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Urteil

EU-Gericht kippt deutsches Wettmonopol

08.09.2010 | 12:48 Uhr
EU-Gericht kippt deutsches Wettmonopol

Luxemburg.Der Europäische Gerichtshof hat das deutsche Monopol für Lotterien und Glücksspiele gekippt. Grund: Wettmonopole seien zwar zulässig, um Spielsucht zu bekämpfen. Das Ziel werde jedoch durch zuviel Werbung unterlaufen.

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat die Praxis des deutschen Sportwetten-Monopols für unzulässig erklärt und verlangt von den Bundesländern eine umgehende Neuregelung. Das Monopol sei eine Beschränkung des freien Dienstleistungsverkehrs in der EU und wäre nur gerechtfertigt, wenn es konsequent die Gefahren des Glückspiels bekämpfte. Dies sei in Deutschland aber nicht der Fall, erklärte der EuGH. Der Urteilsspruch vom Donnerstag könnte die Neuordnung des milliardenschweren Glücksspielmarkts einleiten.

Keine Systematik bei der Suchtbekämpfung

Die derzeitige Anwendung des Monopols „kann nicht mehr gerechtfertigt werden“, so der EuGH in Luxemburg. Denn „zum einen führen die Inhaber der staatlichen Monopole intensive Werbekampagnen durch, um die Gewinne aus den Lotterien zu maximieren.“ Zum anderen ermuntere die Politik zu Kasinos und Automatenspielen, die ein höheres Suchtpotenzial als Sportwetten hätten. Von einer „systematischen und kohärenten“ Regel zur Begrenzung der Suchtgefahren könne daher keine Rede sein. Die Praxis dürfe nicht länger angewandt werden.

Mehrere kleine Anbieter hatten gegen das Monopol der Sportwettenvermittlung geklagt. Vier deutsche Gerichte wandten sich daher mit der Frage an den EuGH, ob die deutsche Praxis mit europäischem Recht vereinbar sei. Dass die Kläger nun morgen zugelassen werden, ist zwar nicht zu erwarten, das Urteil vom Mittwoch ist aber eine Vorentscheidung. Nun liegt es an den vier deutschen Gerichten, über die konkreten Fälle zu urteilen.

Dennoch sprach die Generalsekretärin des Europäischen Spiel- und Wettverbandes (EGBA), Sigrid Ligné, von einem „bahnbrechenden Urteil“. In anderen Ländern sei der Markt schon geöffnet worden und es zeige sich, dass die Verbraucher in einem offenen und regulierten Markt besser geschützt werden könnten. Nun müssten die deutschen Politiker ihre Verantwortung übernehmen. Der Urteilsspruch aus Luxemburg leite überdies „das Ende des deutschen Online-Wettverbotes ein“.

Öffnung des Marktes nicht zwingend

Der Deutsche Lottoverband verteidigt dagegen sein Monopol und fordert eine Lockerung der derzeitigen Werbebeschränkungen. „Die Politiker sind aufgefordert, die Zukunft des deutschen Lottos nicht den Gerichten zu überlassen, sondern nun selbst zu handeln“, erklärte Verbandspräsident Norman Faber.

Die derzeitigen Regeln sind im Glücksspielstaatsvertrag von 2008 festgelegt. Neben dem Monopol der Bundesländer wird darin auch jede Veranstaltung oder Vermittlung von Glücksspielen im Internet verboten. Allein das staatliche Unternehmen Oddset ist für Online-Sportwetten zugelassen. Länder und Bund wollen so sicherstellen, dass sie am Glücksspiel kräftig mitverdienen. Doch der Markt hat sich längst verselbstständigt, weil private Anbieter Sportwetten aus dem Ausland vermitteln. Laut einer Studie der Beratungsfirma Goldmedia entfallen inzwischen 81 Prozent der Online-Glücksspiel- und Wetteinsätze auf private inländische oder ausländische Anbieter.

Eine konkrete Vorgabe für die geforderte Neuregelung gab der EuGH nicht. Eine Öffnung des Marktes sei nicht zwingend, heißt es im Urteil. Denn grundsätzlich ließen sich die Gefahren des Glücksspiels mit einem Monopol wirksamer beherrschen als mit einem privaten System.

(Rechtssachen C-409/06, C-316/07, C-358/07, C-359/07, C-360/07, C-409/07 und C-410/07)

DerWesten

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Kommentare
08.09.2010
20:13
EU-Gericht kippt deutsches Wettmonopol
von GOLFFUENF | #11

Die EU ist unser Untergang!
Die befehlen und der dumme Deutsche gehorcht.
Nur weiter so.Es wird noch schlimmer kommen.

08.09.2010
18:01
EU-Gericht kippt deutsches Wettmonopol
von jakov efroni | #10

Ein historischer Tag für die liberale europäische Gesetzesgebung. Mit kaum zu vermutender Deutlichkeit hat der EUGH heute in Luxemburg, das deutsche Sportwettenmonopol gekippt. Dieses Urteil könnte im schlimmsten Fall für die deutschen Lotogesellschaften, mit ihren führenden Köpfen, Horak (Bayern) und Wortmann (Nordrheinwestfalen), zum Supergau werden. Da jetzt auch nach diesem Urteil das Monopol auf Lotto höchst zweifelhaft erscheint, könnte die Zukunft des deutschen Lottoblocks mehr als ungewiss sein...Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein!...

08.09.2010
15:59
EU-Gericht kippt deutsches Wettmonopol
von 840 | #9

HAHAHAHA,und wieder eine Schlappe unserer Bananenrepublik. Ist mal wieder ein Beweis dafür wie schlampig unsere Politiker Gesetze entwerfen und dann scheitern.

08.09.2010
15:33
EU-Gericht kippt deutsches Wettmonopol
von WilliWacker | #8

Dafür dürfen sich die Gurken auch wieder krümmen.

08.09.2010
14:54
EU-Gericht kippt deutsches Wettmonopol
von Lally | #7

Jede Woche die 10, Euro (oder was immer auch ein Schein kostet) in den Sparstrumpf, ergibt bei 52 Wochen am Ende des Jahres 520, Euro. Ein schöner Gewinn. Wozu benötige ich da Oddset und Co.?

08.09.2010
14:42
EU-Gericht kippt deutsches Wettmonopol
von Atheist | #6

Zitat aus #4:
Wofür brauchen wir noch deutsche Gesetzgebungen?! Die sind doch mittlerweile absolut überflüßig, wenn ich jeden Tag lesen muss ,,EU sagt.... ,,EU- Rechtslinie missachtet ........

Na ja, irgendwo hat eben alles Vor- und Nachteile. Sicher gab und gibt es von der EU schon manche Entscheidung, die einem mit dem Kopf schütteln lässt.
Aber es gab in der Vergangenheit eben auch schon oft, wie auch jetzt wieder dieses aktuelle Urteil gegen das an Falschheit durch den deutschen Staat kaum zu überbietende Glückspielmonopol, manche Regelung durch die EU, die dem oberfaulen Zauber mancher staatl. Willkür ein Ende setzte. Ein Ende, das sonst nie und nimmer zustande gekommen wäre.

08.09.2010
14:12
EU-Gericht kippt deutsches Wettmonopol
von orfeo | #5

Ich bin jetzt etwas irritiert, aber sieht tatsächlich so aus, als ob die EU was Vernünftiges von sich gegeben hat. Aber Mutti Staat wird sich nicht lumpen lassen, um trotz allem weiter an unsere geschätzten Kröten zu kommen - wetten?

08.09.2010
13:45
EU-Gericht kippt deutsches Wettmonopol
von Pablo | #4

Davon mal abgesehen wie man das ganze betrachtet, Fakt ist doch:
Wofür brauchen wir noch deutsche Gesetzgebungen?! Die sind doch mittlerweile absolut überflüßig, wenn ich jeden Tag lesen muss ,,EU sagt.... ,,EU- Rechtslinie missachtet
Dann nehmt uns doch gleich direkt die deutsche Verfassung.

08.09.2010
13:40
EU-Gericht kippt deutsches Wettmonopol
von jupp_tibulski | #3

Bravo, endlich einmal ein gutes Urteil aus Brüssel. Die Pharisäer haben verloren und die privaten können wieder Wetten anbieten !

08.09.2010
13:07
EU-Gericht kippt deutsches Wettmonopol
von agendasozial | #2

Das ist der Widerspruch- Der Staat will die Sucht nicht bekämpfen, sondern daran verdienen. Mit einer wirksamen Bekämpfung würde er sich schaden. Das gilt auch für Tabak und Alkohol

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