Jedes zweite Tierheim steht vor der Insolvenz
03.08.2010 | 18:51 Uhr 2010-08-03T18:51:00+0200
Essen.Immer mehr Fundtiere, immer höhere Kosten, Dürre in der Spendendose: Manchen Tierschutzvereinen droht die Insolvenz, andere krabbeln am Existenzminimum. Rein städtische Einrichtungen verschwinden.
Man merkt Thomas Schröder an, dass er diese Sätze nicht zum ersten Mal sagt. Zu routiniert arbeitet der Bundesgeschäftsführer des Tierschutzbundes Punkt für Punkt ab: Die Tierheime sind an ihre Grenzen geraten, müssen fast 40 Prozent mehr Tiere betreuen als vor vier Jahren. Die bleiben im Schnitt länger, weil: schwieriger vermittelbar. Und da auch die Spenden zurückgehen, stehe jedes zweite Heim vor der Insolvenz. „Hattingen hat vor einem halben Jahr etwa SOS gefunkt.“
„Insolvenz?“ Petra Baum reagiert erschrocken. „Klar, wir krabbeln seit zehn Jahren am Existenzminimum“, gesteht die Vorsitzende des Hattinger Tierschutzvereins, „aber wir konnten noch jede unserer Rechnungen bezahlen.“
Petra Baums Verein ist einer der kleineren im Ruhrgebiet. Ein eigenes Heim gibt es nicht, dafür einige ehrenamtliche Helfer. Sie betreuen Katzen im Haus der Halter, während die im Urlaub am Strand liegen. Fundtiere fahren sie zu freiwilligen Pflegern. „Und zwar Tag und Nacht“, versichert Baum. Ein Ende ist nicht geplant: Zwar seien bis Juli erst 150 Euro in der Spendendose gelandet. In ein paar Tagen aber bekomme der Verein immerhin ein neues Auto gesponsert.
Erbschaft für die Hunde
Bei großen Tieren hilft Hattingen der „große Bruder“: Das Bochumer Tierheim hat erst vor vier Jahren eine Erbschaft für ein neues Hundehaus eingesetzt. Insgesamt beherbergt das Tierheim 75 Hunde, 60 Katzen und ebenso viele Kleintiere. Viele werden aus finanziellen Problemen ausgesetzt oder abgegeben. Manche bleiben für immer – so wie Odin. „Ihn werden wir wohl nicht mehr vermitteln“, glaubt Carmen Decherdt, die das Heim seit November leitet.
Der Stafford Terrier Mischling hat nur zu Schwiegervater Helmut Decherdt echtes Vertrauen. Vor mehr als fünf Jahren gabelten ihn die Bochumer auf. Das Schild an seinem Käfig ist durch die Sonne inzwischen etwas verblichen: „Sein neuer Besitzer sollte ordentlich Kraft mitbringen“, steht dort, „denn wenn er mal Gas gibt, dann aber richtig.“
Im Schnitt bleiben Hunde für 3,3 Monate in einem deutschen Tierheim. Bei Katzen dauert es 3,5 Monate, ehe sie ein neues Zuhause finden – einen halben Monat länger als noch 2006.
Kosten steigen
Die Kosten von Fundtieren steigen. Laut Gesetz müssen die Kommunen sie selbst tragen, viele übernehmen sie aber nur für 28 Tage. Die meisten – auch Bochum und Hattingen – zahlen den Vereinen stattdessen eine jährliche Pauschale, die umgerechnet noch niedriger liegt. „Die wurde vor einer Ewigkeit ausgehandelt“, sagt Carmen Decherdt. „Da kamen lange nicht so viele verletzte Tiere.“ Vor ein paar Tagen erst hat ihr Heim eine Katze mit Kieferbruch aufgenommen. Die nötige Operation kostet mindestens 500 Euro.
Es verwundert kaum, dass rein städtische Einrichtungen in Zeiten von Nothaushalten von der Tierschutzkarte verschwinden. In der näheren Umgebung leisten sich nur Hagen und Mülheim noch eigene Tierheime. Während in Hagen schon mehrere Anträge zum Neubau eines sachgerechten Heimes gescheitert sind, prüft Mülheim die Möglichkeit, das Heim an einen Verein abzutreten. Das halbstädtische Dortmunder Tierschutzzentrum klagt derweil über Personalnotstand: Drei Pfleger arbeiten bis zu zwölfeinhalb Stunden an jedem von sechs Tagen in der Woche.
Das jährliche Überleben
„Ja und Nein“, antwortet Bärbel Thomassen auf die Frage, ob dem Essener Tierheim eine Insolvenz droht. „Im letzten Jahr hatten wir Glück mit zwei großen Erbschaften“, erzählt sie. „Das war so viel Geld, wie wir im ganzen Jahr an Spenden bekommen haben.“ Und es sichere das Überleben in diesem Jahr.
Da nämlich habe ihr Verein noch nichts geerbt. Zugleich gebe es immer weniger Spenden. „Wenn der Trend anhält, müssen wir uns fragen, ob wir uns noch halten können“, sagt sie. Wenn nicht, würde ein echtes Schwergewicht des Tierschutzes wegbrechen. Fast 400 Tiere betreut die Essener Einrichtung. Sie ist eine der größten in NRW. Der Verein besteht schon seit 1874, und ist damit der älteste im Ruhrgebiet.
„Die Kommunen sind jetzt in der Pflicht“, sagt Thomas Schröder, der Geschäftsführer des Tierschutzbundes. Jahrelang habe er das Gespräch mit ihnen gesucht. Er fand es schließlich am 13. Juli. In Berlin kamen Vertreter des Tierschutzes mit Vertretern des Deutschen Städtetages, Städte- und Gemeindebundes und Landkreistages ins Gespräch. „Ein sehr konstruktives“, findet Schröder. Mit mehr Zahlungen der Kommunen sei aber nicht zu rechnen, hieß es. So endete das Gespräch mit der beliebtesten Lösung für solche Fälle: Es wurde eine Arbeitsgruppe eingerichtet.
08:30
Moin dogs4you.......
Du wirst dich wundern wieviele Rassehunde im Tierheim landen bzw ausgesetzt werden. Für viele Käufer dieser Tiere muss das Tier gewinne bringen. Tut es der Hund nicht mehr kommt er weg.
10:19
Leider wird in unserem städtischen Tierheim ehrenamtliche Arbeit aus Datenschutzgründen und versicherungstechnischen Problemen abgelehnt!
In unserer Stadt Hagen möchten viele Menschen helfen, werden aber nur als Gassigänger gerade mal geduldet.
22:00
@ Antonietta:
Können Sie Ihren Müll nicht endlich für sich behalten? Abgesehen davon, dass Sie inhaltlich vollkommenen Blödsinn schreiben, da Sie den Tierheim-Tieren menschliches Verhalten in Form von Dankbarkeit und Nicht-Vergessen-Können unterstellen. Lächerlich.
13:44
Vor ca. 15 Jahren suchte ich einen Tierheimhund - gerne einen alten, schwer vermittelbaren Hund - egal wie häßlich und von mir aus auch krank, weil ich einfach nur etwas Gutes tun wollte. Die einzige Bedingung an den Hund war, dass er sich mit Katzen verträgt - kein Problem dachte ich bei Tier suchen ein Zuhause wird ja auch zu jedem Tier eine Geschichte erzählt.
Ich war im Ruhrgebiet in (fast) jedem Tierheim - keines davon konnte mir auch nur ansatzweise etwas über den Charakter der Hunde sagen - einige davon meinten sogar ich könnte es ja einfach mal ausprobieren - Katzen könnten sich gut wehren.
Seitdem frage ich mich immer, ob dass was in der WDR Sendung erzählt wird eigentlich auch nur ansatzweise stimmt oder ob das alles nur eine große Show ist ?!?
21:48
Wir haben in mehreren Tierheimen nach einer Zweitkatze gesucht.
Das erste Tierheim zeigte sich durchaus kooperativ, leider hatten alle passenden Kandidaten seinerzeit einen Hautpilz und waren nicht vermittelbar. Tierheim 2 fragte uns noch an der Annahme (wir hatten noch nicht ein Tier gesehen) was wir denn gerne hätten und ob wir berufstätig wären. Aussage dann: nein, wir vermitteln Katzen grundsätzlich nur zu zweit und wenn Sie berufstätig sind, dann bekommen Sie von uns kein Tier, Sie können sich dann nicht richtig kümmern. Wir haben mehrfach betont, es wäre ja eine ZWEITkatze und beide Tiere wären max. 6 Stunden pro Tag allein. Auch meine Frage, wie man denn ohne Berufstätigkeit evtl. Mehrkosten bei Krankheit des Tieres aufbringen solle, wurde nicht beantwort. Man ging nicht auf uns ein und liess uns einfach stehen. In Tierheim 3 war man offensichtlich überfordert, die Erklärung der einzelnen Tiere beschränkte sich auf ist 2 Jahre, Kater, kastriert, ja... wohl verträglich, graugetigert, sehen Sie ja.
Wenn die Vermittlung immer so abläuft, wundert mich nicht, das die Tierheime regelmäßig überfüllt sind. Wir hätten gerne ein Tier aus dem Tierschutz aufgenommen. Am Ende hatten wir das Gefühl, wir waren lästig und kamen uns teilweise wirklich als Bittsteller vor. Letztlich haben wir einen Kater von einem privaten Katzenschutzverein aufgenommen. Er ist krank, wir haben in 6 Monaten über 600,- an Tierarztkosten gehabt und er benötigt Spezialfutter. Wäre er aus dem Tierheim 2 gewesen, hätte ihn die Liebe seiner Besitzer heilen müssen, denn Geld für diese Behandlungen ist bei Nicht-Berufstätig wohl eher nicht vorhanden!
21:46
@22 ähnlich ist es im Tierheim in Bottrop.
da ist es Frau Tüllmann die sich gerne in den Vordergrund spielt. es ist bekannt, das es ihr nicht um die Tiere geht sondern um IHRE Aufmerksamkeit.
viele gehen dort auch nicht mehr hin weil sie die Unfreudlichkeit in Person ist.
von Tierhaltung hat sie auch keine Ahnung. beim Tag der offenen Tür haben wir die Käfige der Kaninchen bzw Meerschweinchen gesehen. wir wollten uns aufklären lassen was ein Nager so alles braucht um weitgehend artgerecht gehalten zu werden. WIR wussten das allerdings schon durch diversen Internetseiten und Fachbüchern. kaum zu glauben was Frau Tüllmann uns riet und was sie für artgerecht hielt. sie empfahl uns einen viel zu kleinen Käfig und Einzelhaltung. kaninchen bzw Meerschweinchen in Einzelhaltung kann fatale Folgen für das Tier haben. DAS sollte sie doch wissen.
in dem Tierheim läuft sovieles schief und selbst erfahrene Tierhalter bekommen dort kein Tier. kein Wunder das sie dann so überfüllt sind.
andere Tierschutzorganisationen in der Umgebung verweigern sogar schon die Zusammenarbeit mit dem Tierheim Bottrop weil eben dort unqualifiziertes Personal arbeitet und hinter den Kulissen einige krumme Dinger laufen.
20:45
zu einigen Schreiblingen kann man nur zurück schreiben: Zeig mir wie du zu Tieren bist und ich sag dir wer du bist! Und leider sind einige hier Ars...
Die Arbeit der Tierheime ist enorm wichtig in einer Möchtegern-Zivilisierte Welt.... sonst hätten wir hier Verhätlnisse wie in Rumänien und Co, sprich hunderte Tiere auf der Straße die Krankheiten verteilen....
Auch wenn es nicht so gut erkennbar ist so arbeitet jedes Tierheim im Namen der Stadt, da sonst das liebe Fundbüro herhalten müsste!
Leider muss ich auch einigen hier Recht geben das viele Tierheime mehr als unfreundlich sind!
Es kommt einen echt so vor als wenn die gar nicht an der Vermittlung interessiert sondern an die Sammlung der privaten Daten.
Einen wird ja jeder Sachverstand weggeredet, da kann man sämtliche Sachkundenachweise haben und zig Jahre Hunde gehalten haben, trotzdem wird man behandelt wie ein kompletter Vollidiot.
Hinzu noch die Angaben über seine Familie, Einkommen, und die Probegassigehzeiten die schonmal sich 3 Wochen hinziehen können, bis die begriffen haben das man doch mit den Hund klar kommt. Verstehe dann doch die Leute die zum Züchter gehen, ungefähr mittlerweile das Gleiche zahlen und nicht gegängelt werden.
20:22
Es ist schon sehr traurig, dass so viele Tiere einfach nur abgeschoben werden, weil sie alt und krank sind und wir alle wissen, dass ein Tierheim-Leben nicht gerade lustig ist.
Aber es gibt auch an unserem Beispiel eine ganz andere Seite dieser Probleme:
Wir waren bis Dezember 2008 eine größere Gruppe von Ehrenamtlichen, die sich seit Jahren täglich um die Tiere im Tierheim Castrop-Rauxel gekümmert haben. Wir haben sämtliche anfallenden Arbeiten ausgeführt, haben die Hunde Gassi geführt und haben zusätzlich noch für nicht unerhebliche Spenden gesorgt .Dann wurde eine neue Vorsitzende gewählt und diese hat mit ihrer eigenen Mannschaft alles an sich „gerissen“. Plötzlich war unseren Arbeit und Spenden
nicht mehr gefragt und wer nicht freiwillig das Handtuch geschmissen hat, der wurde
regelrecht „rausgemobbt“.
So kann es einem auch gehen:
Man will helfen und darf es aber nicht mehr !!!!!!!!!!!
19:01
Die Kohle in den öffentlichen Kassen ist weg ...
ergo muß gespart werden ...
Wo fängt man da an ?
Richtig: bei un- bzw. minder-wichtigen Dingen.
Hunde, Katzen und Co. sind eben KEINE Menschen, auch wenn die meisten Hunde,Katzen und Co.-Halter das nicht verstehen (wollen).
16:09
@Lichnor
Im ersten Moment eine bestechender Gedanke. In der Konsequenz kaufe ich mir ein Hund im Ausland und melde ihn gar nicht mehr an. Ergo treibe ich die Halter in die Ilegalität. Wer will sich schon komplett überwachen lassen? Orwell lässt grüßen.