Bauarbeiten: Wie die Landesgartenschau Hemer verwandelt
Hemer. Die "Spatenpaulis", wie die ehemals in Hemer stationierten Soldaten genannt wurden, werden ihre Blücher-Kaserne kaum wieder erkennen. Für die Landesgartenschau 2010 werden in der sauerländischen Stadt nicht nur Blumen gepflanzt.
Es herrscht schon helle Aufregung in Hemer. Blumige Zeiten stehen dem 37.000-Seelen-Städtchen im Sauerland bevor. Am 17. April 2010 eröffnet die 15. NRW-Landesgartenschau (LGS). „Wir erwarten eine halbe Million Besucher“, sagt Maike Braun vom Presseteam. Der „Zauber der Verwandlung“ – wie der Untertitel lauten wird – ist bereits jetzt erkennbar. An der ehemalige Blücher-Kaserne nehmen Gärten, Plätze und Parks Formen an. „Wir liegen voll im Zeitplan“, versichert Bauleiter Yves Boschloos.
Mehr als eine Blümchenschau, mehr Nachhaltigkeit – „Bei der Vergabe der Landesgartenschau, die im Prinzip ein Förderprogramm ist, stand dieses Kriterium im Fokus“, schildert Braun. Unter der Federführung von Bürgermeister Michael Esken hat die Bewerbung der Stadt Hemer vor allem deshalb den Zuschlag erhalten, weil die Nutzung des ehemaligen Bundeswehr-Geländes einen nachhaltigen Wert für die Stadt und die Region bedeuten. Diesen Erfolg konnte sich Esken auf die Fahnen schreiben und wurde bei der Kommunalwahl mit 76 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt. Hemer sagte danke. Wenn die Schau Geschichte ist, bleiben eine hübsche Parkanlage, ein Baugebiet, Gewerbeflächen, eine Multifunktionshalle und ein Sportlerheim erhalten.
Neue Bühne für jedes Wetter geeignet
Die ganze Schau, die bis 24. Oktober 2010 zu sehen sein wird, hat ein Projekt-Volumen von über 43 Millionen Euro - inklusive der Landesmittel, die an die Stadt Hemer gehen. Auf einer Gesamtfläche von 300.000 Quadratmetern entstehen zum Beispiel ein Park der Sinne samt Irrgarten, eine Wildblumenwiese, ein Integrations- und ein Waldspielplatz, Gärten der Bewegung oder eine Skate-Anlage. Der zentrale Platz ist der Himmelsspiegel. Ein 845 Quadratmeter großes und 2,5 Zentimeter tiefes Becken mit Wasser spiegelt den Himmel – gegebenenfalls samt Wolken – wider. Direkt daneben entsteht die Multifunktionshalle. Je nach Anlass und Witterung kann die Bühne für ein Publikum im Inneren (1200 Sitzplätze) sowie im Freien ausgerichtet werden.
15 Mustergärten behandeln Themen wie „Asiatisches Flair“ oder „Inselsommer“. Hier finden Hobby- und Freizeitgärtner Anregungen für das heimische Grün und können sich mit Experten austauschen. Im Park der Sinne samt dem größten Irrgarten in NRW sprechen neun von Hecken eingezäunte Gärten – genannt Heckenkabinette - die Sinne an. „Da gibt es zum Beispiel einen Garten der Düfte, der Bewegung oder des Geschmacks“, sagt Braun. Die Stadtteile, Nachbar- und Partnerstädte Hemers stellen sich im Städtemosaik auf unterschiedlichste Weise dar.
343 Stufen bis zum Jüburgturm
Die 343 Stufen der Himmelsleiter können bei Dunkelheit beleuchtet werden. Das schafft eine schöne Atmosphäre.
Foto: IKZ
Ein Hingucker ist die Achse bis zum 23 Meter hohen Jübergturm, der sich noch im Bau befindet. Auf fünf Plattformen können Interessierte dort den Ausblick über Hemer und das Hönnetal genießen. An der höchsten Stelle steht man 92 Meter über der niedrigsten Stelle der LGS. Bis zum Jüburgturm sind es 343 Stufen auf der Himmelsleiter. Zugegeben: Die zu meistern ist anstrengend. Alternativ gibt es einen weniger schweißtreibenden Zickzackweg, der auch zum Ziel führt, so Maike Braun.
Sämtliche Attraktionen sind auf dem 3,7 Kilometer langen Rundweg zu sehen, der zu einem etwa zweistündigem Spaziergang einlädt. Die Landesgartenschau ist keine reine Gartenveranstaltung. Nicht nur Hobbygärtner und Blumenfreunde lockt das Spektakel an. Es wird sportlich, kulturell, familiär – „es ist etwas für alle Altersgruppen im Angebot“, kündigt Maike Braun an.
Ein besonderes Verhältnis zu dem Areal haben die vielen Soldaten – liebevoll „Spatenpaulis“ genannt, die hier jahrelang ihren Dienst verrichtet haben. Sie werden ihre Kaserne fast nicht wieder erkennen. 816 neu gepflanzte Bäume, etliche neue Pflanzen auf 5000 Quadratmetern und 40.000 Quadratmeter neuer Rasen werden der Blücher-Kaserne sehr verändern. Das einstige Casino, das zur Hauptgastronomie wird, dürfte den Soldaten noch bekannt vor kommen. Aber im ehemaligen ABC-Übungsraum etwa, wo die Soldaten mit Gasmasken den Ernstfall probten, liegt höchstens noch Weihrauch in der Luft. Hier entsteht das ökumenische Haus der Kirche „Paradiesunddas“.



























