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Gute Geschäfte mit den Kassenpatienten

08.12.2010 | 18:47 Uhr
Gute Geschäfte mit den Kassenpatienten
Foto: : Jakob Studnar -

Essen.Die Kassenärzte verdienen immer mehr Geld mit Leistungen, die ihre Patienten selbst zahlen müssen. Laut ei­ner Studie des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (Wido) kassieren die Ärzte 1,5 Milliarden Euro mit diesen individuellen Gesundheitsleistungen (Igel). Damit haben sie ih­ren Umsatz seit der letzten Studie 2008 um die Hälfte gesteigert.

Die AOK-Experten kritisieren, viele Ärzte würden „zu­nehmend kaufmännisch auftreten“, wie Studienleiter Klaus Zok der WAZ sagte. Das sieht er dadurch belegt, dass Patienten mit Nettoeinkünften über 3000 Euro mehr als doppelt so häufig freiwillige Leistungen angeboten werden als Geringverdienern.

Viele der Früherkennungstests, die von der Kasse nicht bezahlt werden, sind auch un­ter Ärzten umstritten. Die meiste Kritik trifft ausgerechnet die größten Umsatzbringer: Ultraschall zur Früherkennung von Eierstock- und Ge­bärmutterhalskrebs für 30 bis 50 Euro, die Augendruckmessung zur Erkennung von Grünem Star (20 bis 50 Euro) und den Prostatakrebs-Bluttest (20 bis 30 Euro). Sie könnten im Einzelfall sinnvoll sein, so Zok, seien aber oft fehlerhaft. So stellten sich viele positive Befunde als Fehlalarm heraus, der zu unnötigen Be­handlungen führe.

„Für manche Fachärzte sind Igel-Leistungen sehr wichtig, weil die Quartalspauschalen, die sie pro Patient erhalten, nicht einmal den Erstkontakt abdecken“, sagt Bernd Zimmer, Vizechef der Ärztekammer Nordrhein. Er sieht dabei die Ärzte auch „in der Haftungsfalle“. So seien Urologen dafür verurteilt worden, dass sie einen Prostatakrebs-Test nicht angeboten haben.

Die Frage, wie Igel-Leistungen dem Wohle des Patienten dienen und ab wann sie zum Zusatzgeschäft werden, beschäftigt auch die Ärztekammer. „Der Arzt muss den Patienten sachlich über alle Möglichkeiten aufklären, er darf ihm aber keine Angst machen“, sagt Zimmer.

Tatsächlich werden Ärzten zahlreiche Weiterbildungen angeboten, zwecks „systematischer Umsatzsteigerung“, wie ein An­bieter wirbt. Ärzte sollten „die Praxis als Unternehmen und Patienten als Kunden erkennen“. Ein Mitbewerber gibt „Tipps und Tricks rund um den Verkauf von Igel-Leistungen“.

Stefan Schulte

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