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Holprig wie eine Fahrt im Rentierschlitten

19.11.2011 | 08:48 Uhr

Berlin (dapd). In den Tagen vor Heiligabend befindet sich der neunjährige Ben, der vor kurzem mit seinen Eltern in eine Kleinstadt umgezogen ist, in besonders trübsinniger Stimmung. Wenn es wenigstens schneien würde statt zu regnen! Plötzlich taucht am Gewitterhimmel ein bunt bemalter Bauwagen auf, der abzustürzen scheint. Am nächsten Tag klopft Ben an die Tür des Wagens, der unauffällig am Rande des Städtchens steht.

So beginnt im Filmmärchen "Als der Weihnachtsmann vom Himmel fiel" eine wunderbare Freundschaft. Denn der Wagenbesitzer heißt Niklas Julebukk und behauptet, der letzte Weihnachtsmann zu sein. Julebukks Mitbewohner, die Kobolde Fliegenbart und Kleckerbart sowie die Mini-Engel Emmanuel und Mathilda beweisen Ben, dass der Typ kein Spinner ist. Julebukk ist auf der Flucht vor Waldemar Wichteltod und dessen Häschern, den Nussknackern, in der realen Welt gestrandet.

Bei seiner Bruchlandung hat er sein Rentier Sternschnuppe verloren. Ben will ihm helfen, es zu finden. Mit seiner kratzbürstigen Mitschülerin Charlotte und deren Hund Wutz macht er sich auf die Suche nach dem Fabeltier, das dummerweise unsichtbar ist.

Suche nach einem unsichtbaren Rentier

Erdacht hat dieses moderne Märchen Kinderbuchautorin Cornelia Funke, von der bereits viele Bücher, darunter ihr Welterfolg "Tintenherz", auf die Leinwand fanden. In der Verfilmung wurden die Elternfiguren abgeändert; nun ist Bens Vater ein arbeitslos gewordener Banker, der verzweifelt nach einer Stelle sucht. Bens Mutter eröffnet im geerbten Haus einen Schokoladen-Laden. So haben die Großen wenig Zeit für Ben, der überdies in seiner neuen Schule gepiesackt wird.

Auch Charlotte ist ein trauriges Kind, das sich nach der Trennung seiner Eltern nach seinem Papa sehnt. Doch wenn sich reales Familiendrama mit Fantasy vermischt, verliert die Geschichte ihren Charme.

Weihnachts-Parallelwelten sind in Kinderfilmen zwar gang und gäbe. Funke-Nichtlesern aber wird es hier schwer gemacht, Julebukks "Backstory" zu kapieren: Sechs von sieben Weihnachtsmännern samt Rentieren wurden vom Weihnachts-Diktator Wichteltod in Eisstatuen, beziehungsweise Salami verwandelt. Wichteltod will nämlich Weihnachten kommerzialisieren. Julebukk dagegen will lieber die echten Wünsche von Kindern erfüllen, statt ihnen teure Geschenke auszuliefern. Das klingt erbaulich, kann aber im Film nicht recht anschaulich gemacht werden - zumal dieser selbst Teil des konsumfreudigen Weihnachtsgeschäfts ist.

Mafiosi aus der Weihnachtsmann-Parallelwelt

Und wenn Wichteltods mafiahafte Dunkelmänner im Städtchen ausschwärmen, wirkt das unangemessen bedrohlich. Oft ist die Inszenierung so holprig wie eine Fahrt mit dem Rentierschlitten. Auch die computeranimierten Kobolde sind alles andere als eine Zierde der Trickfilmzunft. Anrührend wirken stattdessen die kleinen Helden, darunter Mercedes Jadea Diaz, die man als Ylvi in den "Wickie"-Filmen kennt. Die Mini-Engel - Christine Urspruch und Charly Hübner - sind witzige Hingucker.

Der spillerige Alexander Scheer ("Sonnenallee") als Julebukk allerdings könnte genauso gut in der Fußgängerzone herumhängen und "Haste mal ’nen Euro?" fragen. Der luschige Nachwuchs-Weihnachtsmann im Späthippie-Modus ist als Vertrauensperson, zuständig für Zauber aller Art, denkbar ungeeignet. Wäre dies nicht ein Märchen, so würde ein Finsterling wie Wichteltod - der grimmige Volker Lechtenbrink - den Weihnachtsfuzzi glatt zum Frühstück verspeisen.

("Als der Weihnachtsmann vom Himmel fiel2, Kinderfilm, Deutschland 2011, 105 Minuten, FSK: keine Altersbeschränkung, Verleih: Constantin, Regie: Oliver Dieckmann, Darsteller: Alexander Scheer, Noah Kraus, Mercedes Jadea Diaz, Jessica Schwarz, Volker Lechtenbrink u.a.)

Kinostart: 24. November 2011

dapd

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