Frisches Essen ist besser und billiger
17.01.2011 | 19:19 Uhr 2011-01-17T19:19:00+0100
Essen.Dioxin im Ei, Nitrat im Salat, BSE in der Wurst? Die Lebensmittelskandale nehmen kein Ende. Wie ernährt man sich trotzdem gesund – und günstig, selbst wenn die Zeit fürs Kochen immer knapp ist?
Bio oder Vollwert? Beim Bauern kaufen oder auf dem Wochenmarkt? Vegetarisch kochen oder besser völlig vegan leben? Vielleicht sogar ayurvedisch oder makrobiotisch? An Vorschlägen zum Thema „Gesundes Essen“ mangelt es nicht. Aber was ist wirklich dran an all den gut gemeinten Ratschlägen? Wo findet man Eier ohne Dioxin, Salat ohne Nitrat oder Fleisch ohne BSE? Und: Kann man gesundes Essen überhaupt noch bezahlen? Es zubereiten, wenn die Zeit stets knapp ist? Verbrauchern fällt es zunehmend schwerer durchzublicken, ratlos stehen viele vor Kochtopf und Regalen. Obwohl sie doch einfach nur Mittagessen machen wollen.
Die entscheidende Frage, sagt Foodwatch-Sprecher Martin Rücker, sei gar nicht, ob oder wo wir gute Lebensmittel für wenig Geld finden. „Die Frage ist, ob wir sie erkennen!“ Der Preis sei nicht automatisch Indikator für die Qualität der Ware, billige Produkte nicht unbedingt ungesünder als teure, Bio nur tendenziell besser als konventionell – im Mai 2010 etwa sorgten Dioxin-verseuchte Bio-Eier für Aufsehen. Der Verbraucher selbst könne Schadstoffe gar nicht erkennen. „Der Verbraucher“, so Rücker, „ist darauf angewiesen, dass die Politik ihren Job macht.“
Verbraucherschützer sagen: Macht Druck, Druck, Druck
Konkret fordert Foodwatch: vernünftige Grenzwerte für Schadstoffbelastungen in Lebensmitteln (noch seien sie oft zu hoch) – und die Gewissheit, dass deren Einhaltung auch kontrolliert wird. Die wenigen Futtermittelkontrolleure etwa, die es derzeit gäbe, könnten nur Stichproben nehmen, erklärt Martin Rücker. Der aktuelle Dioxin-Skandal sei daher sicher nicht letzte, vielleicht nur die „Spitze des Eisbergs“. Würde der Gesetzgeber die Futtermittelhersteller aber verpflichten, ihre Produkte selbst auf Schadstoffe zu testen, müssten die Lebensmittelkontrolleure nur noch deren Unterlagen prüfen – für Foodwatch ein sehr viel praktikableres Verfahren. „Es klingt frustrierend, muss aber so deutlich gesagt werden: Letztlich hilft nur öffentlicher Druck, um Lebensmittel sicherer zu machen, unabhängig davon, ob wir sie beim Discounter oder beim Biobauern kaufen.“
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Lebensmittel, die heute bei uns in den Handel kommen, seien „per se“ sicher, sagt dagegen der Ernährungswissenschaftler Harald Seitz, Sprecher des unabhängigen Hauswirtschafts-Infodienstes aid, einer Partnerorganisation der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Ausnahmen gingen – wie im aktuellen Dioxin-Fall – auf kriminelle Energie oder Fehler zurück. Im Übrigen helfe ein einfaches Mittel dagegen, „Endlager für Pestizid-Rückstände“ oder ähnliches zu werden: möglichst vielseitig essen!
Gesundes Essen und knappe Kasse – kein Widerspruch
Gesundes Essen und knappe Kasse seien darum auch kein Widerspruch, so Seitz. Viele hielten Fertiggerichte zwar für besonders billig. Tatsächlich aber seien frische Lebensmittel „besser und billiger.“ Sein Tipp für eine vollwertige, gesunde Mahlzeit, die wenig kostet: Gemüsepfanne. „Einfach gucken“, was noch da sei, Kartoffeln, Nudeln oder Reis meist. Dazu gezielt einkaufen, was der Markt hergebe – für eine vierköpfige Familie derzeit vielleicht Kohlrabi, ein paar Möhren, eine Handvoll Champignons oder Zucchini. „Fertig!“
Und wenn es auch an Zeit mangelt? Statt Miracoli empfiehlt Experte Seitz Nudeln mit selbst gemachter Soße aus passierten Tomaten, „in die Sie einfach ein bisschen Gemüse reinschnibbeln“. Gehe genauso schnell.
Der Trick: Kaufen wo es und wenn es billig ist
Die wichtigste Regel für alle, die beim Kochen mit wenig Geld auskommen müssten, laute: „Flexibel bleiben“, sagt Koch Raimund Ostendorp, der vor Jahren seinen Job in einem Drei-Sterne-Restaurant kündigte, um in Bochum eine Pommesbude zu eröffnen. Verbraucher sollten gucken, was im Angebot sei, kaufen, wo es günstig sei. „Also eher nicht auf der Düsseldorfer Kö, sondern in Stadtrandlage oder auf dem Markt. Wichtig sei auch, auf Saisonware zu setzen. „Erdbeeren vom Feld nebenan“ schmeckten zur richtigen Zeit „mindestens so gut wie Flugananas aus Übersee“.
Kollege Frank Rosin, dessen Dorstener Restaurant ein Michelin-Stern ziert, beklagt, dass nicht nur in den Kantinen, sondern auch daheim viel zu viel Convenience-, also Halbfertigprodukte verwendet würden. Es gebe leider auch kein echtes Familienleben mehr. Dabei sei das gemeinsame Mittagessen „der beste Familientherapeut“. „Zusammen kochen, essen und reden, das ist Medizin für Körper, Geist und Seele.“
Lob für die deutsche Mittelschicht
So gesehen, ist vielleicht aber noch nicht alles verloren: Auf der Kölner Messe „Living Kitchen“ wurde gestern eine Forsa-Umfrage zum Thema vorgestellt. Danach kocht immerhin die deutsche Mittelschicht „häufig, ambitioniert, gesund und abwechslungsreich“.
„Unsere Resultate bestätigen den allgemeinen Trend einer Rückbesinnung auf klassische Tugenden und Werte, zu denen sich auch das anspruchsvolle Kochen zählen lässt“, hieß es. Für die Studie wurden 3000 Männer und Frauen zwischen 30 und 70 Jahren befragt, die in Mehrpersonen-Haushalten leben und monatlich über ein Haushaltseinkommen von über 2500 Euro verfügen können. Mehr als zwei Drittel von ihnen kochen täglich mindestens einmal warm – hauptsächlich inspiriert übrigens von Kochbüchern.
21:51
Hallo miteinander,
Lea Linster hat die Tage mal vorgemacht, was man alles aus zwei Kohlrabis rausholen kann.
Oder heißt es Kohlraben?
Anyway: Ich will keine Gifte in meinem Essen, also eine Nullgrenze.
Und ich will, daß diese Nullgrenze von fähigen Menschen und von staatlicher Stelle überwacht wird. Selbstkontrolle war immer ein Witz und wird es weiter bleiben.
17:50
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17:24
#10
sie können aber auch nicht behaupten, das Fast Food gesund ist.
Unsere adipös geprägte Gesellschaft hält uns doch den Spiegel vor.
Und die Gier nach immer mehr schickt die Qualität unserer Nahrungsmittel doch in denn Keller.
Aromastoffe sorgen dafür, das das Geschmacksempfinden der Kinder dermaßen irritiert wird, das diese mit natürlichen Rohstoffen nichts mehr anfangen können.
Spätestens, wenn Kühe lila werden, sollten Eltern zu denken und den Kochlöffel selber schwingen.Frank Rosin hat Recht.
17:23
@#10 r.kant: Dann sprechen wir halt von ungesunden Zutaten. Für mich ist aber zu viel Salz ebenso Gift wie Geschmacksverstärker oder Arsen, es kommt halt auf die Dosis an.
17:13
@ #8 GeorgWashuber
Ich bin kein Fan von Fast Food, aber hier zu behaupten, dass Fast Food gifthaltig sei, ist ziemlicher Unfug und definitiv eine Lüge!
16:47
Warum soll man bestimmten Nahrung verbieten? Wir leben in einem freien Land, jeder kann die Nahrung kaufen die er will. Wir brauchen keine Gängelung der Verbraucher!
16:38
Natürlich wäre ein Verbot von gifthaltiger Nahrung wie Fast Food sinnvoll, aber es ist wichtiger, zunächst etwas gegen den Missbrauch von Tabak und Alkohol zu unternehmen, und dann muss es den Dickmachern an den Kragen gehen. Wahrscheinlich wird unsere Gesellschaft ohnehin nicht an Maßnahmen zur Umerziehung breiter Kreise der Bevölkerung zu gesundheitsbewusstem Verhalten vorbei kommen, und der Aufklärung über die Schädlichkeit von Fertiggerichten und Zutaten wie Geschmacksverstärkern könnte dort ebenfalls Raum gewährt werden.
14:08
Viele hielten Fertiggerichte zwar für besonders billig. Tatsächlich aber seien frische Lebensmittel „besser und billiger.“
FALSCH
Fertiggericht sind billig!!
frische Lebensmittel wenn überhaupt günstig, aber niemals billig.
Billig ist die Dame an der Bordsteinkante unter der Laterne, günstig ist das Vergnügen mit ihr dennoch nicht!
soviel zum Thema billig und günstig
13:42
Soso, kommentieren nur noch nach Anmeldung...
...dann kann man ja jeden User dessen Meinung man bislang zensierte nun bequem entsorgen indem man den Account sperrt. Auch traut sich nun nicht mehr jeder seinen Senf dazu zu geben.
Aber das wissen die Leute bei WO natürlich, darum macht man es ja auch so bzw. muss es so machen auf Anraten von Oben.
Dann haben diese Seiten also ihren einzigen Zweck verloren, nämlich ein offenes Newsforum zu sein.
Da suche ich mir lieber ein neues Forum und wünsche euch noch viel Spass mit der neuen WO wo es jetzt nur noch schlechten Journalismus mit News von gestern gibt.
Ich bin dann mal weg, der letzte macht das Licht aus...
11:54
Selber kochen vs. Fertigkost..
Ob selber kochen besser ist, hängt sicher vom Talent am Herd ab.
Ob es gesünder ist, von dem, was man denn kocht und welche Zutaten man wählt.
Billiger?
Das ist mal gar nicht so einfach zu beantworten.
Wenn ich die Zutaten exakt in der benötigten Menge kaufen kann, kann das sein.
Wenn ich die Möglichkeit habe zu lagern und einzufrieren.
Meist sind diese Rechnungen aber nicht realistisch.
Man kann natürlich für die Mahlzeit herunterrechnen, wie teuer ein Esslöffel Öl ist.
Ich muss aber eine ganze Flasche kaufen.
Wenn ich als Single losgehe, um die Zutaten für eine Gemüsepfanne einzukaufen werde ich bestimmt 10 Euro bezahlen und die Hälfte wegwerfen.
Tiefgekühlt, im Beutel zahle ich 3€, kann portionieren und habe anschließend kein Schlachtfeld in der Küche.
Für 3 € kann ich auch ein 3er Paket Pizza beim Discounter kaufen = drei Tage Mittagessen..
Es ist sicher auch günstiger, selbst Brühe anzusetzen, als die gekörnte zu kaufen.
Für ein Toastbrot brauche ich nur Hefe, Mehl, Salz, Zucker und Wasser.
Das bekomme ich auch für unter 50 ct. hin.
Ketchup selbst gemacht, schmeckt besser, ist gesünder..
.. aber wer macht das denn ernsthaft?
Welcher berufstätige, vollzeitarbeitende, macht sich denn unter der Woche um 19:00 Uhr noch die Mühe, frisch zu kochen?