Koalitionsverhandlungen
FDP will Hartz IV durch Bürgergeld ersetzen
06.10.2009 | 10:49 Uhr 2009-10-06T10:49:00+0200
Berlin. Die Liberalen pochen in den Koalitionsverhandlungen auf die Abschaffung von Hartz IV, heißt es in einem Medienbericht. Ersatz soll ein "leistungsfreundlicheres und arbeitsplatzschaffendes Bürgergeld" sein. Auch die Möglichkeit zur Online-Durchsuchung soll schon bald Vergangenheit sein.
Die FDP will in den Koalitionsverhandlungen mit der Union an ihrer Wahlkampf-Forderung nach Abschaffung von Hartz IV zugunsten eines Bürgergelds festhalten. Der als neuer Finanzminister gehandelte Hermann Otto Solms verwies in der «Welt» darauf, dass es auch in der Union Befürworter eines solchen Systemwechsels in der Sozialpolitik gebe. «Wir wollen Hartz IV durch ein leistungsfreundlicheres und arbeitsplatzschaffendes Bürgergeld ersetzen», bekräftigte Solms.
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Die Einführung eines Bürgergelds hätte nach den Plänen der FDP zur Folge, dass alle steuerfinanzierten Sozialleistungen zusammengefasst werden. Dazu zählt die Partei das Arbeitslosengeld II einschließlich der Leistungen für Wohnen und Heizung, das Sozialgeld, die Grundsicherung im Alter, die Sozialhilfe, der Kinderzuschlag und das Wohngeld.
«Die Leistungen werden beim Bürgergeld grundsätzlich pauschaliert gewährt und von einer einzigen Behörde, dem Finanzamt, verwaltet», heißt es im FDP-Wahlprogramm. Die Aufnahme einer eigenen Erwerbstätigkeit solle mit dem Bürgergeld «stärker gefördert und anerkannt» werden als bisher. Bei Ablehnung einer zumutbaren Arbeit soll das Bürgergeld gekürzt werden.
Solms verspricht sich von der Reform weniger Bürokratie, eine geringere Missbrauchsquote sowie stärkere Anreize zur Arbeitsaufnahme. «Mit dem Bürgergeld können die Betroffenen ein jeweils höheres Nettoeinkommen erzielen», sagte er.
Liberale wollen Online-Durchsuchung abschaffen
Der hessische FDP-Vorsitzende Jörg-Uwe Hahn hat gefordert, dass im Rahmen der Koalitionsverhandlungen das Gesetz über die Kompetenzen des Bundeskriminalamts «zurückgedreht» wird. «Wir möchten das System wieder umdrehen. In letzter Zeit hat der Staat die Bürger unter Generalverdacht gestellt und in ihre Rechte eingegriffen, indem er sie abgehört oder ihre Computer ausgespäht hat. Wir wollen nicht, dass es Angriffe auf Privat-PC gibt«, sagte Hahn der »Frankfurter Rundschau«.
Verärgert reagierte der FDP-Politiker auf Ankündigungen aus der Union, bei derartigen Themen keine Zugeständnisse machen zu wollen. «Ich habe das Gefühl, dass die Kollegen der Union in den letzten Jahrzehnten keine Koalitionsverhandlungen mehr geführt haben. Sie können nur verlieren. Verhandlungen bedeuten, dass jeder auf dem Weg zum Kompromiss von seinen Positionen abgeben muss», sagte er.
Der FDP-Politiker Jörg-Uwe Hahn ist Justizminister und stellvertretender Ministerpräsident von Hessen. In den Koalitionsverhandlungen auf Bundesebene gehört er der Arbeitsgruppe Innen und Recht an.
FDP setzt weiter auf Veränderungen im Gesundheitsfonds
Die FDP setzt nach der ersten Koalitions-Verhandlungsrunde von Union und Liberalen weiter auf Veränderungen im Gesundheitsfonds. «Wir suchen nach einem Weg, damit wir Wahlfreiheit bei Therapie und Arzt sowie Bezahlbarkeit des Gesundheitssystems wieder zusammenbringen», sagte der stellvertretende FDP-Vorsitzende Andreas Pinkwart dem ARD-«Nachtjournal» am Dienstagmorgen in Berlin. Der Gesundheitsfonds, wie ihn die große Koalition aufgelegt hat, sei dazu nicht geeignet. «Jetzt geht es in den Arbeitsgruppen darum, eine bessere Lösung gemeinsam zu erarbeiten», fügte er hinzu.
Die erste Verhandlungsrunde habe in einer sehr offenen, entspannten und gleichzeit engagiert konzentrierten Atmosphäre stattgefunden. «Das zeigt, dass hier zwei Seiten zusammengekommen sind, die keinen kleinen gemeinsamen Nenner suchen, sondern die wirklich zu den großen Problemen unseres Landes auch große Lösugnen erarbeiten wollen», sagte Pinkwart.
Deutliche Einsparungen im Bundeshaushalt
Die FDP will in den Koalitionsverhandlungen mit der Union deutliche Einsparungen im Bundeshaushalt erreichen. «Auch die CDU wird sehr schnell erkennen, dass der einzige Weg aus der Krise über eine Steuerreform und eine intelligente Ausgabenprüfung führt», sagte der FDP-Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende des Haushaltsausschusses, Otto Fricke, laut «Bild»-Zeitung. «Nur so werden Wachstum und Beschäftigung möglich und sichern langfristig unsere Finanzen.» Die Haushaltspolitik der Großen Koalition habe im Ergebnis «schwarze Löcher» und «rote Zahlen» gebracht.
Unterstützung kommt vom Präsidenten des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Hans-Heinrich Driftmann. «Nur eiserne Haushaltsdisziplin ermöglicht die notwendigen Reformen, die wir für Wachstum und Beschäftigung jetzt brauchen», sagte er. «Alle staatlichen Ausgaben gehören auf den Prüfstand.» Steuersenkungen und knappe Kassen seien kein Widerspruch.
Koalitionsverhandlungen werden auf Fachebene fortgesetzt
Die Koalitionsverhandlungen zwischen Union und FDP werden heute mit den ersten Arbeitsgruppensitzungen fortgesetzt. Zehn Themenbereiche von der Steuer- bis zur Außenpolitik werden nun zunächst von den Fachleuten erörtert. Die nächste Spitzenrunde soll am Donnerstag stattfinden.
Nach der ersten Verhandlungsrunde hatten sich beide Seiten am Montagabend zuversichtlich gezeigt, dass eine zügige Einigung möglich ist. Bisher sind die Gespräche bis zum 18. Oktober terminiert. Die Kabinettsvereidigung könnte bereits in der konstituierenden Sitzung des Bundestags noch vor Ende des Monats erfolgen. Bundeskanzlerin Angela Merkel will spätestens bis zum 9. November, dem 20. Jahrestag des Mauerfalls, fertig werden. (ap/ddp)
16:12
Ein Bekannter von mirLKW-Fahrer,der arbeitslos wurde,vier Kinder über 14 Jahre hat,sagte mir auf meine Stellenhinweise in der Zeitung,daß ihm Niemand so viel zahlen könne,wie er durch Hartz4 bekommt.Mit viel Arbeit nebenbei lebt sichs gut.Den LKW-Führeschein hat ihm vor Jahren das Arbeitsamt bezahlt.
13:38
#177
Sorry, wollte die Selbstständigen/Freiberufler natürlich nicht unter den Tisch fallen lassen.
Es muß somit heißen:
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JEDER IST MAXIMAL 12 MONATE VOM ALG2 ENTFERNT !!!
Ausnahmen bilden ältere Ex-Arbeitnehmen; hier ist die Bezugsdauer des ALG1 max. 24 Monate.
12:57
tja, die werden immer vergessen ...
11:15
stimmt nicht, bin unternehmer und falle bei insolvenz daher sofort in den hartz4 bezug
08:23
KURZE INFORMATION AM RANDE:
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JEDER, WIRKLICH JEDER, IST LEDIGLICH 12 MONATE VOM ALG2, WELCHES SO GERNE HARTZ4 GENANNT WIRD, ENTFERNT !!!
08:10
Mal ganz ernsthaft:
Diejenigen,die ALLE ALG Empfänger über einen Kamm scheren, DAS sind die wahren Asozialen in unserer Gesellschaft ! (@ Kommentatoren: Asozial in seiner Bedeutung-nicht als Beleidigung)
Es gibt genügend ALG Bezioeher,die diese Leiszungen nicht freiwillig bekommen.
Ich zum Beispiel : Aufgrund einer Erkrankung meiner Frau kann ich nicht arbeiten gehen. Ich muß mich um die Kinder und Einkaufen kümmern (Hausarbeit klappt bei ihr). Ein Pflegegeldantrag wurde abgelehnt. Da ich praktisch ständig abrufbar sein muß, bin ich zur Zeit nicht vermittelbar. Ich würde sofort wieder arbeiten sobald sich meine Frau wieder selbstständig um alles kümmern könnte. Bin ich jetzt ein Schmarotzer ? In manchen verblendeten Augen ja.Dieser Typus sieht nämlich nur: Hartz....das drumherum interessiert diesen Menschen nicht.Der stempelt alle egal wieso er /Sie Leistungen von der ARGE bekommen als Schmarotzer ab.
Diejenigen sollten doch einfach mal überlegen,was mit ihnen wäre,wenn sie ihren Job verlieren (warum auch immer), keinen Neuen finden (warum auch immer) und ALG 2 Leistungen beantragen müssen: Stellen die sich dannn vor den Spiegel und sagen zu sich selber: Hallo du Schmarotzer ?
Aber egal- das führt bei Betonköpfen eh zu nichts.
08:06
die gelben sind doch nur mehrheitsbeschaffer wie in nrw und bringen nichts
17:36
@ ErwinS
Sehr richtig, das ist nichts anderes als gemeinschaftlich organisierter Betrug zu Lasten der Gemeinschaft. Das passiert, wenn man marktwirtschaftliche Grundsätze ausser Kraft setzt und einer Gruppe von Gesundheitspolitikern, die die ganze Maschinerie nicht durchschauen, erlaubt wiederholt vermeintlich sozialen Chi-chi ins System zu bringen.
Weg damit !
17:23
@ 171 dummberger
Nur mal als Beispiel die Ausplünderung des sogenannten Gesundheitsfonds ...
Der bayerische Hausärzteverband, dem im Freistaat etwa 75 Prozent aller Hausärzte angehören, hat sich mit der AOK Bayern zusammengetan. Der Vertrag sieht vor, dass die AOK etwa doppelt so hohe Honorare zahlt wie früher üblich. Umgekehrt sollen die Ärzte der AOK helfen, den Gesundheitsfonds anzuzapfen.
Als Gegenleistung für das Entgegenkommen der AOK bitten wir Sie nochmals, eine entsprechende Codierung bei den AOK-Patienten vorzunehmen, hieß es in einem Brief des Verbands an seine Mitglieder. Die AOK bot den Ärzten sogar an, eigene Leute vorbeizuschicken, um den Ärzten bei der Codierung von Krankheiten gleich am Praxiscomputer zu helfen.
Der neue Gesundheitsfonds bestraft jene, die so dumm sind, nicht mitzumachen. Von einem absurden System spricht Hans Unterhuber, Chef der Siemens Betriebskrankenkasse, von massiven Fehlanreizen Norbert Klusen, Vorsitzender der Techniker Krankenkasse.
So geht das doch nicht weiter. Damit ist erst Schluss, wenn wir einen Basistarif mit gesetzlich vorgeschriebenen Leistungsumfang haben, samt Kontrahierungszwang und Diskriminierungsverbot. Dann gibt es für dieses commodity-Produkt einen reinen Preis-Wettbewerb zwischen den Krankenkassen und der wird dazu führen, dass diese bei den Leistungserbringern, d.h. Krankenhäusern, niedergelassenen Ärzten, Apotheken, Pharma-Industrie usw. aufräumen.
Alles andere ist Herumdoktorn an einem kranken System, das alles nur noch schlimmer macht.
17:10
@167 von ErwinS
Sie können Ihre Meinung ja gerne behalten, aber Sie sollten auch schon sagen, wieso es mit Prämienmodellen besser laufen soll als mit paritätischen Versicherungssystemen.
Das alles läuft doch auf die Aufkündigung der Solidargemeinschaft hinaus. Wie soll denn die Umverteilung durch Steuermittel aussehen, wenn gleichzeitig auch noch die Einkommenssteuer, vor allem für Spitzenverdiener, gesenkt werden soll?