Faszination Ukulele
26.05.2010 | 11:53 Uhr 2010-05-26T11:53:00+0200Wozu nach Hawaii fahren, wenn man den Aloha-Spirit auch nach Hause holen kann.
Hawaii-Hemden trägt Michael Fuhrmann mit Überzeugung. Denn für ihn sind sie keine Mode – sie passen schlicht zu seiner Leidenschaft: der Ukulele. „Es geht das Vorurteil um, dass sie ein Spielzeuginstrument sei, aber das stimmt nicht”, sagt er. Und fühlt sich darum gut aufgehoben unter Gleichgesinnten. Die trifft er beim „1. Deutschen Ukulelenclub” alle drei Monate im Essener Unperfekthaus. Dahin zieht es den Dortmunder regelmäßig.
„Hallooooo, Mike” schallt es ihm entgegen, als er beim Treffen aufläuft, die Ukulele und gute Laune im Gepäck. Er ist bekannt. Schließlich kann er sich brüsten, „Mitglied Nummer 25 zu sein”, erklärt er. Mitte 2005 gründeten Ukulelenfans den „1. Deutschen Ukulelen-Club” mit dem Wahlspruch „Für Körper und Seele – Ukulele”. Vorläufer war ein seit 2003 bestehendes Internetforum. Inzwischen zählt der Club 1700 Mitglieder. Sie suchen und finden mehr als bloßen Austausch im Netz. Gemeinsam ihre sehr unterschiedlichen Instrumente zum Klingen zu bringen, das ist ihr Begehr.
Manche mit Verstärker
Und so packt Michael Fuhrmann beim Treffen gleich seine Ukulele aus, gesellt sich zu Milan Schneider aus Monheim, Jutta Strzalka und Merlin aus Oberhausen, die sich gerade gemeinsam am Titel „Kalinka” versuchen. Fuhrmann hört kurz zu, greift dann Akkorde und spielt mit, sagt bescheiden-amüsiert: „Macht mal, ich häng' mich dran, ich kann ja nix.” – Um dann kurz darauf richtig in die vier Saiten zu greifen und ein Lied anzustimmen: Jason Mraz' „I'm Yours”.
Bei Raimund Sper, der sich um die Öffentlichkeitsarbeit kümmert, meldet er schon einmal an, dass er nachher, wenn die Workshops vorbei sind, auf die offene Bühne geht, für die anderen Teilnehmer spielt. Um die Möglichkeit, sich im Unperfekthaus zu treffen, sagt Sper, „beneiden uns Ukulelenspieler aus ganz Deutschland. Hier ist schon alles da.” Und darum kommen manche von weit her: aus Hamburg, aus Bremen, Leimen. Unterschiedlichste Ukulelen bringen sie mit: Manche brauchen einen Verstärker, sehen aus wie eine E-Gitarre, eine ist rot und verziert mit Zeichnungen von Früchten, ein Perlmuttadler fliegt auf einer anderen – und Bertha Wende hat aus Spaß als Zweitinstrument eine aus Plastik mitgebracht, wie sie in den 1950er Jahren in den USA „in” waren – und mit der man „sogar in der Badewanne spielen kann”. Die geringe Größe und das leichte Erlernen sprechen in den Augen der „Ukuleliker” für ihr Instrument.
Ukulele ist eben kein Spielzeug
Saxophon, Klavier, Gesang, das war die Sache von Michael Fuhrmann, bevor er auf die viersaitige Ukulele kam. Im Urlaub vor fünf Jahren in Spanien geschah's: „Da sah ich eine Ukulele im Schaufenster. Ich hatte zuvor schon Stefan Raab damit spielen hören. Mich hat begeistert, dass man das Instrument so schnell lernen kann.” Heute unterscheidet er aus dem Effeff Sopran-, Konzert-, Tenor- und Bariton-Ukulelen. Doch Fuhrmann geht es um mehr als um das Instrument. „Mich fasziniert das Herkunftsland Hawaii. Ich habe mich umfassend mit der Kultur befasst. Mein Interesse geht über die Musik hinaus.”
Kleben geblieben ist er also an der Ukulele, an Hawai. Und weil er feststellte, wie schwierig es ist an die unterschiedlichen Ukulelen und an Informationen zu kommen, hat er seinen eigenen Online-Shop eröffnet: ukulele24.de . Was er da anbietet, hat er selbst getestet und für gut befunden. „Es muss meinen Qualitätsansprüchen genügen. Denn Ukulele ist eben kein Spielzeug.” Und darum wirkt das Hawaiihemd des Berufenen mit weißem Floralmotiv ein wenig so wie Berufskleidung.
0mitdiskutieren