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Guttenberg

Guttenberg bittet Uni um Aberkennung von Doktorarbeit

21.02.2011 | 21:35 Uhr
Guttenberg bittet Uni um Aberkennung von Doktorarbeit

Kelkheim.   Verteidigungsminister Guttenberg hat die Universität Bayreuth gebeten, seinen Doktortitel abzuerkennen. Das hat ein Uni-Sprecher am Montagabend bestätigt. Guttenberg hatte zuvor angekündigt, dauerhaft auf den Titell zu verzichten.

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) will nach den gegen ihn gerichteten Plagiatsvorwürfen nun ganz auf seinen Doktortitel verzichten. Guttenberg leitete der Universität Bayreuth am Montagabend einen Brief zu, in dem er um die Rücknahme des Titels bat, wie Uni-Sprecher Frank Schmälzle der Nachrichtenagentur AFP auf Anfrage sagte. Zur Begründung führte der Minister laut Schmälzle aus, dass er bei nochmaliger Durchsicht seiner Dissertation "gravierende handwerkliche Fehler festgestellt" habe, die "nicht mit wissenschaftlichem Arbeiten zu vereinbaren sind".

Laut Schmälzle wird sich die Promotionskommission der Uni nun noch am Dienstag mit Guttenbergs Bitte befassen und die nötigen Schritte für die Aberkennung des Titels einleiten. Nach wie vor sei nach der Promotionsordnung ein ordentliches Verfahren zur Prüfung der Dissertation nötig, daran ändere auch die Bitte Guttenbergs nicht. "Mit dem Statement des Ministers ist es aber einfacher geworden." Eine Entscheidung sei am Dienstag dennoch noch nicht zu erwarten. Auch müsse noch die ebenfalls mit dem Fall befasste Kommission zur Selbstkontrolle in der Wissenschaft über Guttenbergs Arbeit beraten. Die Universität kündigte für Dienstag, 14.30 Uhr, eine Pressekonferenz an.

CSU-Landesgruppenchef Hans-Peter Friedrich erklärte am Montagabend in Berlin, Guttenberg brauche keinen Doktortitel, um sein Amt auszuüben. "Er weiß, dass die Soldaten und die Bevölkerung ihm vertrauen und er dafür auch keine akademischen Titel benötigt", sagte Friedrich. "Billige Polemik und Hetze sind das Geschäft der Opposition - zu Guttenberg nimmt dagegen seine Pflicht und Verantwortung als Verteidigungsminister wahr."

Befreiungsschlag auf CDU-Veranstaltung

Die Fälscher

Der wegen Plagiatsvorwürfen massiv unter Druck stehende Bundesverteidigungsminister hatte am Montagabend auf einer CDU-Veranstaltung im hessischen Kelkheim angekündigt, auf seine Doktor-Grad dauerhaft verzichten zu wollen. Zugleich räumte er ein, beim Abfassen der Arbeit nicht immer den wissenschaftlichen Regeln konform gearbeitet zu haben. „Ich habe mich am Wochenende nochmals mit meiner Doktorarbeit beschäftigt, und es war richtig, dass ich gesagt habe, dass ich den Doktortitel nicht mehr führen werde“, sagte Guttenberg. Am Freitag noch hatte er angekündigt, den Titel vorübergehend nicht mehr führen zu wollen, bis die Universität Bayreuth die Plagiatsvorwürfe geprüft habe. Diese Einschränkung machte er am Montag nicht mehr. „Die Entscheidung, den Doktortitel nicht zu führen, schmerzt“, sagte er.

Guttenberg räumte erneut Fehler ein: „Ich habe Fehler gemacht, ich habe sie nicht bewusst gemacht.“ Zugleich entschuldigte er sich bei jenen, die er mit seiner Arbeit verletzt habe. Er wolle mit seiner Entscheidung auch dazu beitragen, dass sein ehemaliger Doktorvater und seine frühere Universität keinen Schaden nähmen. Er wies erneut die Vermutung zurück, die Arbeit nicht selbst geschrieben zu haben. „Ich habe diese Arbeit selbst geschrieben. Ich stehe dazu, aber ich stehe auch zu dem Blödsinn, den ich geschrieben habe.“ Zuvor hatten sich in Berlin noch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und andere Spitzenpolitiker der Union demonstrativ hinter den Minister gestellt. Guttenberg selbst hatte am Wochenende Forderungen nach einem Rücktritt als Unsinn abgetan.

„Hier oben steht das Original und kein Plagiat“

Umringt und auch umjubelt: Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg am Montag in Kelkheim bei Frankfurt/Main. (Foto: dapd)

In Berlin wurde unterdessen bekannt, dass Guttenberg offenbar auch zwei Expertisen des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags weitgehend wörtlich abgeschrieben hat. „Focus Online“ berichtete am Montagabend, Guttenberg habe eine Ausarbeitung der Wissenschaftlichen Dienste vom 25. Oktober 2005 weitgehend kopiert. Das Gutachten trage den Titel: „Die Rolle der USA im europäischen Einigungsprozess bis zum Ende des Ost-West-Konflikts“. Guttenberg habe auf den Seiten 199 bis 214 seiner Dissertation die Sätze des Wissenschaftlers bis auf marginale Änderungen wörtlich übernommen.

Neben Plagiatsvorwürfen muss sich Guttenberg auch mit Vorwürfen auseinandersetzen, er hätte seinen Lebenslauf geschönt . Nach Recherchen der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeiten soll er auf seiner Internet-Seite berufliche Stationen und Tätigkeiten offenbar erfunden bzw. stark übertrieben haben.

Video
Soll Verteidigungsminister zu Guttenberg wegen der Plagiatsaffäre zurücktreten? Stimmen aus Bochum und Duisburg

Guttenberg versuchte in Kelkheim vor gut 900 Anhängern der CDU gute Miene zu machen und die Geschehnisse mit Humor vom Tisch zu wischen: „Hier oben steht das Original und kein Plagiat“, sagte der 39-jährige auf dem Podium unter tosendem Beifall. Er sei „nicht als Selbstverteidigungsminister gekommen“, sagte Guttenberg - wenige Minuten bevor er sich dann öffentlich entschuldigte. Bei seiner Rede keilte er auch gegen die deutschen Medien, insbesondere die Hauptstadtpresse aus. Sie habe in den zurückliegenden Tagen eine Hetze gegen ihn veranstaltet. Mit Blick auf die Kritik, dass er vor Weihnachten gemeinsam mit seiner Frau Frontsoldaten besucht habe, sagte er: „Ich werde das wieder tun vor Weihnachten. Ich sage das auch, damit schon jetzt jeder, der einen Kommentar schreiben will, damit anfangen kann.“

Guttenberg schließt Rücktritt aus

Rücktrittsforderungen wies der Verteidigungsminister allerdings zurück. Er werde sich wieder seiner politischen Funktion zuwenden. Unter stürmischem Beifall seiner Parteifreunde fügte er hinzu: "Ich werde mein Amt mit aller Kraft ausüben." Unterstützung erhielt Guttenberg von Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU). Der Verteidigungsminister gehöre zu Deutschlands herausragenden Politikern, sagte er. "Und wir wollen, dass das so bleibt."

Bundeskanzlerin Merkel hatte am Montag erstmals angedeutet, dass sie an dem Minister auch dann festhalten würde, wenn ihm der Doktortitel aberkannt würde. Für sie sei allein seine Arbeit als Minister entscheidend, und die mache er hervorragend. Sie habe ihn nicht als wissenschaftlichen Assistenten oder Inhaber eines Doktortitels berufen. Auch CSU-Chef Horst Seehofer stellte sich neuerlich hinter seinen Parteikollegen. Dagegen hieß es in der SPD, angesichts erdrückender Plagiat-Beweise werde mit dem Rücktritt gerechnet. Die Internet-Datenbank GuttenPlag listet inzwischen über 360 Fundstellen aus Guttenbergs Doktorarbeit auf, die nicht korrekt zitiert worden sein sollen. Auf insgesamt 271 der 475 Seiten der Dissertation seien Plagiate entdeckt worden, erklärten die Autoren der Datenbank. (rtr/dapd)

Unehrliche Politiker

Lesen Sie dazu den Kommentar von Dirk Hautkapp.

 

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Kommentare
22.02.2011
19:40
Guttenberg verzichtet dauerhaft auf seinen Doktortitel
von Vanagas | #78

Abstrus , abstruse Vorwürfe !

22.02.2011
17:15
Guttenberg verzichtet dauerhaft auf seinen Doktortitel
von Linker-Genosse | #77

@ rotezhora , am 22.02.2011 um 16:16

Durch ihre Untätigkeit in der Sache beweist Merkel ihre eigentliche Unfähigkeit.

22.02.2011
16:16
Guttenberg verzichtet dauerhaft auf seinen Doktortitel
von rotezhora | #76

Herr Guttenberg versucht sich durchzuschleimen, und es wird von Tag zu Tag immer peinlicher ! Frau Merkel sollte diesen Felix Krull umgehend aus dem Verkehr ziehenwill sie nicht, dass ihre Handlungsfähigkeit in Zweifel gezogen wird !

22.02.2011
15:49
Guttenberg verzichtet dauerhaft auf seinen Doktortitel
von Tacko1 | #75

Die Nummer die der Hr. G. da abzieht ist mehr als bitterlich beschämend.
Das ein Kanzlerin solcher Type auch noch den Rücken stärkt muss man dann schon als widerliches, unterstes Niveau bezeichen - sorry, was anderes fällt mir da leider, leider nicht zu ein.

22.02.2011
15:16
Guttenberg verzichtet dauerhaft auf seinen Doktortitel
von Linker-Genosse | #74

@ wattearvolt , am 22.02.2011 um 11:01

Ich hatte es in der ARD gesehen und heute nochmals auf Phönix. Das muss man einfach gesehen haben. Ich hoffe dass der WDR den Film ins Netz stellen wird.

22.02.2011
12:05
Guttenberg verzichtet dauerhaft auf seinen Doktortitel
von dihorst | #73

Das ist gute Katholische Tradition : Man tut Buße und gesteht seinen Sünden ein - und statt ein paar Ave Marias gibt man den Titel zurück. Ändern muss man da nichts - Hauptsache Absolution durch die Bewunderer...

22.02.2011
11:10
Guttenberg verzichtet dauerhaft auf seinen Doktortitel
von B.Schmitz | #72

Er bittet darum, dass ihm der Doktor-Titel aberkannt wird. Er hat gar nicht darum zu bitten.
Der Doktor-Titel muss ihm aberkannt werden.
Merkels Kommentar ist lachhaft. Aber sie muss ihm ja den Rücken stärken. Deutschland hat ja eine Chemikerin zur Kanzlerin und ebenfalls mit einem Doktortitel aus vergangenen Zeiten.
Jeder normale Bürger würde hart bestraft werden; aber Politiker die belügen und betrügen nicht. Sie dürfen weiter lügen und betrügen.
Die Politiker hätten alle eine Nase wie Pinoccio wenn nicht sogar noch länger vor lauter Lügen.

22.02.2011
11:01
Guttenberg verzichtet dauerhaft auf seinen Doktortitel
von wattearvolt | #71

#70 von Linker-Genosse , am 22.02.2011 um 09:56

Habe gerade auf WDR2 den Kommentar von Volker Pispers zu diesem Thema gehört. Vom Allerfeinsten !! Gibts auch irgendwann als Podcast, damit auch die Pro-Guttis auch noch mal richtig lachen können.

22.02.2011
09:56
Guttenberg verzichtet dauerhaft auf seinen Doktortitel
von Linker-Genosse | #70

Wie will der Mister Copy, Show-Man und Bild-Repräsentant denn noch als Verteidigungsminister gegenüber seinen ihm anvertrauten Soldaten ein Vorbild sein?

Da sich jetzt auch die Staatsanwaltschaft hierum kümmern wird und es hierbei auch um das tragen eines nicht berechtigten Titels gehen wird, sehe ich die Tage des KTG gezählt.

Im übrigen hatte er bei seinem Auftritt geäußert dass er sich um Afghanistan kümmern muss. Dies ist nur bedingt richtig, da seine Arbeit im Verteidigungsamt von einem Tross an Mitarbeitern erledigt wird. Das Amt wäre allerdings überflüssig wenn nur KTG als Selbstdarsteller für dieses Amt tätig wäre.
Eine weitere Lüge kommt auch hier hinzu, denn wie sich nun herausstellt hat er das Wochenende wohl dazu genutzt, seine Diss (wohl zum ersten Mal) zu lesen. Wenn sein Amt wegen des Krieges von so hoher Wichtigkeit ist, ist es also fraglich ob er sich auch tatsächlich für dieses Amt fehement einsetzt. Danach sieht es nicht aus.
Das was KTG von sich gibt ist alles nur heiße Luft. Er ist der Blender der Nation.

Sein Bruder hat auf der aachener Ordensverleihung einige Spitzen auf ihn losgelassen, die auch als kleine Abrechnung gegen KT zu verstehen waren. Auch wenn es sich um eine karnevalistische Laudatio handelte, die Handlungen seines kleinen Bruders sprachen Bände.

22.02.2011
09:46
Guttenberg verzichtet dauerhaft auf seinen Doktortitel
von zauberlehrer | #69

Andere maßregeln ( über die Klinge springen lassen )
und sich selber als unfehlbar hinstellen ! Könnte glatt eine Episode a la Münchhausen sein . Die Weltgeschichte hat schon viele GUTSHERREN gehabt !!

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