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Gutes Design lässt sich heben, riechen und anfassen

12.02.2012 | 15:14 Uhr
Gutes Design lässt sich heben, riechen und anfassen (dapd)
Gutes Design lässt sich heben, riechen und anfassen (dapd)

Designstudent Hans Krauße fordert Besucher auf, ihre Hand auf die massige Betonscheibe vor ihm zu legen. Auf der Konsumgütermesse Ambiente, die noch bis Dienstag in Frankfurt am Main geöffnet ist, sucht der 27-jährige Hochschüler in Halle 4 einen Hersteller für seinen Küchentisch.

Frankfurt/Main (dapd-hes). Designstudent Hans Krauße fordert Besucher auf, ihre Hand auf die massige Betonscheibe vor ihm zu legen. Auf der Konsumgütermesse Ambiente, die noch bis Dienstag in Frankfurt am Main geöffnet ist, sucht der 27-jährige Hochschüler in Halle 4 einen Hersteller für seinen Küchentisch. Der Student hat Besuch vom Karlsruher Professor für Produktdesign, Hansjerg Maier-Aichen, der neugierig Hand an den Beton legt.

"Die Wahrnehmung beim Anfassen, die Haptik, ist bei einem Gebrauchsgut wesentlich", sagt Maier-Aichen und gibt Kraußes Tisch die Bestnote. Käufer eines Produkts hätten of Angst, sich mit dem Stück zu blamieren, wenn es erst mal in der Wohnung steht, berichtet der Hochschullehrer. "Sie trauen sich nicht zu, anständiges Design zu erkennen."

Aber wohin der Trend auch immer gehe, die Kriterien für gute Formgestaltung seien dabei stets die gleichen. "Funktionalität, Materialien, Oberflächen und oft auch das Gewicht geben Auskunft", erklärt Maier-Aichen. Diese Kriterien seien eigentlich leicht zu beurteilen.

"Und natürlich ist weniger fast immer mehr", sagt Maier-Aichen. Gutes Design "entschnörkele" und folge dem alten Leitsatz: "Form follows function. Der Inhalt bestimmt die Form." Nicht umsonst hat sich Krauße, der an der Offenbacher Hochschule für Gestaltung im siebten Semester eingeschrieben ist, bei seiner massiven Küchenplatte für eine runde Form mit einem Durchmesser von über einem Meter entschieden. "Wer gern gemeinsam Speisen zubereitet, trifft sich an dem Tisch und werkelt gesellig", sagt Krauße.

Gleichzeitig hofft der 27-Jährige, auch einen Trend aufzugreifen. "Schließlich kochen die Leute im Fernsehen ja fast nur noch im Rudel, und an meinem Produkt hätten die alle Platz." Den Beton seines Tischs hat Krauße mit Gesteinspigmenten schwarzgrau eingefärbt. "In der Anmutung wie Basalt. Aber nicht so teuer wie Naturstein."

In einer großen Mulde zerquetscht der Student großzügig Pinienkerne und Hartkäse. "Man könnte auch mit beiden Händen einen Salat wenden", erläutert Krauße weitere Eigenschaften seines Prototypen für Kochfreunde.

Für Maier-Aichen ist Kraußes Tisch ein Musterexemplar für gutes Design. "Das Produkt greift einen Trend auf und erfüllt viele Funktionen. Und als Form ist alles vereint in einem schweren Rundling." Weniger ist mehr. "Steht das Ding mal im Laden, kann daran eigentlich jeder die Kriterien ordentlicher Formgestaltung überprüfen und ertasten", erklärt der Karlsruher Professor.

Im Bereich "Dining" der Ambiente konkurriert Student Krauße nicht nur mit etablierten europäischen Herstellern, sondern auch mit Anbietern aus Fernost. "Jahrzehntelang haben Chinesen viel Design kopiert", sagt Maier-Aichen. "Nach der plötzlichen Öffnung ihres Landes mussten sie von heute auf morgen für den europäischen Markt produzieren, ohne Nachahmungen ging das gar nicht."

Inzwischen seien Unternehmen aus China immer häufiger mit eigenen Entwicklungen auf der Ambiente zu sehen. "Dabei kombinieren sie erfolgreich europäische und eigene Traditionen."

Das Hongkonger Unternehmen Jia etwa präsentiert auf seinem Stand einen Dampfgar-Topf mit einem Korb aus asiatischem Zedernholz und einem Terrakottaboden. Das Produkt sei auch in seiner Heimat erfolgreich, sagt Jia-Manager Jiu Condi. Ein Berliner Geschäft biete inzwischen das nach uralter Methode arbeitende Gerät für 90 Euro an. Maier-Aichen prüft die Ware. "Heben, riechen, anfassen", sagt der Professor. "So einfach prüft man gutes Design."

dapd

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