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Ist der Euro kein Deutscher mehr? – von U. Reitz

12.09.2011 | 17:17 Uhr

Wenn urplötzlich nun die Bundesregierung öffentlich über eine Pleite der Griechen spekuliert, verbirgt sich dahinter womöglich ein Ablenkungsmanöver. Vielleicht geht es ja schon gar nicht mehr um die Griechen, sondern längst um etwas, das schwerer wiegt: Die Verfassung des Euro.

 

Das Ende der D-Mark und die Einführung des Euro wurde den Deutschen mit dem Versprechen schmackhaft gemacht, die neue Europäische Zentralbank (EZB) werde so unabhängig sein wie die deutsche Bundesbank. Mit dieser Unabhängigkeit ist es nicht mehr weit her. Seit gestern kauft die EZB italienische und spanische Staatsanleihen, was nichts Geringeres ist als ein klarer Bruch des EU-Vertrages. Der Grund ist politischer Druck aus den Euro-Mitgliedsländern. Das dürfte der eigentliche Grund für den Rücktritt des EZB-Chefvolkswirts Jürgen Stark sein. Der war schon immer dagegen, die Bank als Instrument zur Stützung schwacher Staaten zu missbrauchen. Er musste erkennen, dass die Deutschen mit ihrer an der Geldwertstabilität orientierten Politik in Europa in die Minderheit geraten waren.

 

Inzwischen hat die Politik gleich reihenweise Euro-Versprechen gebrochen. Längst hauen starke finanzschwache Länder heraus, obwohl das gegen den Maastricht-Vertrag verstößt. Und nun steht, über den Anleihekauf, die Unabhängigkeit der EZB zur Diskussion. Fatal ist, dass es innerhalb der Bank zu einem Machtkampf zwischen laxen und strengen Geldverwaltern gekommen ist. Und schon bald übernimmt ein Italiener den Vorsitz der EZB, der Chef der italienischen Notenbank, Draghi. Und Italien hängt an der vertragswidrigen Stützung über Anleihekäufe durch Europas Zentralbank.

 

Das alles ist schwer zu durchschauen und wird den Deutschen auch nicht erklärt. Zwar bereitet die Bundesregierung das Volk inzwischen auf eine Pleite der Griechen vor, aber über die Veränderung des Euro in den vergangenen beiden Jahren wird nicht gesprochen. Das soll totgeschwiegen werden. Kein Wunder: Die Deutschen sind schon mehrheitlich gegen den Versuch, Griechenland zu retten. Wüssten sie, dass der Euro immer mehr zum Wachs in den Händen notleidender Politiker wird, würde ihr Vertrauen in den Euro und die Politik insgesamt noch weiter sinken.

 

Fazit: Was gerade mit dem Euro passiert, bestätigt jene Kritiker, die vor zehn Jahren vor dessen Einführung warnten. Das wiegt schwerer als die Krise nur eines Landes.

Ulrich Reitz

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Kommentare
13.09.2011
21:12
Ist der Euro kein Deutscher mehr? – von Ulrich Reitz
von rally88 | #6

Wer hat neben den Schuldnerländern, die hoffentlich das geliehen EURO-Geld gut verwendet haben, heute am Kreislauf der Tilgung und der Neuschulden novch immer seinen Vorteil?
Richtig: die Banken und die EU-Verwaltung!
Ebenso aber auch die Wirtschaft, welche generell den Markt sicher ohne Währungsschwankungen innerhalb der Eurozone bedienen konnte, zum kleinen Teil auch wir.
Aber auch die Kunden aus den zuvor schwachen Währungen!
Und wer sorgte dafür das wir für diese Schulden einstehen sollen? - Die Politik!
Aber wer wurde nicht gefragt? - Wir Bürger.

Und das alles, weil wir an der Grenze das Geld nicht umtauschen mußten? - Man hat uns mehr als belogen!
Das Ende von Vertrauen!

13.09.2011
12:16
Ist der Euro kein Deutscher mehr? – von Ulrich Reitz
von carhol | #5

Die Frage ist falsch formuliert.

Richtig müsste es heißen: War der Euro jemals ein Deutscher ?

Die Antwort ist nein.
Die Bevölkerung war und ist gegen den Euro, fast alle Politiker waren dafür.
Eine Währung kann aber nur überleben, wenn sie von der Bevölkerung akzeptiert und getragen wird. Beides ist nicht der Fall.
Wenn der Euro fällt, fällt auch Europa. Auch Europa wird nicht von der Bevölkerung akzeptiert und getragen.
Wenn Europa fällt, fällt auch unsere (aufgezwungene) parlamentarische Demokratie.

Wird unsere parlamentarische Demokratie noch von der Bevölkerung getragen?
Bei den vielen Forderungen nach Volksentscheid denke ich nein.

Fällt also der Euro, fällt auch Europa und unsere parlamentarische Demokratie.

Das Volk wird sich nicht noch einmal von Politikern regieren lassen die soweit vom Volkswillen entfernt sind.
Darum kämpfen die Politiker aller Farben so vehement um den Euro, sie wollen ihre Machtposition behalten -koste es was es wolle.

mfg

13.09.2011
10:00
Ist der Euro kein Deutscher mehr? – von Ulrich Reitz
von Alex9 | #4

Es gab schon immer Finanzkrisen und sie wiederholen sich immer wieder, ohne dass manche es rechtzeitig merken wollen, weil ein Dritter die Zeche zahlt. Bei der Subprime-Krise hat inzwischen auch der letzte Akteur erkannt, dass die Besicherung der Kredite unzureichend war. Bei der EZB hingegen will die Politik offenbar immer noch nicht erkennen, dass Sie sich auf ein zweites gigantisches Subprime-Debakel zubewegt. Denn letztlich ist die EZB inzwischen ein hunderte Milliarden schwerer zwischenstaatlicher Subprime-Kredit mit unbesicherten Forderungen (Staatsanleihenkäufe) und unzureichend besicherten Forderungen (Geschäftsbankenkredite) an die PIIGS-Staaten zu Lasten des deutschen Steuerzahlers. Dass man es dabei mit rechtlichen Regelungen nicht so genau nimmt und das Ergebnis nicht zu schnell realisiert sehen will, ist dabei die beispielhafte Parallele zwischen US-Investmentbankern und deutschen Politikern. Einen Unterschied gibt es aber: Diesmal schaut der Otto-Normalverbraucher wissend zu.

13.09.2011
08:34
Ist der Euro kein Deutscher mehr? – von Ulrich Reitz
von DifesSanoscri | #3

Kohl mit der vermurksten Einigung und
der völlig unzureichend vorbereiteten Euro-Einführung und
Schröder/Eichel mit der Aufnahme Griechenlands und der Defizit-Überschreitung
haben uns dieses Desaster eingebrockt.
Wer zieht sie zur Rechenschaft?

13.09.2011
01:20
Ist der Euro kein Deutscher mehr? – von Ulrich Reitz
von Nie_wieder | #2

Ja, ja: Was haben die Euro-Kritiker nicht alles auf die Omme bekommen - damals. Und jetzt ? Nun werden die Unkenrufer von einst in ihrer pessimistischen Glaubensausrichtung bestätigt.

Und die Bundesregierung ? Anstatt dieReißleine zu ziehen und mit dem Ausstieg aus Euroland zu drohen, wenn nicht endlich Ruhe an der Zahlungsfront aufkommt, sinnt darüber nach, wie noch ein paar Milliarden verbrannt werden.

Im gleichen Atemzug denkt unser Rollstuhlminister über die Rente mit 69 nach; wird bei bei der Hartz-Berechnung gekungelt, dass es nur so kracht im deutschen Sozialgefüge.

Und der deutsche Michel ? Der regt sich einbisschen auf, anstatt endlich aufzustehen und die aus ihren Ämtern zu jagen, die das deutsche Szteueraufkommen in Brüssel und Straßburg verjuxen - für nickes eben. Damit die ********* weiterhin in ihren Luftschlössern griechen können. Erbärmliches Europa. Katastrophale Bundesregierung. Gesteht Euch endlich ein, dass das Experiment Ezuro kläglich gescheitert ist. Europa ist eben nicht Amiland!

12.09.2011
18:04
Ist der Euro kein Deutscher mehr? – von Ulrich Reitz
von bearny67 | #1

10 Jahre später haben wir´s alle vorher gewußt, gelle? Aber nach wie vor gilt: Wäre der Euro statt per Odre Kohli eben durch eine Volksabstimmung zu wählen gewesen, hätten wir auch die nächsten 60 Jahre noch unsere Mark- und kein Geschere um Betrügerstaaten oder Solijamesbonds. Höchstens würde die EZB noch hier nachfragen, ob die deutsche Zentralbank eventuell einen Kredit geben würde. sonst...

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