es nicht, weil viele sich vor ihrer politischen und moralischen Verantwortung drücken.
So entstand der Eindruck bestürzender Gleichgültigkeit bei Organisatoren, Veranstaltern und Vermarktern.
Politik und ethisches Verhalten, Anstand, das war im Jahr nach der Katastrophe in Duisburg oft ein Widerspruch. Der „erste Bürger“ der Stadt glaubt, er sei zum Sündenbock gemacht worden, was wiederum offenbart, worum es Adolf Sauerland in erster Linie geht: um sich selbst. Selbstmitleid ist seine Reaktion auf die größte Katastrophe in seiner Stadt. Nun hat er sich sogar dafür entschuldigen müssen, dass er sich zu spät entschuldigt hat. Sein Marsch durch die Fettnäpfe will einfach kein Ende nehmen. Den Bürgern kann er nur noch einen Dienst erweisen und sein Amt niederlegen.
Aber es geht nicht um eine Person, die in ganz Deutschland zu einer Symbolfigur für verantwortungslose Politik geworden ist, sondern um die Opfer. Sie wären vergessen und verloren, würden wir nicht Konsequenzen aus der Tragödie ziehen. Deshalb dürfen wir nicht zulassen, dass die Akteure sich einfach durch Aussitzen aus der Affäre ziehen. Am Ende werden dafür die Gerichte sorgen. Es wäre eine weitere Schande, würde der Ort der Tragödie nicht eine Gedenkstätte, sondern – unvorstellbar – Teil eines Einkaufszentrums werden.
Nur ein Ereignis mit Millionen Besuchern scheint wirklich bedeutend
Weil die Loveparade zum „Totentanz“ wurde, wie Präses Nikolaus Schneider es genannt hat, ist nicht die Freude am Feiern verboten – auch nicht in Duisburg. Aber Veranstalter sollten zukünftig auch die Unkultur der Mega-Events, die vor allem nach Masse und Quote streben, hinterfragen. Unsere Spaßgesellschaft hat zu einem kritiklosen Rekordstreben geführt, das vorgaukelt, nur ein Ereignis mit Millionen Besuchern sei wirklich bedeutend.
In Duisburg muss das Leben weitergehen. Voller Stolz können die Bürger auf ihre Rhein-Ruhr-Metropole blicken, die in vielen Bereichen vorbildlich ist: Weltoffenheit, Toleranz, Mut, Unternehmungsgeist – auch diese Begriffe charakterisieren die Rhein-Ruhr-Metropole. Wegen des Trauerspiels Loveparade und des katastrophalen Verhaltens eines Politikers darf nicht eine ganze Stadt dauerhaft verpönt sein.
20:09
#10 ErwinLottermann
Der OB wird ja auch nicht aufgefordert, wegen der Küppersmühle oder des Landesarchivs zurückzutreten - das wäre, wenn überhaupt, vergleichbar mit den von Ihnen angesprochenen Fehlern der Landesregierung. Es fordert ja auch niemand den Rücktritt der schwarz/gelben Minderleister in Berlin.
Doch, es geht darum, dass aufgrund einer falschen Entscheidung für die LoPa und aufgrund einer fehlerhaften Genehmigung 21 junge Menschen zu Tode kamen und viele immer noch an den körperlichen und seelischen Verletzungen leiden, manche wahrscheinich bis an ihr Lebensende. Und AS kann sich drehen und wenden, wie er will, er ist der oberste Verantwortliche für die Verwaltung, war er ja auch gern, wenn es etwas zu strunzen gab. Nun hat es sich ausgestrunzt, und da will er die Karten neu legen. Es ist der Stadt schlichtweg nicht zuzumuten, mit dem armseligsten Oberbürgermeister der Republik weiterzuleben.
13:56
Ich bleibe dabei, dass es eine mediale Hetzjagd ist.
Warum fordert denn keiner den Rücktritt von Hannelore Kraft, es sind ja bei einigen Rot-Grünen Ministern(-innen) reichlich Pannen passiert.
Jetzt aber nicht mit der Keule kommen, es sei durch Misterfehlverhalten keiner gestorben. OB Sauerland hat auch keinen umgebracht!
13:41
Ich möchte mich bei Herrn Oppers für seinen Kommentar bedanken. Er hat mir aus der Seele gesprochen und meiner Meinung genau das auf den Punkt gebracht worum es Herrn Sauerland geht: Nämlich um ihn selber! Vom ersten Tag der Katastrophe bis Heute.
Sein Marsch durch die Fettnäpfe begann, als er in einer ersten Stellungnahme das Verhalten der Opfer für diese Tragödie verantwortlich machte. Sozusagen selbst Schuld, wenn sie auf Lichtmaste klettern und dann abstürzen. Dann die unsägliche Aussage, er habe ja nichts unterschrieben und sei deshalb nicht verantwortlich, übr. auch ein Schlag ins Gesicht jeden städtischen Mitarbeiters. Es war kein Geld für Angehörige da, die bei der Stadt um finanzielle Hilfe bei der Überführung der Toten baten, aber 300.000 € (!) für das Gefälligkeitsgutachten einer Düsseldorfer Kanzlei, um die Stadt von jeder Schuld reinzuwaschen. Sein Interview im WDR, in dem er sagte, der Stadt seien die Namen der Toten nicht bekannt, deshalb konnte die Stadt auch nicht kondolieren, obwohl dem Standesamt die Namen vorlangen. Sein fehlendes Mitgefühl den Angehörigen gegenüber, auch deshalb ist seine Entschuldigung nach fast einem Jahr nichts mehr wert. Die Liste der Fettnäpfe und Peinlichkeiten ließe sich noch fortsetzen. Duisburg hätte in seiner schwersten Stunde einen OB vom Kaliber eines Josef Krings gebraucht, der die richtigen Worte gefunden hätte. Ein OB Sauerland, der Angst vor seinen Bürgern hat, der überlegen muss, ob er an einer öffentlichen Veranstaltung teilnehmen kann, ist für eine Großstadt wie Duisburg einfach nicht mehr tragbar. Bis zum heutigen Tag sagt dieser OB die Stadt habe keine Fehler bei der Planung der Loveparade begannen, obwohl doch etliche Versäumnisse bereits bekannt sind. Die Loveparade durfte im Jahr der Kulturhauptstadt einfach nicht abgesagt werden, der politische Druck war da, und dann wurden die gesetzlich vorgeschriebenen Regelungen (Fluchtwege u.a.) eben den Gegebenheiten vor Ort angepasst. Wieso ist keinem städtischen Mitarbeiter bei einer Begehung des Veranstaltungsgeländes dieser defekte Gulli Deckel aufgefallen, der fahrlässig mit einem Bauzaun abgedeckt wurde und so zur tödlichen Falle für viele Opfer wurde. Sauerland sagt bis heute, dass die Loveparade mit den besten Sicherheitsmaßnahmen hinterlegt war, Angehörige von Opfern müssen dies als Verhöhnung empfinden. Er ergibt sich in Selbstmitleid, das die Leute halt einen Schuldigen suchen und diesen in ihm gefunden hätten. Das Verhalten von Sauerland macht mich wütend und gibt immer wieder Anlass zum Fremdschämen. Mit diesem OB ist ein dringend notwendiger Neuanfang nicht möglich.
Im Übrigen: Die Kommentare von Usern, die der NRZ/WAZ eine mediale Hetzjagd vorwerfen, sind mindestens so peinlich, wie das Verhalten von Sauerland seit dem Tag der Katastrophe.
19:30
an #4: der OB, Lottermann, kann seine Aufgaben schlicht nicht mehr ordentlich wahrnehmen, weil alle Menschen von Führungspersönlichkeiten Führungsverantwortung erwarten. Einer Erwartungshaltung die Sauerland rundweg ablehnt.
Auch wenn er persönlich tagtäglich bis zum Veranstaltungsbeginn seiner Verwaltung klar gemacht hat, dass bei dem geringsten Zweifel an der Sicherheit der LP die, genauso wie in Bochum, abzusagen ist und es nur keiner mitbekommen und protokolliert hat, würde ein verantwortungsvoller OB im Interesse der Stadt zurücktreten.
17:56
Guter objektiver Kommentar. Kommt bei den Anhängern des OB naturgemäß nicht gut an.
14:10
Die Angehörigen und Freunde werden die Opfer nicht vergessen. Alle anderen werden demnächst zur Tagesordnung übergehen - wie immer.
11:37
Eine gute Gelegenheit für Stadtplaner, Parlamentarier und den Fraktionen in den Städten sich zu überlegen, wie mit Verantwortung, Respekt und Öffentlichkeit umgegangen werden. Tatsache ist doch, das ihnen Bürger und Öffentlichkeit oft unbequem ist, sie lieber ihre Schäfchen im Trocknen halten, das Sagen haben und sich die respektlosen Nörgeleien ihrer Kritiker verbieten. Großveranstaltungen sind etwas großartiges, aber sie sollten nach der letzten Katastrophe nicht länger in engen Städten stattfinden sondern im Freien auf offenem Gelände.
Und: lasst uns doch die Grundidee erhalten, die Idee des friedlichen Miteinander feierns, egal welcher Herkunft, sozialen Schicht oder welcher Bildung, egal welchen Alters und egal welchen Geschlechts.
Ohne Kommerz und ohne parteilichen Anspruch.
Ohne Eintritt und ohne Angst. Mein Mitgefühl gehört den Angehörigen, Freunden und allen anderen Betroffenen.
Ein Raum für Trauer und ihrer Verarbeitung kann auch das Lernen aus der Vergangenheit sein, den luftleeren Raum mit etwas Neuem füllen - in Gedenken an die Opfer.
Niemand sollte vergessen, was geschehen ist.
Ihnen zu Ehren und zum Gedenken darf das allen gemeinsame Gefühl und Wunsch nach Liebe, Frieden und Gemeinschaft nicht mit ihnen gestorben sein.
10:51
Der Kommentar erscheint mir als nächster Baustein der medialen Hetze gegen den Duisburger OB. es würde mich nicht wundern, wenn später noch ein Rücktritt als Flucht vor einer (von den Medien immer vorab festgestellten) Verantwortung gewertet wird.
Schlimm!
08:53
#2
Auch ich kenne die Opfer nicht persönlich. Darf ich deshalb nicht von ihrem Unglück betroffen sein? Darf ich deshalb keine Meinung zu dem katastrofalen Verlauf der Lopa haben?
Ich finde den Kommentar von Oppers gar nicht schlecht. Immerhin versucht er einen Ausgleich zu schaffen, zwischen dem wichtigen Andenken an die Opfer (die man dafür wirklich nicht persönlich gekannt haben muss) und notwendigen Denkanstößen und Konsequenzen, die daraus folgen könnten bzw. sollten.
02:55
Wer ist Oppers?
Kennt er die Opfer. Die Toten. Die Verletzten. Die Traumatisierten. Die trauernden Angehörigen. Die Menschen, die nach wie vor Anteil nehmen.
Kennt e sie?
Nein.
Schade, ein wertloser Beitrag dieser Artikel.