Das aktuelle Wetter NRW 22°C
Integration

Italienische Schüler sind am schlechtesten

08.09.2010 | 18:33 Uhr
Italienische Schüler sind am schlechtesten
Fast die Hälfte der Nachkommen der ersten italienischen Gastarbeiter besuchen die Hauptschule.

Essen.Soziale Integration gut, Bildung mangelhaft. So steht es auf dem Zeugnis, das Migrationsexperten den Italienern in Deutschland ausstellen. 48 Prozent der italienischstämmigen Schüler besuchen laut Statistischem Bundesamt die Hauptschule, neun Prozent gehen auf die Sonderschule – noch hinter den Türken das Schlusslicht unter den Zuwanderernationen.

Nicht umsonst wies der Präsident des Bundesamts für Migration, Albert Maximilian Schmid, gestern bei der Vorstellung des bundesweiten Integrationsprogramms durch Innenminister Thomas de Maizière darauf hin, sich bei der Integrationsdebatte in Deutschland nicht nur auf die Muslime zu fokussieren, sondern auch die Italiener nicht außer Acht zu lassen.

„Italiener gelten als integriert, weil sie in der Gesellschaft nicht als problematisch auffallen. Genau das ist je­doch eine der Schwierigkeiten“, sagt Professorin Ursula Boos-Nünning. Die Essener Migrationsexpertin forscht seit Jahrzehnten zur Einwanderung und Eingliederung von Italienern, Griechen und Türken in Deutschland. Sie betont. dass es bisher der Wissenschaft nicht gelungen sei, den konkreten Ursprung der italienischen Bildungsmisere zu benennen. Eine mögliche Ursache sei die Unauffälligkeit der Italiener. „Sie werden nicht gefördert, weil sie auf Grund ihrer Kultur, ihrer Lebensart beliebt sind und nicht als schwierig gelten.“

Pendel-Argument veraltet

Die vom ehemaligen NRW-Integrationsminister Armin Laschet (CDU) angeführte Pendlermentalität der Italiener sei dagegen nicht mehr entscheidend. Früher hätten Italiener auf Grund ihrer Arbeit häufig ein halbes Jahr in Deutschland und ein halbes Jahr in Italien gelebt, was die Bildungschancen der Kinder verschlechterte. Heute treffe das auf die 771 000 Italiener in Deutschland nicht mehr zu. „So viele Eisdielen kann es gar nicht geben. Längst wird nicht mehr so viel gependelt.“

Zwar haben sich Italiener in ihren Berufswünschen an die der Deutschen angepasst, dennoch spiele die traditionelle Orientierung der italienischen Einwanderer seit 1955 auf dem Arbeitsmarkt eine Rolle bei der Bildung. Bereits 1974 waren 12 000 Italiener selbstständig im Handel und in der Gastronomie. „Deshalb war formale Bildung nicht so wichtig“, so Boos-Nünning. Wer einen Job brauchte, fing beim Onkel im Restaurant oder im Geschäft an. Zum Teil sei dies noch heute so.

Ein weiterer Grund, warum ihre Kinder in der Schule so schlecht abschneiden, ist aus Sicht der Italiener das deutsche Bildungssystem selbst. „In Italien bleiben die Kinder acht Jahre lang zusammen. Hier wird zu schnell selektiert“, sagt Marilena Rossi. Sie berät für die Gewerkschaft Italia Uil in Dortmund ihre Landsleute bei Fragen zu Themen wie Rente, Sozialversicherung und Mutterschutz.

Doch liegt es ihr fern, die Schuld nur beim deutschen Staat zu suchen. „Bei den Italienern der ersten Generation und zum Teil noch bei der zweiten fehlte die Bereitschaft, Deutschland als ihre Heimat zu sehen. Sie wollten irgendwann zurück und haben deswegen die Sprache so schlecht gelernt.“

Vom Gast-Status lösen

Das italienische Konsulat, in dessen Beirat Marilena Rossi sitzt, wirbt deshalb seit Jahren bei Italienern für die doppelte Staatsbürgerschaft, da­mit diese sich von ihrem Gast-Status lösen und sich auch als Deutsche fühlen. Außerdem kritisiert Rossi das fehlende private Engagement der Italiener, ihre Integrationsprobleme zu überwinden. Gerade die Spanier machen ihnen seit Jahren in diesem Zusammenhang etwas vor. Die Quote der spanischstämmigen Hauptschüler beträgt nur 26 Prozent.

Welches Potenzial da brach liegt, zeigt der Deutsch-Italienische-Verein im Kreis Unna. Mit Hilfe eines Lernprojekts ist es dort gelungen, die Quote der italienischstämmigen Gymnasiasten auf 25 Prozent zu steigern. Nur 14 Prozent gehen dort zur Hauptschule.

Gregor Boldt

Facebook
 
Kommentare
10.09.2010
14:34
Italienische Schüler sind am schlechtesten
von Luisa Wudike | #42

In meinem Stadtteil gibt es viele Russen und fast genau so viele Russen. Ich will jetzt nich rassistisch wirken. Ich komme mit ihnen sehr gut aus. Dennoch nehmen sich Russen und Italiener meiner Gegend hinsichtlich den Abschlüssen ihrer Kinder nichts. Die wenigen Deutschen bei mir in der Straße sind meist arbeitslos und ziemlich arbeitsunwillig. Eigentlich möchte ich auch wegziehen, aber für andere Viertel reicht mein Gehalt als alleinerziehende Mutter mit Halbtagsjob einfach nicht aus.

Jedenfalls bin ich froh, dass auch mal Italiener ins Rampenlicht der Integrationsdefizite gerückt sind, da fehlen nur noch die Russen, oh ich meinte eigentlich Russlanddeutsche/Spätaussiedler mit sehr schlechten Deutschkenntnissen :-)

09.09.2010
20:45
Italienische Schüler sind am schlechtesten
von talkingkraut | #41

Ein anderes Bild ergibt sich, wenn man italienische Hauptschüler mit türkischen oder arabischen Hauptschülern vergleicht. Bei den Türken und Arabern schafft ein großer Teil keinen Abschluss, bei den italienischen Hauptschülern dürften das nur sehr wenige sein.

09.09.2010
18:29
Blockierter Kommentar.
von zirkonium167 | #40

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

09.09.2010
17:46
Italienische Schüler sind am schlechtesten
von petrag | #39

@#35 von j.s.
Die Zahlen habe ich leider auch nicht, aber die so genannten Ehrenmorde dürften eher Ausnahmen sein. Allerdings verlieren diese Frauen möglicherweise durchaus den Kontakt zu ihren Familien, weil sie verstoßen werden ...

Interessanter fände ich aber die Zahlen zu den türkischen Männern, die eine deutsche Frau heiraten. Diese Frauen sind nämlich in aller Regel durchaus selbstbewusst (müssen sie auch sein!) und würden nie ein Kopftuch tragen!

09.09.2010
17:15
Blockierter Kommentar.
von Klaus W. | #38

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

09.09.2010
16:51
Italienische Schüler sind am schlechtesten
von j.s. | #37

@ derthilowessmehr

Mach dir da mal keine Sorgen, so schnell kriegen die das Thema nicht mehr vom Tisch. Die Zeit des Beschönigens nähert sich dem Ende.

09.09.2010
16:38
Blockierter Kommentar.
von derthilowessmehr | #36

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

09.09.2010
16:29
Italienische Schüler sind am schlechtesten
von j.s. | #35

@ petrag

Wieviele türkische Frauen heiraten denn heutzutage deutsche Männer ?

09.09.2010
16:25
Italienische Schüler sind am schlechtesten
von Fallari | #34

Man darf aus meiner Sicht nicht unberücksichtigt lassen, dass die in Deutschland lebenden Italiener (wie auch die Spanier) mitbekommen, dass ihre Herkunftsländer ebenfalls längst unter den Folgen einer unkoordinierten Masseneinwanderung zu leiden haben. Dies dürfte bei diesen Gruppen Verständnis für die Sorgen und Empfindungen der alteingesessenen deutschen Mehrheitsbevölkerung erzeugen.

Türken können sich wahrscheinlich wesentlich schlechter in eine Aufnahmegesellschaft hinein versetzen. Deshalb auch das permanente Gejammer und geringe Zurückhaltung mit Forderungen.

09.09.2010
16:20
Italienische Schüler sind am schlechtesten
von petrag | #33

@ #20 Peter Moosleitner
haben zur Abwechselung auch mal einen Deutschen oder eine Deutsche geheiratet
Tun die Türken und Türkinnen auch: Früher waren die Italiener die häufigsten Ehepartner in gemischten Ehen. Heute sind es die Türken!

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/3685063/create

Aktuelle Fotos und Videos
Karikatur vom Tage
Bildgalerie
Fotostrecke
Norbert Röttgen - Aufstieg und Fall
Bildgalerie
Rücktritt
Berlin in schwarz-gelb
Bildgalerie
BVB-Fans
25.000 feierten in DO
Bildgalerie
Turka-Festival
Aus dem Ressort
Verzögerung am neuen Berliner Flughafen schockt Branche
Wirtschaft
"Wir haben keinen Plan B.", so lautete die Reaktion vieler Verantwortlichen nach der Bekanntgabe, dass sich die Eröffnung des Flughafens Berlin-Brandenburg verschieben wird. Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn befürchtet unkalkulierbare Kosten. Urlauber werden wohl zu einem anderen Terminal anreisen...
NRW wehrt sich gegen Akw-Neubau in den Niederlanden
Atomkraft
Im niederländischen Borssele ist ein neues Atomkraftwerk geplant. Der Ort in der Provinz Zeeland ist nur wenige Kilometer von Nordrhein-Westfalen entfernt. Die NRW-Landesregierung spricht sich gegen den Bau des Kraftwerks aus. Auch jeder Bürger kann bis zum 12. Januar Einspruch gegen das Akw...