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Gewerkschaft macht Front gegen Opel-Management

20.05.2012 | 15:38 Uhr

Opel-Betriebsräte und Gewerkschafter laufen nach dem verkündeten Abzug der Astra-Produktion aus Deutschland Sturm gegen das Management des kriselnden Autoherstellers. "Opel hat kein Kostenproblem, sondern ein Führungsproblem", sagte der Frankfurter IG-Metall-Bezirksleiter Armin Schild der "Süddeutschen Zeitung".

München/Bochum (dapd). Opel-Betriebsräte und Gewerkschafter laufen nach dem verkündeten Abzug der Astra-Produktion aus Deutschland Sturm gegen das Management des kriselnden Autoherstellers. "Opel hat kein Kostenproblem, sondern ein Führungsproblem", sagte der Frankfurter IG-Metall-Bezirksleiter Armin Schild der "Süddeutschen Zeitung". Die Lage an der Spitze des US-Mutterkonzerns General Motors (GM) sei unübersichtlich. "Ich habe noch nie ein Unternehmen kennengelernt, wo es so wenig Vertrauen in die Führung gegeben hat", erklärte er.

Opel hatte entschieden, den Kompaktwagen Astra aus dem Stammwerk Rüsselsheim abzuziehen und ab 2015 nur noch im polnischen Gliwice und im britischen Ellesmere Port zu produzieren. Das englische Werk bekam den Zuschlag, weil die Mitarbeiter Lohneinbußen akzeptierten. Die Zukunft der Werke Rüsselsheim und Bochum ist durch die Astra-Verlagerung unsicher. Der Standort Bochum könnte vor dem Aus stehen.

Opel-Gesamtbetriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug drohte, den Sanierungsbeitrag der Belegschaft zu kappen. Wenn britische Opel-Arbeiter unter anderem durch Lohnverzicht stärker zur Sanierung beitragen, bedeutet das, "dass wir hier in Deutschland weniger zahlen müssen. Und das werden wir", sagte er der "Welt am Sonntag".

Der Betriebsratsvorsitzende von Opel Bochum, Rainer Einenkel, warf dem Management vor, die Belegschaften der Standorte gegeneinander auszuspielen. Das Management habe Rüsselsheim den Zafira angeboten, wenn die Beschäftigten dort zu ebensolchen Zugeständnissen bereit wären wie in England. Opel hatte das allerdings dementiert. "Man muss zu einem sauberen Gespräch zurückkehren", forderte Einenkel.

Bei einer Betriebsversammlung am Montag will die Bochumer Belegschaft von Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke Klarheit darüber, ob der Familienvan Zafira weiter dort vom Band laufen soll. "Das ist die Schlüsselfrage", sagte Einenkel. Zu der Betriebsversammlung will auch Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) kommen.

Auch Gewerkschafter Schild verlangte von der Opel-Mutter GM einen Plan, der die Spekulationen um Werksschließungen beende. "Wenn die Unternehmensstrategie nicht bald eindeutig geklärt wird, droht eine Abwärtsspirale", erklärte er. Alle vier heimischen Standorte, auch Bochum, müssten aber erhalten bleiben. Neben Rüsselsheim und Bochum betreibt Opel auch Fabriken in Eisenach und Kaiserslautern.

"Das Unternehmen wird nicht gegen, sondern nur mit den deutschen Belegschaften zu retten sein", sagte Schild. Er bekräftigte die Entschlossenheit der Gewerkschaft und die Solidarität unter den Opel-Kollegen im Kampf für die deutschen Werke. "Wer Bochum schließen will, wird auf den Widerstand der ganzen IG Metall stoßen - in allen Opel-Standorten", erklärte Schild.

Dass die Belegschaft in Ellesmere Port für den Zuschlag des Astra unter Druck Lohnkürzungen akzeptierte, sei ein schlimmer Vorgang, sagte Schild, der auch im Opel-Aufsichtsrat sitzt. Opel habe die Existenzangst der Kollegen "eiskalt ausgenutzt". "Mit herbei gepressten Arbeitnehmer-Beiträgen kann man kein Unternehmen führen", erklärte er. Über Wochen seien alle europäischen Standorte mit Schließung bedroht worden. "Dass irgendwann der Schwächste umfällt, ist klar", sagte er.

Die Aussage von Opel-Chef Stracke, dass Ellesmere Port und Gliwice die "Eckpfeiler" der europäischen Produktion würden, sei unprofessionell und eine Provokation für die Belegschaften in Rüsselsheim und Bochum. "Das sagt viel über die Führungskultur bei Opel aus", sagte Schild.

dapd

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