Isny lehnt Entwurf von Star-Architekt Zumthor deutlich ab
05.02.2012 | 20:38 Uhr 2012-02-05T20:38:59+0100In einem Volksentscheid haben die Bürger von Isny im Allgäu am Sonntag einen umstrittenen Planungsentwurf von Architekt Peter Zumthor für ein neues Stadttor mit großer Mehrheit abgelehnt. Die Gegner des einem gläsernen Backenzahn ähnelnden Bauwerks verbuchten eine Mehrheit von 72 Prozent (4.655 Stimmen).
Isny (dapd-bwb). In einem Volksentscheid haben die Bürger von Isny im Allgäu am Sonntag einen umstrittenen Planungsentwurf von Architekt Peter Zumthor für ein neues Stadttor mit großer Mehrheit abgelehnt. Die Gegner des einem gläsernen Backenzahn ähnelnden Bauwerks verbuchten eine Mehrheit von 72 Prozent (4.655 Stimmen) "Jetzt muss niemand mehr die gläsernen Unterhosen in Isny fürchten", sagte Albert Steiner von der Bürgerinitiative, die sich gegen das geplante Bauwerk eingesetzt hat.
Dem Bürgermeister der 14.500 Einwohner zählenden Stadt, Rainer Magenreuter, war die Enttäuschung deutlich anzumerken: "Isny ist für mich trotzdem die schönste Stadt der Welt. Und das wird sie auch bleiben." An Rücktritt denke er nicht. Magenreuter stand an der Spitze der Befürworter, die letztlich nur 28 Prozent der Stimmen für den Zumthor-Entwurf mobilisieren konnten. Sonja Rube, die als Stadtentwicklerin das Projekt "Neues Stadttor Isny" betreute, sagte: "Ich bin grenzenlos traurig, dass die Bürger diese Chance nicht erkannt haben." Die Befürworter argumentierten, dass ein spektakulärer Bau von Zumthor viele Menschen nach Isny gelockt hätte. In Bregenz, wo Peter Zumthor das Kunsthaus entworfen hat, sei dieser positive Effekt eingetreten. "Es ist schade, dass die Isnyer nicht erkannt haben, was für das Gemeinwohl das Beste ist", sagte Rube.
"Wir sind nicht so laut aufgetreten wie die Befürworter", sagte Albert Steiner. Dennoch sei die Bürgernitiative wirkungsvoll in Erscheinung getreten, mehr als 7.000 Flugblätter seien verteilt worden. Neben der modernen Form des Gebäudes, das aus Sicht der Gegner nicht in das pittoreske Stadtbild von Isny passt, beschäftigte die Bürger vor allem die Kostenfrage des knapp 21 Millionen Euro teuren Projektes, das sich allein aus Sponsorengeldern hätte finanzieren sollen. "Dass auch die späteren hohen Folgekosten komplett durch Sponsoren getragen worden wären, das hat dem Bürgermeister niemand geglaubt", sagt Steiner und erklärt so den überdeutlichen Erfolg der Gegner.
Die Wahlbeteiligung lag bei 62,9 Prozent. Insgesamt waren 10.306 Isnyer Bürger stimmberechtigt. Das Wahlergebnis ist für den Gemeinderat von Isny bindend. Damit darf sich die Stadt nicht länger für den Entwurf des Schweizer Stararchitekten Zumthor einsetzen.
dapd