Das aktuelle Wetter NRW 15°C
Griechenland

Griechen holpern in Richtung Sparmaßnahmen

08.02.2012 | 12:03 Uhr
Griechen holpern in Richtung Sparmaßnahmen
Griechenland-Gläubiger akzeptieren Schnitt über mehr als 70 Prozent (dapd)

Arhen  Absicht? Unvermögen? Chaos? Die Verhandlungen der führenden Parteien in Athen über die von der EU geforderten Staats-Reformen und Etatkürzungen gestalten sich extrem schleppend. Unterdessen zeigen erste Berechnungen, dass der Schuldenschnitt für das Pleiteland teuer wird für den deutschen Steuerzahler

Die Gespräche der führenden Parteien in Griechenland über die Bedingungen für das neue 130-Milliarden-Euro schwere Rettungspaket sollen am Mittwochvormittag fortgesetzt werden. Wie aus Regierungskreisen verlautete, werde Regierungschef Lukas Papademos die Vertreter der großen Parteien ab 11.30 Uhr (MEZ) in Athen treffen. Besprochen werden soll dann ein mit EU und IWF abgestimmter Entwurf für weitere Reformen , hieß es in den Kreisen weiter. Die meisten Punkte seien bereits geklärt. Die Politiker sollen bei dem Treffen die Möglichkeit haben, sich bei einzelnen fiskalischen Maßnahmen für konkrete Optionen zu entscheiden. Es geht um den Abbau tausender Jobs in der Verwaltung, Gehaltskürzungen bei Staatsangestellte, den Umbau der Finanzbehörden.

Verstrichene Fristen, verspätete Unterlagen

Eigentlich sollte das Treffen bereits am Dienstagabend stattfinden. Es wurde aber überraschend verschoben, weil wichtige Unterlagen nach Angaben von Teilnehmern nicht rechtzeitig vorlagen. Die Verhandlungen über die Bedingungen des neuen Rettungspaket gestalten sich äußert holprig. Treffen wurden mehrfach verschoben, Fristen sind verstrichen. In Kreisen der Euro-Zone hieß es, das Gesamtpaket müsse auf jeden Fall vor dem 15. Februar unter Dach und Fach sein, sonst droht dem hoch verschuldeten Land die Staatspleite.

Video
Athen, 07.02.12: In Griechenland hat ein Generalstreik aus Protest gegen die Sparauflagen am Dienstag das öffentliche Leben weitgehend zum Stillstand gebracht. Betroffen waren unter anderem Verkehrsbetriebe, Krankenhäuser, Schulen und Banken.

Unterdessen gingen auch die Verhandlungen zwischen griechischen Vertretern und privaten Gläubigern über einen Schuldenschnitt weiter. Nach einem Treffen am Dienstagabend sagte ein Sprecher der Gläubigerseite, die Gespräche verliefen "konstruktiv." Details wurden nicht bekannt. Teilgenommen hatten der griechische Ministerpräsident und Finanzminister sowie auf Gläubigerseite Vertreter des Internationalen Bankenverbands IIF. Zu ihnen zählten Geschäftsführer Charles Dallara und der Vorsitzende des Verbandes, der scheidende Deutsche-Bank -Chef Josef Ackermann. Athen verhandelt seit Monaten mit Vertretern der Troika aus Europäischer Union, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) über die Bedingungen für ein zweites Hilfspaket im Umfang von mindestens 130 Milliarden Euro. Daneben spricht Athen mit den privaten Gläubigern über einen Schuldenschnitt, der das Land um rund hundert Milliarden Euro entlasten soll. Die Zeit drängt auch deshalb, weil das mit 350 Milliarden Euro verschuldete Land am 20. März mehr als 14 Milliarden Euro an Staatsanleihen zurückzahlen muss, andernfalls droht die Pleite.

Schuldenschnitt wird offenbar teuer für die Steuerzahler

Video
Paris, 06.02.12: Kanzlerin Merkel und Frankreichs Präsident Sarkozy haben die Regierungskonsultationen am Montag genutzt, um eine deutliche Warnung an Griechenland zu formulieren. Ohne Einigung mit der Troika werde es keine weiteren Gelder geben.

Die geplante Beteiligung von Banken und Versicherungen an der Rettung Griechenlands bleibt offenbar zu einem großen Teil am Steuerzahler hängen. Formal soll der im Herbst vereinbarte Forderungsverzicht staatliche Geldgeber zwar nicht treffen. Nach Berechnungen des Kieler Instituts für Wirtschaftsforschung (IfW) und der Zeitung "Die Welt" könnten jedoch Belastungen von mehr als 25 Milliarden Euro allein bei deutschen Steuerzahlern landen. Ein Verzicht auf einen Teil der staatlichen Hilfskredite für Griechenland, der nach Informationen der Zeitung ebenfalls diskutiert werde, würde diese Belastungen weiter in die Höhe treiben.

Trotz der kritischen Lage in Griechenland sind die Deutschen optimistischer als vor vier Monaten, dass die Euro-Staaten die Staatsschuldenkrise in den Griff bekommen. 53 Prozent der Bundesbürger sind einer am Mittwoch veröffentlichten Umfrage des Forsa-Instituts für das Magazin "Stern" zufolge überzeugt, dass der Euro verteidigt werden kann. Im Oktober glaubten das 41 Prozent.

Facebook
 
Kommentare
12.02.2012
09:02
Griechen holpern in Richtung Sparmaßnahmen
von maggiet | #8

der Artikel zeigt doch mal wieder überdeutlich, dass es nicht gelingen wird , aus Griechenland ein 2. Deutschland zu machen. Weder hinsichtlich der Haushaltsdisziplin (obwohl die ja sooo doll in D. auch nicht ist) noch hinsichtlich der Wirtschaftskraft. Wir können uns wohl darauf einstellen, Griechenland langfristig mehr oder weniger gut zu alimentieren.

Die Alternative ist nur ein Kerneuropa der Staaten, die sich kulturell näher stehen (F,D, BeNeLux, einige . skandinavische Länder und evtl. Italien) und die Insolvenz für Griechenland.

10.02.2012
03:13
Griechen holpern in Richtung Sparmaßnahmen
von Yamato-Germany | #7

Den EURO zu retten scheint eine Aufgabe zu sein, die uns noch viel Geld kosten dürfte.

Ob es das alles wert ist?

08.02.2012
19:56
Griechen holpern in Richtung Sparmaßnahmen
von kuba4711 | #6

Hellas wird schwäbisch !
Und dies unter der Anleitung der schwäbischen Hausfrau aus der Uckermark auf dem Kanzler Stuhl der Banken - banana republika .
Sauber ,sauber!
Derweil sind die Umfrage - Werte unserer ehemaligen FDJ - Funktionärin für AgitProp -also Kanzler Merkel , u.a, durch die veröffentlichten Medien befördert - ins Gigantische überhöht!
Es spielt aber auch das prinzipielle Überlegenheitsgefühl des deutschen Michel gegenüber der Bevölkerung der sog. PiG -Staaten an der europäischen Peripherie - hier Griechenland - eine Rolle!
Gestärkt durch die fest zementierte Meinung an den germanischen Stamm-Tischen ,dass man nur den Willen zum Sparen haben muss ,damit der Spar -Erfolg automatisch eintritt!
Diese quasi "fixe" Erkenntnis des germanischen Durchschnitt -Michel ,die wird auch noch tagtäglich durch die Lektüre der "Blöd -Zeitung!" bestätigt!
Leider gilt diese Stammtisch -Erkenntnis nur für einen Einzelnen ,bei -vorausgesetzt - gleicher Einkommenslage!
Welch ein Erwachen wird es in diesen ökonomischen Stammtisch - Breitengraden geben ,wenn das Spar -Diktat für die Griechen - in der Gegenwart - künftig auch für den gemeinen ,deutschen Michel gelten wird!
Ob sich dann die Erkenntnis im Volk der angeblichen Dichter und Denker festsetzen kann ,dass "volkswirtschaftlich gesehen" ein Spar - Wille nicht automatisch einen Spar - Erfolg nach sich zieht?
Warum dies?
Ganz einfach :
In der Volkswirtschaft -egal ,ob in der germanischen oder der hellenischen - , die Ausgaben des Einen -, die Einnahmen des Anderen sind!
Wird also -wie im griechischen Fall - den Normal -Griechen bis zu 20 Prozent an Einnahmen weg gespart ,dann können die Griechen auch 20 Prozent weniger ausgeben!
Mit dem griechischen Wort "Dilemma!" stecken wir dann aber auch in einem Solchen!
Eine sog. - angeblich angestrebte - Erholung der griechischen Volkswirtschaft ist unter derartigen "Spar-Bedingungen" -schlicht und ergreifend - nicht möglich!
Ich bin mal auf die Umfrage -Werte unserer schwäbischen Hausfrau auf dem Kanzler -Stuhl gespannt ,wenn dann der deutsche Michel noch zusätzlich -wegen des Ausfalls der Griechen als Zahler - in glorreichen ,künftigen Regierungsjahren unserer Madame Kanzler der deutsche Michel den Zahlemann und Söhne machen darf!
Zieht man historische Erfahrungen heran ,dann werden die Germanen möglicherweise wieder im Gleichschritt marschieren!
Natürlich nur noch kollektiv ins Dschungel - Camp!
Haleluja !
Gruß
karlosdallos

1 Antwort
Schwaben
von nullrunde | #6-1

Nein ich fahr nach Kuba - dort sind die viel entspannter und liebenswerter !
Hören Sie doch bitte auf mit Ihren Germanischen Untertönen
Sie leben in einer Welt der Ideologen
Realismus ist auf der Tagesordnung und nicht Ihre komische Bananen !

08.02.2012
18:32
Griechen holpern in Richtung Sparmaßnahmen
von karlosdallos | #5

Wie die Troika und Merkel und Ackermann es wohl geschafft haben, dass bei den Milliardären die Steuern nicht erhöht werden ?

Die "Onassisse" könntens doch sicher allein schaffen.


08.02.2012
17:06
Griechen holpern in Richtung Sparmaßnahmen
von 1980yann | #4

@1
Was für ein naiver Vorschlag!
Schwarzgeld hat die für den Staat unangenehme Eigenschaft, dass dieser meist nicht weiß wer wieviel davon besitzt, und wo es lagert!
Außerdem: was nützt es Griechenland, wenn es dann bei jemand anderem Schulden hat, die es nicht zurückzahlen kann!?

@3
Griechischer Euro-Ausstieg gut und schön, die Frage ist nur, ob die Griechen das mitmachen, ob sie den Euro-Spargroschen aus Fakelaki-Geschäften freiwillig 1:1 in die neue weiche Drachme tauschen, wenn sie nächstes Jahr doch 1:2 tauschen können, weil die Drachme schon so stark abgewertet wurde. Jeder wird doch versuchen, möglichst viele stabile Euros festzuhalten, während das neue Inflationsgeld im freien Fall ist. Natürlich gibt es solche Schattenwährungen sonst nur in prekäreren Ländern, aber in Griechenland hätte am Tag 1 der Neuen Drachme schon jeder die Alternativwährung Euro in seiner Geldbörse.

08.02.2012
14:03
Griechische Regierung stolpert über Sparmaßnahmen
von nullrunde | #3

Das Weiterhangeln von Termin zu Termin wiederholt sich
Immer wieder heißt bis spätestens zum …. braucht Griechenland so und soviel an
weiteren Milliardenkrediten sonst wären sie pleite mit unabsehbaren Folgen für Europa.
Wie lange soll das noch weitergehen mit derartigen Drohungen.
Das unzuverlässige Griechenland soll nun endlich den Euro abgeben und muß seine Pleite selber bezahlen.

08.02.2012
13:41
Griechen holpern in Richtung Sparmaßnahmen
von B.Schmitz | #2

Das uns die Rettung Griechenlands teuer zu stehen kommt war doch wohl von vornherein klar. Aber wir lassen uns die Ausbeutung ja auch gefallen. Die Griechen rennen sofort auf die Straße. Die Griechen verar... die Menschen anderer Länder von vorne bis hinten und das Schlimme ist, die Politiker merken es nicht. Griechenland hat sich den Mist alleine eingebrockt, jetzt soll es den Mist auch alleine ausbaden. Müssen andere auch.Merkel & Co. müssen sich mal darüber klar sein, dass sie die Welt nicht beherrschen und retten können. Merkel soll sich mal lieber um Deutschland kümmern. Aber dafür hat sie ja keine Zeit. Sie muss ja lieber an anderen Ländern unsere Gelder verschenken.

08.02.2012
13:31
Griechen holpern in Richtung Sparmaßnahmen
von wohlzufrieden | #1

Alle Vermögen über 1 Million mit Zwangsanleihe belegen. Auch Vermögen, das im Ausland ist, einschließlich Schwarzgelder.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/6327950/create

Aktuelle Fotos und Videos
Karikatur vom Tage
Bildgalerie
Fotostrecke
Norbert Röttgen - Aufstieg und Fall
Bildgalerie
Rücktritt
Berlin in schwarz-gelb
Bildgalerie
BVB-Fans
Papst Benedikt wird 85
Bildgalerie
Kirche
Aus dem Ressort
Verzögerung am neuen Berliner Flughafen schockt Branche
Wirtschaft
"Wir haben keinen Plan B.", so lautete die Reaktion vieler Verantwortlichen nach der Bekanntgabe, dass sich die Eröffnung des Flughafens Berlin-Brandenburg verschieben wird. Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn befürchtet unkalkulierbare Kosten. Urlauber werden wohl zu einem anderen Terminal anreisen...
NRW wehrt sich gegen Akw-Neubau in den Niederlanden
Atomkraft
Im niederländischen Borssele ist ein neues Atomkraftwerk geplant. Der Ort in der Provinz Zeeland ist nur wenige Kilometer von Nordrhein-Westfalen entfernt. Die NRW-Landesregierung spricht sich gegen den Bau des Kraftwerks aus. Auch jeder Bürger kann bis zum 12. Januar Einspruch gegen das Akw...