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Hassfigur Autofahrer? Klare Fronten bei Maischbergers Talk

14.04.2010 | 08:38 Uhr
Hassfigur Autofahrer? Klare Fronten bei Maischbergers Talk

Essen.Wenn Ferrari-Fahrer auf Radler treffen, birgt das Konflikte. Nicht nur im Verkehr, sondern auch im TV-Studio. „Hassfigur Autofahrer: Aggressiv, gefährlich, asozial?“ war die Frage bei Maischberger. Verkehrsminister Peter Ramsauer sieht gegen Raser „kein Kraut gewachsen“.

Mehr als 4000 Menschen sterben pro Jahr im Straßenverkehr. Für einige Grund genug, ein Tempolimit, den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, die regelmäßige Überprüfung der Fahrtauglichkeit oder begleitetes Fahren ab 17 Jahren zu fordern. Andere bezeichnen das Auto schlicht als „Massenvernichtungswaffe“. Wieder andere haben durch Raser auf Autobahnen Familienmitglieder verloren. Jede Menge Zündstoff für die „Menschen bei Maischberger“ zum Thema „Hassfigur Autofahrer: Aggressiv, gefährlich, asozial?“.

Verena Aßmann ist ein bekanntes Opfer von Rasern. Vor sieben Jahren wurden ihre 21-jährige Tochter und ihre zweijährige Enkelin auf der Autobahn von einem Sportwagenfahrer mit Tempo 250 bedrängt. Sie riss das Steuer nach rechts und prallte auf einen Baum. Mutter und Tochter waren sofort tot. Das anschließende „Raser-Urteil von Karlsruhe“ machte Schlagzeilen, schließlich war der Raser ein Testfahrer von Mercedes. Seine Strafe: ein Jahr auf Bewährung und 12 000 Euro Geldbuße.

Verena Aßmann ist noch heute sprachlos über das Urteil. Bei Sandra Maischberger erzählt sie noch einmal, wie sie erst nachmittags vom Tod ihrer Tochter und Enkelin erfuhr, nachdem sie die Nachricht bereits aus dem Radio kannte, wie sie den Testfahrer vor laufenden Kameras gebeten hat sich zu stellen, wie er ihr später beim Prozess sagte, er könne sich vorstellen, wie schwer es sei, ein Kind zu verlieren. „Das kann er sich bestimmt nicht vorstellen“, sagt sie mit gepresster Stimme, blinzelt mit den Augen.

„Vielleicht wäre die Situation damals anders ausgegangen, wenn es ein Tempolimit gegeben hätte“, sagt sie. Doch diese Vermutung prallt an Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer ab.

Tempo-Limits? Haben wir schon

„Dieser Typ hätte sich auch nicht an ein Tempolimit gehalten. Der ist einfach verantwortungslos gefahren“, sagt Ramsauer. Außerdem: Tempolimits gebe es bereits auf 40 000 Kilometern Bundesstraße und auf 10 600 Kilometern Autobahn. Zwei Drittel aller Autobahn-Strecken seien bereits geschwindigkeitsbeschränkt. Das „Raser-Urteil von Karlsruhe“ sei eines, „das auch ich als ungerecht empfinde“, erklärte Ramsauer. Doch: „Gegen jemanden, der so fährt, ist kein Kraut gewachsen.“

Doch was kann dann getan werden, um die Zahl der Unfalltoten zu reduzieren?

Den Benzin-Preis zu erhöhen, wie Bundespräsident Horst Köhler es im März forderte, ist offenbar kein adäquates Mittel. „Trotz erheblicher Erhöhung des Benzinpreises hat sich die Inanspruchnahme von Autos nicht erheblich geändert“, sagt Peter Ramsauer. Ein Statement, das ihm noch aus den Pressekonferenzen im März geläufig sein dürfte. Die Benzinpreis-Erhöhung sei außerdem eine soziale Frage, wirft der ehemalige VW-Manager Klaus Kocks ein: „Das klingt zwar grün, ist aber sozialer Zynismus.“

Überprüfung der Fahrtauglichkeit als Lösung?

Und wie sieht es mit der Überprüfung der Fahrtauglichkeit alle zehn Jahre aus, wie es andere europäische Länder vormachen? Diese Frage wird im TV-Talk zwar nicht beantwortet. Dafür aber lernt der Zuschauer einen gut informierten und moralischen Peter Ramsauer kennen. Die theoretischen Fragen aus den Führerschein-Prüfungen, die Sandra Maischberger allen stellt, beantwortet der Bundesverkehrsminister fast alle korrekt, zeigt sich schilderkundig und betont, wie wichtig verantwortungsbewusstes Handeln im Straßenverkehr sei. Sogar den roten Streifen als Symbol kann er erklären: „Es ist angebracht an Laternen und besagt, dass sie nicht die ganze Zeit leuchten.“ Test bestanden.

Doch zum Thema Fahrtauglichkeit erzählt er lediglich von seiner Mutter, die erst in sehr hohem Alter das Auto stehen ließ: „Meine Mutter hat mit 86 zu mir gesagt: ,Wenn du mich nicht mehr fahren lässt, dann kannst Du mir gleich den Deckel zuklappen.’“ Viel gefährdeter als alte Autofahrer seien vielmehr die 18- bis 24-Jährigen. Deswegen sei begleitetes Fahren ab 17 „der Renner“.

Autoverkehr als „Auslaufmodell“

Den „Deckel zuklappen“ will Jutta Ditfurth auf keinen Fall, nur weil ein Mensch nicht mehr fahrtauglich sei. Erst recht nicht bei ihrer Mutter. „Meine Mutter ist nicht auf ihr Auto fixiert. Aber der öffentliche Nahverkehr lässt es nicht zu, dass sie sich auf andere Weise fortbewegt“, sagt die Ex-Grünen-Politikerin und überzeugte Radfahrerin. Der Bahn- und Personen-Nahverkehr müssten erheblich verbessert werden. Überhaupt sei der Autoverkehr ein „komplettes Auslaufmodell“, sei Freiheitsberaubung für Fußgänger, durch die Abgase krebserregend und durch die Unfälle tödlich.

„Wir globalisieren den Unfall-Tod“, schlägt Klaus Gietinger in dieselbe Kerbe. Er verfasste das Buch „Totalschaden. Das Autohasserbuch“ und bezeichnet das Autofahren als Droge und Seuche. Der Autor verfolgt die „Vision 0“, eine autofreie Welt ohne Unfalltote. „Ich schließe mich der Vision 0 Verkehrstote an“, sagt Peter Ramsauer. Man habe die Zahl jedoch bereits drastisch reduziert: 1970 habe es 21 300 Verkehrstote gegeben, 2009 waren es nur noch 4160 bei der dreifachen Verkehrsintensität. „Wir sind auf einem guten Weg. Aber es sind immer noch 4160 Tote zu viel.“

Phallus-Symbol oder Objekt der Begierde?

Apropros Autohasser – was war denn jetzt mit der Hassfigur Autofahrer? Ex-VW-Manager Klaus Kocks erkennt in dem Auto – ganz klassisch – ein Phallus-Symbol. Jutta Ditfurth wiederum erkennt in Autoliebhabern Männer mit sexuellen Störungen und in Raserinnen Frauen, die nach dem Job beim Autofahren ihren Frust loswerden. Peter Ramsauer ist froh, dass er noch keine Punkte in Flensburg verzeichnen muss.

Und Willi Weber, Formel-1-Manager und Entdecker von Michael Schumacher, schämt sich für seine Punkte und die dazugehörigen Geschwindigkeitsübertretungen. Seine Erklärung: In so einem Ferrari, der in ihm Emotionen auslöse, „da merkt man die Geschwindigkeit gar nicht“. Auch wenn ein Pkw, wie er mehrfach betont, nur „ein Stück Blech“ sei, sei Weber durch und durch Autoliebhaber. Einschränkungen für den Autofahrer bringen ihn zu der Frage: „Wo bleibt die Lebensqualität?“ Zumindest unter den „Menschen bei Maischberger“ steht er damit recht alleine da.

Vera Kämper

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Kommentare
15.07.2010
11:07
Hassfigur Autofahrer? Klare Fronten bei Maischbergers Talk
von autofreie city | #33

Freie Fahrt für freie Bürger. Dieser Slogan aus den 70ern ist in Deutschland leider immer noch aktuell. Speziell im Ruhrgebiet. Rücksichtsvolle Fahrweise unter gleichberechtigten Verkehrsteilnehmern, Fehlanzeige. In Städten wie Münster, Bremen oder Freiburg wird gezeigt wie es besser sein kann. O.g Eigenschaften sind in diesen Städten bei den meisten Autofahrern gegeben. Leider ist es eher so, daß oft Radfahrer den Part des Verkehrsrowdies innehaben. Dies wirkt sich aber nicht so schädlich aus. Eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf Autobahnen ist in jeden Fall sinnvoll. Oder sollten sich alle Verkehrsexperten der Welt, bis auf die Deutschen, irren? Freßt Sche...., Millionen Fliegen können nicht irren.

05.05.2010
10:15
Hassfigur Autofahrer? Klare Fronten bei Maischbergers Talk
von mao | #32

27
Volle Zustimmung.
Weil 21000 Unfalltote viel mehr als 4000 sind, heisst das noch lange nicht, dass 4000 ein guter Wert sind.
PKW sind immer sicherer geworden, aber nicht unbedingt für anderere Verkehrsteilnehmer.
Eine Geschwindigkeitsbeschränkung würde sehr viel helfen, weil eben auch Menschen betroffen sind, die nicht einen Panzer fahren.
Ich denke, dass viele PKW-Fahrer, die mit sehr hoher Geschwindigkeit unterwegs sind, unterschätzen, wie viel schwieriger es ist, mit Tempo 130 den Verkehr gleichzeitig nach vorne (bis zu 50 km/h langsamer) und nach hinten (mehr als 50 km/h schneller) zu beobachten.

19.04.2010
20:56
Hassfigur Autofahrer? Klare Fronten bei Maischbergers Talk
von drmccoy | #31

Heute gleich zweimal im Stadtverkehr in essen.

Ich fahre mit meinem Motorroller von Holsterhausen nach Frillendorf. An der Moltkestraße dann ein PKW-Fahrer der mir die Vorfahrt an der Ampel nimmt und mich zu einer Vollbremsung nötigt.

Dann in Frillendorf in einer Wohnsiedlung.
Ich fahre mit 30km die Straße entlang, hinter mir schon der erste junge Fahrer der da am drängeln ist. Ich biege in die nächste Straße ein der Fahrer überholt mich mit fast 60 bremst mich gefährlich vor der nächsten Straßenecke aus, ich hupe und er zeigt mir den Stinkefinger.

Sorry aber mir reicht es langsam, jeden Tag die gleichen I.... im Straßenverkehr die keine Regeln mehr kennen. Die Polizei sollte häufiger in zivil kontrollieren und solche Fahrer sofort aus dem Verkehr ziehen.

14.04.2010
11:34
Hassfigur Autofahrer? Klare Fronten bei Maischbergers Talk
von vantast | #30

Wer sich in solch eine Blechbüchse setzt, muß damit rechnen, daß er durch eigenen Fehler oder den Fehler anderer Menschen verletzt, tötet. Es ist eine Frage an die Gesellschaft, ob sie das Risiko akzeptiert oder nicht. Überall wird das Risiko herzlich gern akzeptiert. Würde dieselbe Todeszahl bei Kraftwerken auftreten, würden alle geschlossen werden. Oder nicht, sind uns die Opfer egal? Sie sind es, fürs Auto tun wir alles, es ist das Goldene, tötliche Kalb, um das wir tanzen. Kennzeichnend, daß sogar der Richter Benzin im Kopf hatte.

14.04.2010
11:17
Hassfigur Autofahrer? Klare Fronten bei Maischbergers Talk
von René Fleischer | #29

#16 von So isses

Wie kommen Sie zu dieser Frage? Sie erwecken den Eindruck, als hätte jemand das Unglück oder den Tod gebilligt.

Anders gefragt: Wieso stellt sich die Frage nicht bei einem auf einem Bahnübergang liegen gebliebenem Fahrzeug?

Oder für alle jene, die die Sendung gesehen haben: Wieso fühlt sich eine gewisse Frau Ditfurth gar nicht in ihrer fußgängerischen Bewegungsfreiheit beeinträchtigt, wenn ihr beim freiheitlichen Überqueren öffentlicher Wege eine Straßenbahn oder die Bahn in die Quere kommt.

Dem Schienenverkehr ist es übrigens nicht auferlegt, innerhalb der halben bzw. ganzen Sichtweite anhalten zu können — sei es durch die freie Fläche oder im urbanen Raum.

14.04.2010
11:07
Hassfigur Autofahrer? Klare Fronten bei Maischbergers Talk
von Schwafheimer | #28

Genau schlaufix, auch wenn man ein Stück weiterfährt nach Spanien, auch dort klappt es besser als bei uns. Die Leute halten sich an das Rechtsfahrgebot, es gibt zwar ein Tempolimit, aber alle kommen irgendwie besser vorwärts als bei uns. Und ich bin öfter kreuz und quer durch Spanien gefahren.


Auch sind unsere Bußgelder für Rasen im eurpäischen Vergleich die niedrigsten. Ist doch kein Wunder dass sich so viele nicht dran halten.

Man kann bei uns auf der Autobahn immer mit Tempomat fahren. Erlaubte Geschwindigkeit + 25 km/h. Nach Abzug der Toleranz ist man immer zwischen um die 20-22 km/h zu schnell. Keine Punkte, nur ein lächerliches Bußgeld, ausgenommen Wiederholungstäter.

In jungen Jahren gehörte ich auch zu den Tieffliegern auf der A40 und A42. Ich habe es ohne Punkte und ohne Bußgelder irgendwann eingesehen und fahre jetzt die erlaubte Geschwindgkeit, werde ständig angedrängelt aber das juckt mich heute gar nicht mehr.

14.04.2010
10:58
Hassfigur Autofahrer? Klare Fronten bei Maischbergers Talk
von jora72 | #27

härtere strafen würde ich absolut befürworten. bei geschwindigkeitsübertretungen von z.b.über 40km/h auf der autobahn mit verkehrsgefährdung könnte der lappen ruhig schon mal 1 jahr abgenommen werden. auch drängler müssten wesentlich härter bestraft werden. auf der anderen seite sollten aber auch nur menschen am autoverkehr teilnehmen die dazu in der lage sind. wenn ich ältere mitbürger sehe die auf zwei krücken angewiesen sind und einen äußerst unfiten eindruck machen, sich dann aber hinters steuer setzen - da bezweifel ich mal ganz stark dass die körperliche fitness für schnelle reaktionen ausreicht. auch bekomme ich die pimpanelle wenn leute mit 50km/h auf die autobahn auffahren - hochgefährlich! natürlich kommt es auf ein gescheites miteinander im strassenverkehr an - doch sowohl raser als auch schleicher sollten ihr fahrverhalten mal überdenken.

14.04.2010
10:56
Hassfigur Autofahrer? Klare Fronten bei Maischbergers Talk
von TheRealThomasS | #26

Es stellt sich bei der Sendung wie bei dem Kommentar die Frage: Was soll das?

Der Verkehrsminister hat eine recht gute Figur abgegeben, aber mit wem aus der Runde sollte er vernünftig diskutieren können?

Der Typ mit dem Hut hat sich zu Beginn durch seine Behauptung diqualifiziert, dass das Verkehrsrecht die Erfindung von Adolf Nazi sei.

Die adipöse Ditfurth ist in der 68er Kommune stehengeblieben.

Der VW-Mensch hat gezeigt, dass Dr.-Titel keine Garantie für vorhandenes intellektuelles Potential ist.

Aber noch schlimmer war, die immer noch trauernde Mutter in diese Diskussionsrunde zu holen und aus dem Einzelschicksal eine Tempolimitfrage zu machen. Das war pietätlos.

Prädikat: Verschwendete Sendezeit.

14.04.2010
10:24
Hassfigur Autofahrer? Klare Fronten bei Maischbergers Talk
von schlaufix | #25

Ich fahre gerne Auto, in den Niederlanden, Belgien, Italien, der Schweiz, Frankreich ... mit der Maximalgeschwindigkeit komme ich dort viel schneller und Stressfreier ans Ziel als im Schröderschen Autoland Deutschland ...

14.04.2010
10:12
Hassfigur Autofahrer? Klare Fronten bei Maischbergers Talk
von wattsolldattdenn | #24

Wer z.B.in einer Baustelle bei Tempo 60 mehr als 100 fährt,der gehört für sehr lange Zeit als Fußgänger auf die Straße.
Diese Rüpel kann man jeden morgen auf der A40 und A42 sehen.
Wer sich in diesem Land an die Geschwindigkeitsbegrenzung hält,der zieht die Arschkarte.
Aber die Straße ist ein Spiegelbild der Gesellschaft.
Daheim und auf der Maloche nichts zu bestellen,dann legen wir doch mal auf der Autobahn unser Hirn tiefer....

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