Harald Ehlert ist der Sozialarbeiter im Maserati
19.02.2010 | 20:14 Uhr 2010-02-19T20:14:00+0100
Berlin.Harald Ehlert sieht nicht aus, wie ein Sozialarbeiter normalerweise aussieht. Der Chef der „Treberhilfe Berlin” liebt teure Borsalinos, feines Tuch, elegante Schuhe und Schals aus Seide. Daran haben sich die Berliner mittlerweile gewöhnt. Jetzt aber ist Ehlert in die Kritik geraten. Weil er sich einen Maserati als Dienstwagen hält. Verstehen kann er diese Kritik nicht.
Der Mann ist immer unterwegs. Wöchentlich „rund tausend Kilometer die Woche”, sagt Ehlert. Und immer ist was zu tun. Schließlich ist die „Treberhilfe Berlin”, längst nicht mehr die Klitsche im Stadtteil Schöneberg, die vor 20 Jahren damit begann, sich um Menschen am Rande der Gesellschaft kümmert. Getrennt ist sie in einen Verein und eine gemeinnützige GmbH. Ein mittelständisches Unternehmen ist daraus geworden – mit knapp 30 Einrichtungen für gestrandete Jugendliche oder Obdachlose, über 200 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 15 Millionen Euro. „Wir sind”, sagt Ehlert, kein kleiner Verein mehr.”
Deswegen fährt er auch kein kleines Auto mehr, sondern ein großes. Manchmal lässt er sich auch darin fahren. Weil er dann arbeiten kann auf der Rückbank. Das geht offenbar ganz gut in einem Maserati Quattroporte. 430-PS stark, 280 Stundenkilometer schnell und 114 320 Euro teuer ist das Auto. So viel will die „Treberhilfe” aber nicht bezahlt haben. Ehlert spricht von einer „sehr günstigen Finanzierung”, nennt aber keinen genauen Betrag.
Selbst ernannter „Sozialkapitalist“
Lange hat sich auch niemand aufgeregt, über den bereits 2007 angeschafften Luxus-Dienstwagen. Weil die Treberhilfe ja eigentlich gute Arbeit leistet. Und weil der Ehlert halt so ist. „Sozialkapitalist“ nennt er sich selbst. Wahrscheinlich wäre es auch ruhig geblieben, wäre der Sportwagen nicht im vergangenen Sommer in eine Radarfalle geraten. 26 Kilometer zu schnell. Macht 80 Euro und drei Punkte. Ärgerlich, aber keine große Sache. Die „Treberhilfe” weigerte sich allerdings, den Fahrer zu nennen. Deshalb soll Ehlert künftig Fahrtenbuch führen. Dagegen hat er geklagt – und den Maserati ungewollt in die Schlagzeilen gebracht.
„Muss das sein?”, lautet die Frage die dem 47-Jährigen in den vergangenen Tagen immer wieder gestellt wird. „So ein Auto?“ Meistens nickt er auf diese Frage und spricht davon, dass der Wagen „angemessen” sei. Er kann das auch erklären. Spätestens seit die „Treberhilfe“ auch Bauprojekte anstoße, habe ereinen „repräsentatives Auto” gebraucht.” Weil er doch jetzt ganz viel mit Investoren zu tun habe. Und da herrsche die „Logik des großen Autos”. „Die verstehen das nicht, wenn ich mit einem hübschen Kleinwagen komme.”
„Kein geeignetes Dienstfahrzeug“
Und überhaupt: Warum darf einer, der Hunderte Eigentumswohnungen besitzt, mit seinem Ferrari über den Ku’damm donnern, aber einer, der 10000 Leute aus Hartz IV geholt hat, nicht?, fragt sich Ehlert. Zumal die Luxuskarosse nicht aus Spendengeldern angeschafft wurde. „Spenden bekommt der Verein.“
Aber da ist ja noch die gemeinnützige GmbH. Die erhält Steuergelder, macht aber auch Gewinn, ganz im Sinne von Ehlert. „Social Profit” ist eine seiner Lieblingsvokabeln. Das sei das, was durch die Erfolge von Sozialarbeit an öffentlichen Mitteln eingespart werde, erklärt er gerne. Und dass man von diesen Einsparungen viele Maseratis kaufen könne.
Die Diakonie in Berlin, zu der die „Treberhilfe” gehört, hat sich dennoch ausdrücklich von Ehlert distanziert. Ein Maserati sei „kein geeignetes Dienstfahrzeug” und die Anschaffung eines solchen Autos „ethisch verwerflich”, sagt eine Sprecherin. „Herr Ehlert glaubt, er braucht das Auto, wir sehen das anders.” Selbst wenn sich die Einschätzung der Diakonie durchsetzt, muss sich Ehlert nur geringfügig umstellen.
Privat fährt er Jaguar.
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