Das aktuelle Wetter NRW 17°C
Nachrichten

Jeder Fünfte arbeitet für einen Niedriglohn

10.09.2012 | 14:53 Uhr

Niedriglöhne greifen in Deutschland immer mehr um sich. Gut jeder fünfte Beschäftigte arbeite bundesweit für einen Niedriglohn, geht aus neuen Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervor. SPD und Gewerkschaften pochten erneut auf einen gesetzlichen Mindestlohn.

Berlin (dapd). Niedriglöhne greifen in Deutschland immer mehr um sich. Gut jeder fünfte Beschäftigte arbeite bundesweit für einen Niedriglohn, geht aus neuen Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervor. SPD und Gewerkschaften pochten erneut auf einen gesetzlichen Mindestlohn. Auch die CDU/SPD-Koalition aus Thüringen macht Druck und legte am Montag einen Gesetzentwurf für eine bundeseinheitliche Lohnuntergrenze vor.

Die Niedriglohnquote lag 2010 bei 20,6 Prozent, wie der Präsident des Statistischen Bundesamtes, Roderich Egeler, in Berlin mitteilte. 2006 betrug der Anteil der Beschäftigten mit Niedriglohn noch 18,7 Prozent. Als Niedriglohn gilt, wenn der Verdienst eines Beschäftigten weniger als zwei Drittel des mittleren Verdienstes aller Beschäftigten beträgt. 2010 entsprach dies einem Brutto-Stundenlohn von weniger als 10,36 Euro.

Besonders hoch war 2010 der Anteil von Beschäftigten mit Niedriglohn bei Taxifahrern mit 87 Prozent, bei Friseuren mit 85,6 Prozent, im Reinigungsgewerbe mit 81,5 Prozent und in der Gastronomie mit 77,3 Prozent.

"Der wachsende Niedriglohnsektor muss die Bundesregierung endlich wachrütteln", mahnte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach. Niedriglöhne und prekäre Jobs seien würdelos und würden zur tickenden Zeitbombe für eine Welle von Altersarmut. Buntenbach forderte die Koalition auf, die Blockade gegen einen flächendeckenden Mindestlohn aufzugeben. SPD-Chef Sigmar Gabriel verband die Forderung danach mit einer Einigung beim Thema Rente. Wer die Erwerbsarmut nicht bekämpfe, werde am Ende nur erreichen, dass die Kosten für die Bekämpfung der Altersarmut stiegen, warnte Gabriel.

Druck auf die Bundesregierung in Sachen Mindestlohn kommt nun auch aus Thüringen. Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) sagte, das Thema brenne den Menschen auf den Nägeln. Die alte Formel von Ludwig Erhard - "Wohlstand für alle" - müsse weiter gelten. Es sei auf Dauer nicht hinnehmbar, wenn sich Menschen trotz acht Stunden täglicher harter Arbeit noch als Bittsteller beim Staat um eine Aufstockung ihres geringen Lohnes bemühen müssten.

Der nun vorgelegte Gesetzentwurf aus Thüringen sieht einen bundesweiten Mindestlohn für alle Branchen und Regionen vor. Eine konkrete Höhe wird nicht genannt. Festgelegt werden soll der Mindestlohn von einer Kommission aus insgesamt 14 Mitgliedern, die sich je zur Hälfte aus Vertretern von Arbeitgebern und Gewerkschaften zusammensetzt. Der Beschluss soll mit einfacher Mehrheit gefasst werden.

Gibt es keine Einigung, setzt die Kommission einen Schlichter ein. Können sich beide Seiten nicht auf einen Schlichter einigen, wird er vom Bundesarbeitsministerium benannt. Der so festgelegte Mindestlohn soll dann per Rechtsverordnung vom Bundeskabinett beschlossen werden.

Damit setzt Thüringen auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) unter Druck, denn die FDP stemmt sich gegen Mindestlöhne. CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe dämpfte daher die Erwartungen. Da die FDP den Unionsvorstellungen bisher nicht zustimme, glaube er nicht, "dass es auf Grundlage einer Bundesratsbefassung zu einer gesetzgeberischen Änderung insgesamt kommen wird".

Parteifreundin Lieberknecht lässt sich aber nicht beirren. "Ich setze auf die Kraft der Argumente", sagte die CDU-Politikerin. Entscheidend seien für sie die Problemlagen der Menschen.

Die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Annette Kramme, nannte den Vorstoß aus Thüringen lobenswert. Sie bemängelte aber, dass in dem Gesetzentwurf keine konkrete Höhe genannt wird. Die Grünen-Arbeitsmarktexpertin Brigitte Pothmer forderte die Bundesregierung auf, die Initiative aus Thüringen zu unterstützen.

dapd

dapd

Facebook
Kommentare
11.09.2012
18:36
Zeitungsboten
von HeinrichMaiworm | #3

Wenn von 40 Millionen Haushalten in Deutschland 61 % eine Tageszeitung abonniert haben, gibt es 28 Millionen solcher Abos; andere Erhebungen kommen auf 14,8 Millionen. Bei durchschnittlich 200 Zeitungen pro Boten gäbe es demnach zwischen 140 000 und 74 000 Zeitungsboten. Bei keinem addieren sich die je nach Zeitungsdichte gestaffelten Stücklöhne auf wesentlich mehr als 5 Euro pro Stunde (ohne Nachtzuschläge). Anders als Beschäftigte im Taxigewerbe, Friseurhandwerk oder in der Gastronomie tauchen sie in Medienberichten nie auf. Ob das daran liegt, dass alle Printmedien auf sie angewiesen sind?

10.09.2012
20:05
Jeder Fünfte arbeitet für einen Niedriglohn
von nightmare | #2

Zunächst sollte der DGB vor der eigenen Tür kehren , der seine Beschäftigten zu Lohnverzicht und existenzgefährdenen Arbeitsverträgen zwingt.
P.S: wie hoch mag das Jahresgehalt eines Herrn Sommer sein ?

10.09.2012
19:34
Jeder Fünfte arbeitet für einen Niedriglohn
von h.morun | #1

Und die FDP / CDU will diesen Nioedriglohn Sektor sogar. Denn nur so ist gewährleistet, dass die deutsche Wirtschaft mehr verkauft als die anderen EU Länder. Das diese rechnung zu Lasten der Menschen geht, die später mal kaum die Miete zahlen können- das ist eine Rechnung, die Merkel nicht sehen will. Hauptsache der Wirtschaft und den Banken geht es gut.

Leider spielt die SPD hier auch falsch und macht die Schröder Poitik weiter. Nur nicht an die Banken rangehen. Nur nicht die Löhne anheben. Wenn die menschen eine verünftige - dennoch minirente , haben sollen, dann muessten die Stundenlöhne auf 16 Euro angehoben werden. 16 mal 150 Stunden im Monat. Na? Ist das zuviel für die Wirtschaft?

Was die SPD früher mal war, sind heute die Linken. Der einzige Garant für soziale Politik. Die anderen ? Am liebsten wäre Merkel eine einheitspartei. CDU und SPD. mit Merkel an der Spitze. Fragt sich nur wesewegen die Dame das will. Wegen dem bischen Gehalt einer kanzlerin? Oder ???????

Aus dem Ressort
AfD-Kundgebung geht in Bottrop in lautem Pfeifen unter
Europawahl
Spitzenkandidat Prof. Bernd Lucke hielt eine Rede bei der Europawahl-Kundgebung der Alternative für Deutschland in Bottrop. Doch seine Rede auf dem Kirchplatz an der Cyriakuskirche ging im lauten Pfeifen von Gegendemonstranten unter. Der AfD wird vorgeworfen, rechtspopulistische Argumente...
Verfolgte Homosexuelle können Recht auf Asyl haben
Asylpolitik
Schwule und Lesben können auf Asyl in EU-Ländern hoffen - vorausgesetzt, ihnen drohen in ihrem Heimatland schwere Strafen. Das hat der Europäische Gerichtshof entschieden. Es ging um drei homosexuelle Männer aus afrikanischen Ländern, in denen auf Homosexualität mit Gefängnis bestraft wird.
Polizei findet Brandsätze bei Razzia gegen Linksextremisten
Kriminalität
Bei einer Razzia gegen Linksextremisten hat die Berliner Polizei in einem linksalternativen Wohnprojekt Brandsätze, Pyrotechnik und Stacheldraht gefunden. Erst im Juni hatten etwa 40 Vermummte in Kreuzberg Polizisten attackiert, zuvor hatten Unbekannte Fassaden von Jobcentern beschädigt.
Zu viele Protestanten - Orte müssen auf Feiertag verzichten
Mariä Himmelfahrt
Der 15. August 2014 wird in drei bayrischen Gemeinden ein Tag wie jeder andere sein: Denn Mariä Himmelfahrt ist dann dort kein gesetzlicher Feiertag mehr. Grund: Der letzte Zensus hat ergeben, dass in den Kommunen inzwischen mehr Protestanten als Katholiken leben.
Kritik an Mollath-Reklame von Sixt alarmiert den Werberat
Mollath-Werbung
Die Werbeanzeige des Autovermieters Sixt mit Gustl Mollath als Werbefigur hat für Wirbel gesorgt: Die Reklame war mit dem Nürnberger, der erst kürzlich aus der Psychiatrie entlassen worden war, nicht abgestimmt worden. Mollaths Anwalt kündigte rechtliche Schritte gegen Sixt an.