Jeder zweite Bahnhof in NRW profitiert vom Konjunkturpaket
25.04.2009 | 08:50 Uhr 2009-04-25T08:50:00+0200
An Rhein und Ruhr. Die Deutsche Bahn in NRW will mit knapp 38 Millionen Euro aus dem Konjunkturpaket II kleine Bahnhöfe aufmöbeln. Viele davon sind an solchen Strecken, wo die Bahn an jeder 'Milchkanne' hält. Jede zweite Station soll von dem Geld profitieren - zumindest ein bisschen.
Der Klever Bürgermeister Theo Brauer ist kaum zu bremsen, wenn man ihn auf den örtlichen Bahnhof anspricht: Damit Kleve von der Schiene her endlich wieder „ein schönes Eingangstor” hat, müsste der Bahnhof dort „an allen Ecken und Enden” aufgemöbelt werden, „vor allem das Gebäude”, meint Brauer. Da hörte der CDU-Politiker gerne, als die Bahnam Freitag verkündete, dass sie für NRW 37,6 Millionen Euro aus dem Konjunkturpaket II bekommt, mit denen man vor allem kleine Bahnhöfe wie Kleve aufmöbeln lassen will – Stationen, die der Volksmund 'Milchkanne' nennt. Insgesamt 358 Haltestellen sollen bis 2011 aufgehübscht werden. Doch die Not ist groß. Die DB will überall ein bisschen. machen, frei nach dem Motto 'Gießkanne trifft Milchkanne', sozusagen.
Bauen je nach Mängelliste
„Wir investieren dort, wo der Bedarf groß ist und wo wir die Projekte innerhalb der vom Bund vorgegebenen zwei Jahre verwirklichen können”, erklärte am Freitag Martin Sigmund, Regionalbereichsleiter der DB-Tochter „Station & Service” NRW in Düsseldorf. Jede zweite Station im Land werde je nach Mängelliste verbessert, erläuterte Sigmund – von der Beleuchtung bis zur Barrierefreiheit (siehe Kasten).
Unterteilt in sechs „Arbeitspakete”, will die Deutsche Bahn jetzt die 37,8 Millionen Euro aus dem Konjunkturpaket II des Bundes in NRW in modernere und sicherere Bahnhöfe investieren. Im Detail geht es um 501 Projekte in 358 Stationen, vor allem an S-Bahn- und Regionalbahn-Linien. 12,21 Millionen Euro sind bis Ende 2011 für mehr Sicherheit und Licht an 130 Stationen vorgesehen, etwa in Geldern, Essen-West und Duisburg-Buchholz; 9,14 Millionen Euro sind für Wetterschutz an 25 Bahnhöfen, etwa in Duisburg-Hochfeld, verplant. Budget insgesamt: 8,6 Millionen Euro. 3,8 Millionen Euro fließen in neue Infotafeln an 297 Bahnhöfen, viele davon am Niederrhein. Für 2,14 Millionen Euro sollen sieben Haltestellen barrierefrei werden. Mit insgesamt 1,7 Millionen Euro will die Bahn die Empfangsgebäude in Solingen Hbf und Rheine energietechnisch auf den neuesten Stand bringen. Bundesweiter Baustart ist in Düsseldorf-Benrath (neue Bahnsteig-Dächer). Termin: 29.Juni.
Im Vordergrund steht aber die Kundeninformation: Für 291 Stationen seien neuartige „dynamische Hinweistafeln” geplant, die nach dem Prinzip eines Text-Laufbands wichtige Infos – zum Beispiel Verspätungen – verkünden. Eine zentrale Tafel pro Bahnsteig ist das Ziel; Kosten pro Stück etwa 10 000 Euro. Auch Kleve soll eine dieser Infotafeln bekommen. Damit erschöpft sich das Konjunkturpaket-Geld dort auch schon.
Bei der Bahn wird derzeit investiert wie noch nie, in allen Bereichen: Für über 300 Millionen Euro werden bis 2012 neue S-Bahnzüge angeschafft, das Schienennetz ist mit Großbaustellen gespickt und für schönere Bahnhöfe und modernere Stationen sind alleine in diesem Jahr 120,4 Millionen Euro verplant – letzteres ist Geld aus der „Mobilitätsoffensive II”, bei der Bund und das Land NRW den Großteil von insgesamt 407 Millionen Euro bereitstellen. Zusammen mit den 133,4 Millionen Euro der „Mobilitätsoffensive I” wird die Bahn damit seit 2004 bis voraussichtlich 2013 insgesamt 540 Millionen Euro ausgegeben und knapp 200 Bahnhöfe aufgemöbelt haben, darunter auch die Hauptbahnhöfe Essen, Duisburg, Mülheim und Dortmund.
Planer sind an ihrer Kapazitätsgrenze
Dass das große Krisenbewältigungs-Programm der Bundesregierung auch dem Schienenregional- und Nahverkehr zugute kommt, ist „eine gute Sache”, meint Lothar Ebbers, Pressesprecher vom Fahrgastverband Pro Bahn NRW. Zumal die Kommunen ihre insgesamt 2,3 Milliarden Euro ausdrücklich nicht für notwendige Erneuerungen bei Bus und Bahn ausgeben dürfen, sondern für Schulen und Straßenbau. Aber: „An fast 80 Prozent der Bahn-Stationen in NRW liegt irgendwas im Argen”, sagt Ebbers.
Auch würde die DB mit dem 38 Millionen-Euro-Paket aus Berlin nun „manche Mängel kaschieren, für die sie selbst gesorgt hat”, kritisiert Ebbers: Die neuen Anzeigetafeln etwa „bereinigen das Problem, dass Lautsprecher-Durchsagen an vielen kleinen Stationen nicht mehr Bahn-Standard sind.”
Das weiß auch DB-Mann Martin Sigmund: „Wenn es mehr Geld geben würde, würden wir auch mehr tun wollen”, sagte der Chef der NRW-Bahnhöfe gestern etwas gewunden. Für die nächsten drei Jahre aber „könnten wir gar nicht mehr Projekte stemmen. Wir stoßen bei der Planung an unsere Kapazitätsgrenzen.”
Da bleibt es nach wie vor ein schöner Pendler-Traum, dereinst mal jeden Bahnsteig ohne Stufen zu erreichen. Laut Latsch sind bereits 68 Prozent der 693 „aktiven” - also befahrenen - DB-Stationen in NRW barrierefrei. Mit Modernisierungsoffensive II und Konjunkturpaket kämen bald 58 Stationen dazu, zu denen dann Rampen führen oder Aufzüge.
Für Lothar Ebbers aber bleibt das alles auch in Zukunft nur „ein Flickenteppich” - bundesweit: „Nach wie vor kann man sich als Reisender leider nicht darauf verlassen, am Reiseziel auch wieder leicht aus dem Zug zu kommen.” Manche Bahnsteigkanten sind 50 Zentimeter tiefer „oder noch mehr”, als die Zug-Stufen. Alle Plattformen mit einem einheitlichen Niveau alten- und behindertengerecht aufzufüllen „sprengt wohl jedes Konjunkturpaket”, meint Ebbers.
Welche Bahnhöfe in NRW saniert werden: Die Liste finden Sie hier
12:21
Also, ehrlich gesagt, ich verstehe nur noch Bahnhof!! Wie viele Langzeitarbeitslose, Hartz 4 Empfänger und solche, die durch`s Scheerenloch gefallen sind und in den Statistiken nicht mehr geführt werden, haben durch diese Maßnahme Lohn und Brot bekommen? Man sollte nicht zu viel Wirbel um diese Maßnahme machen. Hühner gackern oft, auch wenn sie kein Ei gelegt haben!!
Hat die Bahn eigentlich diese Mittel nötig, wo sie ja nur angeblich schwarze Zahlen schreibt ? Na, ja, ein Anfang scheint gemacht, um unsere maroden Bahnhöfe zu sanieren. Es wird soviel Geld in den Sand gesetzt, da kommt es auf ein paar Milliarden auch nicht mehr an.
12:53
Endlich mal eine gute Maßnahme für das Konjunkturpaket. 38 Mill. Euro sind nicht so viel - mehr als das 25fache wird ausgegeben um in NRW funktionstüchtige PKW in die Presse zu schicken.
Diese Maßnahmen wünschen sich Kunden des ÖPNV, nicht Prunkbauten in Berlin, so dass für die einfachen, sinnvollen Dinge kein Geld mehr bei der Bahn ausgegeben kann. Fast jede Kommune legt Wert auf einen ordentlichen Bahnhof/Haltepunkt, die Bahn hatte aber daran selten Interesse.
11:03
Wenn man sich die einzelnen S - Bahn Haltepunkte ansieht und das seit Jahren wäre es eine typische Steuerverschwendung hier Geld aus dem Konjunkturpaket auszugeben. Durch Mutwillige Zerstörung und Graffiti - Schmiererei sind hier schon ständig Mitarbeiter beschäftigt um alles wieder in Ordnung zu halten. Also was nützt es wenn die Vorzimmer der Städte mit viel Geld saniert werden und alles ist hinterher wieder am verwahrlosen.
22:23
und welche Farbe bekommen jetzt die Papierkörbe?
13:59
Hier in Deutschland haben mittlerweile alle Politiker ein an der Klatsche oder gehören eingesperrt. Man rechnet demnächst mit über 5 Millionen Arbeitslosen die Sozial,Gesundheitskassen sind leer und man hat nix anderes zutun als der Bahn das Geld in den Rachen zu schieben. Man freut sich wahrscheinlich noch wenn die Spaghetties Opel übernehmen anstatt da zu helfen. Stellt sich mir die Frage wann brennen die ersten Autos in Deutschland ...........Frau DR.Merkel
11:02
Kann man in meiner Stadt feststellen. Das Bahnhhofsgebaüde ist an eine Stadteigene Gesellschaft verkauft worden. Es wird, zum Glück, endlich renoviert.
ABER:
Jetzt gibt es im gesamten Bahnhof nur EINEN Fahrkartenautomaten, und der war gestern auch noch defekt. Eine Reparatur findet nicht vor Montag statt....
09:22
da haste recht sehr guter beitrag
08:58
Ja und? Wer soll sich denn darüber freuen, dass jeder zweite Bahnhof mit der heissen Nadel saniert wird ?
Wie wäre es denn, jeden Bahnhof zu sanieren? Bevor ein wahnwitziger Börsengang auch nur zur Debatte steht?
Ein Produkt am Börsenmarkt, dass genau zur Hälfte marode ist, wie sinnig. Na, gut, dass der Gang geplatzt ist.
08:51
Ich finde es in Ordnung wenn auch die kleinen
Bahnhöfe die teilweise in Trümmern liegen Instandgesetzt werden
07:00
Das verstehe ich jetzt aber auch nicht.
Die Bahn ist angeblich finanziell gesund und soll ja letztes Jahr einen ordentlichen Gewinn gemacht haben.
Und dann für diese Anzeigetafeln Geld aus dem KJP II?
Das ist wirklich albern!!!
Aber es funktioniert seit Jahren. Der Hagener Hbf. müßte mal dringend gemacht werden. Renoviert wurde aber nur die Eingangshalle. Und das auch nur, weil Stadt und Land ca. 75% der Kosten gestemmt haben. Weil die arme Bahn sich dies nicht leisten könne.
Man wird verars...., wenn man daneben steht.
Und die einzigen, die dagegen etwas unternehmen könnten (Politiker des Verkehrsausschusses des Bundestages) tun nichts. Diese wollen ja noch einen Versorgungsposten bei der Bahn ergattern.