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Henkel verurteilt geplante Sprengstoffanschläge

07.05.2012 | 17:17 Uhr
Foto: /Polizei

Die Polizei sollte am Rande einer Demonstration am 1. Mai offenbar mit Rohrbomben attackiert werden. Unterschiedliche Einheiten der Einsatzkräfte hätten zwischen Oranien- und Markgrafenstraße während des Aufzugs drei Metallstangen sichergestellt, die mit Sprengstoff gefüllt gewesen seien, sagte am Montag ein Sprecher von Polizeivizepräsidentin Margarete Koppers.

Berlin (dapd-bln). Die Polizei sollte am Rande einer Demonstration am 1. Mai offenbar mit Rohrbomben attackiert werden. Unterschiedliche Einheiten der Einsatzkräfte hätten zwischen Oranien- und Markgrafenstraße während des Aufzugs drei Metallstangen sichergestellt, die mit Sprengstoff gefüllt gewesen seien, sagte am Montag ein Sprecher von Polizeivizepräsidentin Margarete Koppers. Innensenator Frank Henkel (CDU) und Vertreter der Opposition zeigten sich bestürzt und verurteilten die Tat scharf.

An der revolutionären 18-Uhr-Demonstration hatten sich nach Polizeiangaben mehr als 10.000 Menschen beteiligt, der Veranstalter sprach sogar von bis zu 20.000 Teilnehmern. Der Aufzug sollte von Kreuzberg nach Mitte führen. Als es vor dem Jüdischen Museum zu Gewalt kam und Polizisten mit Steinen und Flaschen beworfen wurden, musste der Protestzug vorzeitig aufgelöst werden.

Zuvor hatten bereits Polizeibeamte gegen 20.15 Uhr im Kreuzungsbereich an der Oranienstraße / Ecke Lobeckstraße ein 40 Zentimeter langes, gefülltes Metallrohr mit Lunte gefunden. Innerhalb einer Viertelstunde wurden dann zwei baugleiche Sprengsätze entdeckt. "Die Brisanz ist erst gar nicht erkannt worden, aber wir sind froh, sie gefunden zu haben", sagte der Polizeisprecher. Spezialisten der Kriminaltechnik würden die Sprengvorrichtungen nachbauen, um die Explosionskraft zu überprüfen. Hinweise über die Täter liegen nach Polizeiangaben noch nicht vor. Es sei aber nicht ausgeschlossen, dass an der Wegstrecke weitere Sprengsätze gelegen hätten.

Innensenator Henkel zeigte sich schockiert. "Das sind äußerst beunruhigende Funde", sagte er der Nachrichtenagentur dapd. Die Polizei arbeite nun mit "Hochdruck" an der Aufklärung der Tat. "Sollten sich Befürchtungen bestätigen, dass diese Bomben hochgefährlich waren, dann müssten wir von einer neuen Stufe des Hasses sprechen", sagte der Unionspolitiker.

Ähnlich äußerten sich die Grünen. "Das ist im höchsten Maße erschütternd", sagte der innenpolitische Sprecher, Benedikt Lux, auf dapd-Nachfrage. Selbst wenn es sich bei den Funden um Attrappen handeln sollte, müsse man von einer "neuen Qualität der Gewalt" sprechen. Und auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) verurteilte die Tat: "Dieser feige Anschlagsversuch ist ein schockierendes Alarmsignal dafür, dass politische Straftäter nicht nur schwere Verletzungen, sondern offenbar auch den Tod von unbeteiligten Menschen in Kauf nehmen", sagte der GdP-Bundesvorsitzende Bernhard Witthaut.

Seit 1987 kommt es in Berlin am Rande von Demonstrationen rund um den 1. Mai regelmäßig zu Ausschreitungen. 2012 blieben die großen Straßenschlachten vergangener Jahre weitgehend aus. Allerdings wurden in diesem Jahr am 1. Mai und in der Walpurgisnacht wieder insgesamt 124 Beamte verletzt. Zudem gab es 123 Festnahmen.

Nach einer Einschätzung des Verfassungsschutzes, über die am Wochenende die "Berliner Morgenpost" berichtete, agieren mittlerweile aber vor allem konkurrierende Kleingruppen. Das bestätigte am Montag auch Innenexperte Lux: "Die große militante Masse gibt es nicht mehr", sagte er. Stattdessen verdichte sich die autonome Szene auf kleine, konspirative und äußerst gewaltbereite Kreise.

dapd

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