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FDP sieht Gesundheitsfonds in dramatischer Schieflage

06.10.2009 | 14:01 Uhr
FDP sieht Gesundheitsfonds in dramatischer Schieflage

Berlin. Der Gesundheitsfonds ist pleite - so sieht es zumindest FDP-Gesundheitsexperte Daniel Bahr. Die FDP sieht die gesetzliche Krankenversicherung somit in dramatischer Schieflage. Ein Grund für Bahr, die scheidende SPD-Gesundheitsministerin Ulla Schmidt anzugreifen.

Die FDP sieht die gesetzliche Krankenversicherung in dramatischer Schieflage. Der Gesundheitsfonds sei eigentlich schon im ersten Jahr seines Bestehens pleite, sagte FDP-Gesundheitsexperte Daniel Bahr am Dienstag. Experten von Regierung und Krankenkassen wollen am Nachmittag eine genaue Schätzung zu Ausgaben und Einnahmen im kommenden Jahr vorlegen.

Bahr sagte im ZDF-Morgenmagazin, die Zahlen seien dramatisch. Die scheidende SPD-Gesundheitsministerin Ulla «Schmidt hat versucht, diese Zahlen zu verdecken». Die schlechte Finanzlage des Fonds sei ein weiterer Beleg, dass man den Gesundheitsfonds vorbehaltlos diskutieren müsse. Wer stur am Fonds festhalte, werde bei dieser Finanzlage «die Krankenkassen in die Insolvenz treiben». Er sei gespannt, was die Union nun als ihre Lösung präsentiere, sagte Bahr.

Gesundheitsministerium: Befürchtungen übertrieben

Wegen der Rezession fehlen dem Fonds nach Eingeständnis der Regierung in diesem Jahr Beitragseinnahmen bis zu 2,9 Milliarden Euro. Diese werden über ein Darlehen gedeckt. Für 2010 rechnen die Krankenkassen mit einem Fonds-Defizit von sieben bis neun Milliarden Euro. Sie haben für 2010 flächendeckende Zusatzbeiträge vorhergesagt.

Das Gesundheitsministerium hält die Befürchtung zum Defizit für übertrieben und verweist auf einen wachsenden Steuerzuschuss und hohe Rücklagen der Kassen. Die genaue Prognose wollen Experten beider Seiten möglichst im Konsens festlegen.

Ein-Prozent-Grenze soll fallen

Dass Kostensteigerungen auf die Kassen zukommen, gilt als unumstritten. Bereits absehbar ist, dass die Ärzte 2010 rund eine Milliarde Euro mehr bekommen. Die Arzneimittelkosten steigen ebenfalls rasant weiter - mit rund fünf Prozent pro Jahr trotz aller Sparbemühungen, ebenso die Krankenhauskosten. Gleichzeitig werden wegen der Krise bestenfalls stagnierende Beitragseinnahmen erwartet.

Um das fehlende Geld aufzutreiben, hat die künftige Bundesregierung mehrere Möglichkeiten: Sie kann den normalen, einheitlichen Beitragssatz von 14,9 Prozent anheben oder mehr Steuergelder in den Gesundheitsfonds schleusen. Beides gilt als unwahrscheinlich. Die Alternative sind Zusatzbeiträge. Die Krankenkassen müssen dann das bei ihnen fehlende Geld direkt bei ihren Mitgliedern eintreiben. Bisher gibt es einen solchen Zusatzbeitrag nur bei einer kleinen Kasse.

Nach den Ankündigungen der CDU soll die bisher geltende Deckelung des Zusatzbeitrags von einem Prozent des Einkommens bald fallen. Das heißt, Zusatzbeiträge - so sie denn kommen - können dann auch über 37 Euro pro Monat liegen.

Einführung eines Bürgergeldes

Ein weiterer Streitpunkt zwischen beiden Seiten ist die Zukunft der Hartz-Regelungen. Die Bestimmungen sollten durch ein «leistungsfreundlicheres und arbeitsplatzschaffendes Bürgergeld» ersetzt werden, sagte der FDP-Finanzexperte Hermann Otto Solms der «Welt».

Die Einführung eines Bürgergelds hätte nach den Plänen der FDP zur Folge, dass alle Sozialleistungen, die sich aus Steuern finanzieren, zusammengefasst werden. Dazu zählt die Partei das Arbeitslosengeld II einschließlich der Leistungen für Wohnen und Heizung, das Sozialgeld, die Grundsicherung im Alter, die Sozialhilfe, den Kinderzuschlag und das Wohngeld. «Mit dem Bürgergeld können die Betroffenen ein jeweils höheres Nettoeinkommen erzielen», sagte Solms.

"Wir sind skeptisch und ablehnend zum Bürgergeld, weil wir glauben, dass solche Leistungen bedarfsabhängig ausgestaltet werden müssen», sagte hingegen CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla im WDR. Die Union sei gegen Pauschalierungen etwa beim Wohngeld, weil die Mieten unterschiedlich hoch seien, fügte Pofalla hinzu, der als künftiger Arbeitsminister im Gespräch ist. Die in den Koalitionsgesprächen mit dem Thema Arbeit befasste Verhandlungsgruppe soll sich erstmals am Mittwoch in der nordrhein-westfälischen Landesvertretung treffen. (ap/afp)

DerWesten

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Kommentare
08.10.2009
12:02
FDP sieht Gesundheitsfonds in dramatischer Schieflage
von Peter Jesinghaus | #8

Werden die Koaltionsgespräche eigentlich von einem anderen Planeten gesendet? Knapp 15% haben die FDP gewählt, nur die wollen die Privatisierung der Krankenkassen. Die Kanzlerin und Sprecher von anderen Parteien, Experten haben sich für unser bestehendes Gesundheitssystem ausgesprochen, verbessert kann immer etwas werden. Da kommt so ein Wichtel von der FDP als s.g. Gesundheitsexperte, Daniel Bahr und versucht den Menschen mit Angstmacherei ein Monster zu verkaufen. Dem wollen wir doch hoffentlich nicht glauben. Bahr - Dummheit und Stolz wachsen auf einem Holz..
Bürgerversicherung,Harz IV, ALGII egal wie das Kind heißt, damit kann keiner längere Zeit leben. Die Menschen müssen umgehend in Arbeit gebracht werden, darüber soll die neue Regierung nachdenken und daran wird sie gemessen, in kurzer Zeit.Wer Koch und wer Kellner ist, hat die Kanzlerin festgelegt. Soll sie kochen, damit der Westerwelle servieren kann.

06.10.2009
20:16
FDP sieht Gesundheitsfonds in dramatischer Schieflage
von Markus Neumann | #7

Die genannten 662 Euro sind ein Witz. Sozial nötig sind 400 Euro pro Kopf PLUS 5 Euro pro Lebensjahr PLUS 1 Euro für jeden Vollzeit auf Lohnsteuerkarte gearbeiteten Monat. Macht bei einem 50 jährigen mit 30 Jahren Arbeit 400 + 5*50 + 30*12 = 1010 Euro.

06.10.2009
17:13
FDP sieht Gesundheitsfonds in dramatischer Schieflage
von Harald Fett | #6

Wir haben ja im Gesundheitssystem schon viel erlebt, aber dieser Fonds übersteigt alles bisher dagewesene an Absurdität.

Ein typisches Produkt einer großen Koalition: Zwei diametral entgegen stehende Ansätze, hier die Gesundheitsprämie - dort die Bürgerversicherung, wurden zu einer monströsen Chimäre gekreuzt.

Das Ergebnis: Ein Wettlauf der Krankenkassen um die vorgeblich kränkesten Mitglieder mit dem Ziel, den Gesundheitsfonds auszuplündern, bevor die Wettbewerber es tun.

06.10.2009
15:25
FDP sieht Gesundheitsfonds in dramatischer Schieflage
von Erklärbär | #5

Na ja, um zu wissen, dass der Gesundheitsfonds, wie auch die vorherigen sogenannten Reformen am System durch Ulla Schmidt allesamt ganz großer Mist waren und sind, brauchen wir gesetzlich Versicherten keinen neuen politischen Experten. Das haben wir schon längst aus eigener Kraft und Erkenntnis realisiert.
Erstaunlich ist nur immer und immer wieder, dass mit jeder neuen Regierung jedesmal neue Leute irgendwelche Ministerien zugeschachert bekommen und die übernehmen, ohne einschlägige Erfahrungen und damit ohne jede Ahnung zu haben. Im Grunde wissen diese Minister ja nicht viel mehr als wir einfachen Leute.
Nur mit dem Unterschied, dass die ihr Nichtwissen unverschämt gut honoriert bekommen und trotz eines umfangreichen Stabes an Fachleuten und Beratern immer noch jede Menge Murks dabei rauskommt.

06.10.2009
15:08
FDP sieht Gesundheitsfonds in dramatischer Schieflage
von DerSupaTypAusDerEonWerbung | #4

Ausnahmsweise hat SpOn mal die richtige Tendenz im Teaser:
Ärzte und Krankenkassen plündern den Gesundheitsfond:

http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,653048,00.html

06.10.2009
15:04
FDP sieht Gesundheitsfonds in dramatischer Schieflage
von DerSupaTypAusDerEonWerbung | #3

Natürlich, erst die Haupt-Klientel der FDP - die Ärzte - mit Honorarforderung von bis zu 25% Steigerung unterstützen und dann darüber klagen, das der Gesundheitsfonds in dramatischer Schieflage liegt, mit dem Ziel, diesen zu sabotieren um den Weg freizumachen für die Privatvorsorge.

Wenn die FDP-Ärzte mit ihren unverschämten Honorarforderungen die Misere zu verantworten haben, dann ist es nur Recht und Billig, das Defizit durch Steuern auszugleichen und gleichzeitig die Einkommenssteuer anzuheben. Und jeder Gutverdienende darf sich dann bei der FDP und ihrer Ärzte-Klientel bedanken.

06.10.2009
14:43
FDP sieht Gesundheitsfonds in dramatischer Schieflage
von artie | #2

Achja, Steigerchen, Sie wissen also schon genau, was kommt, toller Hecht....immer noch neidisch, dass die Wahl für Sie verloren ging ?!

06.10.2009
14:30
FDP sieht Gesundheitsfonds in dramatischer Schieflage
von Elektrosteiger | #1

Das heißt, Zusatzbeiträge - so sie denn kommen - können dann auch über 37 Euro pro Monat liegen

Kann aber auch über 137, 237 oder noch mehr bedeuten...

Einführung eines Bürgergeldes

Könnte man auch AMBÜRGERSPARGELD heißen...
Denn nach Auszahlung dieses Geldes gibt es nichts mer. Egal, ob die Mieten steigen, der Strompreis steigt, allen vollkommen totto...

So etwas nennt man dann SOZIALKAHLSCHLAG...

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